„Wir setzen auf Open Source“ muss vom politischen Lippenbekenntnis zur handlungsleitenden Richtschnur werden – das fordert Dr. Christian Knebel in seinem Gastbeitrag und zeigt, wie es gelingen kann.
Mit Open Source Software gewinnt die Verwaltung Kompetenzen zurück.
Der aktuelle Open Source Monitor des Bitkom stellt Einstellungen und Einsatz von Open Source Software (OSS) in Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor nebeneinander – und fördert damit Interessantes zur Verwaltungsdigitalisierung zutage. Das Wichtigste in punkto Open Source Software: Sie wird sowohl in der Wirtschaft als auch in staatlichen Behörden vor allem als kostengünstige Alternative betrachtet. Sicher, Open Source spart Steuergeld. Doch das ist zu kurz gedacht. So bestechend Kostenvorteile auf den ersten Blick sind — mit der Kostenbrille geht der Weitblick verloren. Das muss sich dringend ändern.
In der Kostenfalle – und die gewichtigeren Vorteile übersehen
Bund und Länder haben in den letzten Jahren Milliarden in die Beschaffung und Lizensierung proprietärer Software investiert. Open-Source-Lösungen wären wohl oftmals der günstigere Weg gewesen – immerhin der Aspekt, der mit 19 Prozent am häufigsten auch von Verwaltungsmitarbeitenden als Vorteil von Open Source in der Bitkom-Befragung genannt wurde. Was dabei allerdings aus dem Blick gerät: Investierte Gelder wären mit Open Source auch kein weiterer Schritt in Richtung eines langfristigen Lock-In Effekts gewesen, der langsam aber sicher in die Kostenfalle führt.
Es greift vor allem aus staatlicher Sicht zu kurz, die Vorteile von Open Source auf Kostenersparnisse zu reduzieren: Viel entscheidender sind die Vorteile, wenn es um die Stärkung von digitaler Souveränität, den Aufbau verwaltungseigener Kompetenzen und den Gewinn an Flexibilität für die Bewältigung neuer Herausforderungen geht. Denn hierauf kommt es in der Zeitenwende an, dass unser demokratischer Staat jederzeit handlungsfähig ist – unabhängig ist von den Launen der alten Verwandten auf der anderen Seite des großen Teiches und deren Tendenz, auch auf die heimischen, global führenden Tech-Konzerne politischen Druck auszuüben.
Das entsprechende Risikobewusstsein unter den IT-Entscheidern im öffentlichen Dienst ist hierfür noch unterentwickelt. 12 Prozent von ihnen nennen den Zugriff auf den Quellcode als wichtigen Vorteil von OSS, 11 Prozent die Adaptionsfähigkeit und neun Prozent die digitale Souveränität. Das sind beängstigend niedrige Zahlen. Beängstigend hoch ist dagegen eine andere Zahl: 17 Prozent der öffentlichen IT-Entscheider führen Sicherheitsbedenken gegen Open Source an; in der Wirtschaft sind es nur zehn Prozent.
Von der Nische in den Fokus
Dabei ist digitale Souveränität kein Nischenthema für Nerds. Der Begriff fällt längst nicht nur in Fachforen, inzwischen ist er selbst in der Tagesschau zuhause. Im Koalitionsvertrag ist die Stärkung der digitalen Souveränität fest als Ziel verankert. Nun muss aus Papier noch echte Stärke werden. Dafür bedarf es zunächst an Überzeugungskraft. Die Digitalisierung des Staates funktioniert nur, wenn ihr ein Prozess des Kulturwandels unterlegt ist. Bedenken gegen Open Source sollten gezielt adressiert werden, um sie abbauen zu können.
Und hier sind wir gleich beim größten Bedenken. Der Bitkom-Monitor meldet die Sorge, nicht über genügend Fachkräften zu verfügen als größte Hürde für den Einsatz von Open Source in der Verwaltung. Die Full-Service-Verträge der globalen Anbieter erscheinen verlockend, versprechen sie doch eins: Nun kümmern sich die Experten mit erprobter proprietärer Software rund um die Uhr darum, dass in der Verwaltung alles rund läuft. Der große Verlierer ist der öffentliche Dienst. Er verliert (Handlungs-) Kompetenz und Kompetenzen.
Open Source heißt Insourcing
Mit Open Source Software gewinnt die Verwaltung eine neue Chance und Kompetenzen zurück. Open Source lebt vom Mit- und Selbermachen. Dabei geht es nicht um Frickelkram, sondern um den Erwerb moderner Fertigkeiten wie Flexibilität und Reaktionsfähigkeit, Steuerung und um Training on the Job. So wird Verwaltung wieder spannend und ein attraktiver Arbeitgeber (nicht nur) für junge Leute. Der Monitor verzeichnet hierfür eine bemerkenswert positive Entwicklung. Die aktive Mitarbeit im öffentlichen Dienst an OSS-Projekten ist von 46 Prozent im Jahr 2021 auf 64 Prozent in diesem Jahr sprunghaft angestiegen und hat die Wirtschaft (47 %) deutlich überholt. Open Source bedeutet Insourcing.
Die Verwaltungsspitzen müssen schließlich wissen: Mit Closed Source Software geben sie das Ruder aus der Hand. Mit Open Source Software behalten sie es in der Hand und stellen den Staat auf die eigenen digitalen Füße.
Wie es funktionieren kann
Was braucht es, damit diese Potenziale für mehr digitale Souveränität und eine leistungsfähige Verwaltung aktiviert werden können? „Wir setzen auf Open Source“ muss vom politischen Lippenbekenntnis zur handlungsleitenden Richtschnur werden. Sprich: Behörden müssen auch wirklich Open Source einkaufen. Öffentliche Gelder sollten vorrangig für öffentliches Gut eingesetzt werden, wie es freie Software ist. Neben einem Einstellungs- und Kulturwandel und Aufklärung über zentrale Vorteile braucht es hierzu auch klare Vorgaben im Vergaberecht. Warum digitale Souveränität und damit die Offenheit und Kontrollierbarkeit zentraler Komponenten der staatlichen Software-Landschaft nicht zum (mit-) entscheidenden Vergabekriterium machen?
Stand: 08.12.2025
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* Der Autor Dr. Christian Knebel ist CEO der Publicplan GmbH.