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So funktioniert die Aufwandseinschätzung in Scrum-Projekten

Mit Poker zum Projekterfolg

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So wird gespielt

Daraufhin legt jeder Entwickler verdeckt eine Karte mit seiner Schätzung auf den Tisch. Hierdurch beeinflussen sich die Entwickler nicht gegenseitig und jeder überlegt erst mal für sich. Anschließend werden die Karten umgedreht und eine Diskussion unter den Entwicklern beginnt.

Bei großen IT-Projekten taugt die Poker-Methode nicht; hier würde das Spiel schnell zum "Gebetbuch des Teufels".
Bei großen IT-Projekten taugt die Poker-Methode nicht; hier würde das Spiel schnell zum "Gebetbuch des Teufels".
(Bild: Günther Gumhold / pixelio.de)

Insbesondere die Entwickler mit der höchsten und niedrigsten Schätzung sollten die Gründe für die Schätzung darlegen. Anschließend geht es in die nächste Runde. Wieder legen alle Entwickler verdeckt eine Karte auf den Tisch. Wieder werden die Karten umgedreht. Wieder wird diskutiert.

Es wird so viele Runden gepokert, bis nur noch maximal zwei unterschiedliche Werte als Karten auf dem Tisch liegen. Von diesen beiden Werten wird dann gemäß dem Motto „im Zweifel ist der Aufwand höher“ der höhere Wert genommen.

Gut zu wissen!

Planning Poker ist ein Teilbereich von Scrum und wird daher auch als „Scrum Poker“ bezeichnet. Die Aufwandsschätzung mittels Planning Poker kann jedoch auch ohne den Einsatz des Scrum Frameworks durchgeführt werden.

Ohne gezielte Moderation geht es nicht

Doch lässt man die Entwickler ganz ohne Moderation diskutieren und Runde um Runde Karten legen, kann sich die Schätzung als sehr zeitintensiv herausstellen. Die Schätzung eines Teilproblems kann so leicht zehn Minuten in Anspruch nehmen und damit teuer werden.

Wenn beispielsweise insgesamt 20 Teilprobleme zu schätzen sind, kann die Schätzung ohne Moderation ohne weiteres mehrere Stunden dauern. Daher ist es wichtig, als Moderator frühzeitig in die Diskussion einzugreifen und diese abzubrechen, wenn das Problem genau genug verstanden wurde, um eine fundierte Schätzung abgeben zu können.

Nicht jedes kleinste technische Umsetzungsdetail spielt für die Schätzung eine Rolle. Weiterhin verhärten sich in manchen Fällen auch die Fronten unter den Entwicklern, so dass kein Konsens entsteht und daher der Moderator für einen raschen Kompromiss sorgen muss. In einem solchen Fall ist es ratsam, trotz Uneinigkeit die höchste Schätzung zu verwenden.

Der Moderator ist somit ein sehr wichtiges Element beim Planning Poker und hat die Aufgabe, den Aufwand für die Schätzung im vertretbaren Rahmen zu halten. Er sollte selbst erfahrener Entwickler sein. So kann er am besten dafür sorgen, dass die Runde möglichst zügig vorankommt.

Für Initialschätzung großer Projekte ungeeignet

Hat man einige Zeit mit dieser Methode Aufwände von Anpassungen/Erweiterungen und kleinen Tools geschätzt, so fällt schnell auf, dass selbst bei diesen kleineren Entwicklungsaufgaben Disziplin und Moderation notwendig sind, um den zeitlichen Rahmen nicht zu sprengen. Geht es um die Anfrage eines Kunden, wie teuer ein etwas komplexeres Projekt werden wird, so nimmt diese Methode zu viel Zeit in Anspruch.

Betrachtet man die zu erwartende Ungenauigkeit der Schätzung großer Projekte, so stimmt das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen nicht. Da vor der Schätzung alles in Teilprobleme oder Userstories zerlegt werden muss, schleichen sich naturgemäß viele Unbekannte in die Schätzung mit ein. Man kommt nicht darum herum zu akzeptieren, dass große Softwareprojekte nur sehr ungenau abschätzbar sind.

Daher eignen sich hierfür eher andere Schätzmethoden, die ungenauer aber schneller durchführbar sind. Als Beispiel sei an dieser Stelle das sogenannte „Team Estimation Game“ erwähnt. Bei einem unserer nächsten großen Entwicklungsprojekte werden wir die Schätzung mit dieser Methode durchführen und über unsere Erfahrungen in unserem Blog und Kundenmagazin berichten.

* Sebastian Krack ist Teamleiter des Software-Entwicklerteams der Adacor Hosting GmbH.

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