Spätestens seit der Veröffentlichung des KI-Tools ChatGPT im November 2022 kennt das Thema Künstliche Intelligenz (KI) kein Halten mehr. Der vom US-Unternehmen OpenAI entwickelte Chatbot hatte nach nur zwei Monaten schätzungsweise 100 Millionen monatlich aktive Nutzer. Und die Nutzerzahlen wuchsen rasch weiter.
Die KI-Erstrundenspieler sind äußerst erfolgreich und haben ein solides Fundament geschaffen, auf dem sich das KI-Potenzial entfalten kann, sagen Börsenanalysten.
(Bild: vchalup - stock.adobe.com)
Auch andere Anbieter ähnlicher KI-Anwendungen freuten sich über regen Zulauf. Ist es Euphorie oder Hysterie? „Wenn sie mich fragen: Der Hype ist nicht groß genug“, sagt der Aktienexperte Raj Shant vom Aktieninvestor Jennison Associates.
KI ist eine Revolution, eine disruptive und bahnbrechende Technologie. KI ist so wichtig wie der erste Desktop-Computer.
Raj Shant, Jennison Associates
Unter den „Anführern“ der KI-Revolution sind große US-amerikanische Technologiewerte, deren Börsendominanz sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zementierte. Die „Magnificent Seven“ („Glorreichen Sieben“) – bestehend aus Microsoft , Apple , Nvidia , Alphabet , Amazon , Meta und Tesla – trugen die Rallye der US-Börsen und wuchsen überproportional. Nur dank der „Glorreichen“ florierte der breit gefächerte US-Aktienindex S&P 500 im vergangenen Jahr. Ohne die Technologieriesen wäre der nach Marktkapitalisierung gewichtete Index im Jahr 2023 gar gefallen.
Microsoft derzeit wertvollstes Unternehmen der Welt
Gleichwohl führte der Kursboom der großen Techkonzerne selbst in weltweit diversifizierten Aktienportfolios zu einem Klumpenrisiko, also einer Häufung von Risiken durch die Konzentration auf eine bestimmte Branche, Region oder Anlageklasse.
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,94 Billionen US-Dollar ist Microsoft derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt. In den USA folgen Apple (2,61 Billionen), Nvidia (2,08), der Google-Mutterkonzern Alphabet (2,04), Amazon (1,86) und Meta (1,11). Elon Musks Tesla liegt mit einem Börsenwert von 0,57 Billionen Dollar aktuell etwas abgeschlagen auf Platz 8 der wertvollsten US-Unternehmen, noch hinter dem Halbleiterunternehmen Broadcom. Teslas Geschäftsmodell basiert jedoch unter den „Glorreichen Sieben“ derzeit am wenigsten auf KI.
„Die wichtigsten Akteure sind bereits profitabel“
Bei den Kurssteigerungen der KI-Unternehmen entbrannte immer wieder ein historischer Vergleich: Manche Investoren fühlen sich an die Blase des Internet-Booms und den „Neuen Markt“ um die Jahrtausendwende erinnert. Die Kurse von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf die Nutzung des Internets ausgerichtet war, schossen nach oben. Viele erfüllten die Erwartungen nicht, die Internetblase platzte.
Chefvolkswirt Jörg Krämer und Aktienexperte Thomas Becker von der Commerzbank sehen die Kursgewinne jedoch auf soliderer Grundlage: „Die wichtigsten Akteure sind bereits profitabel und wesentlich finanzstärker als die Unternehmen vor 25 Jahren. Zudem ist die benötigte Infrastruktur in größerem Umfang bereits vorhanden.“
Richtig ist: Die „Glorreichen Sieben“ sind Marktführer in einigen Bereichen und haben gezeigt, neue Technologien erfolgreich umsetzen zu können. Auch Aktienexperte Raj Shant von Jennison Associates sieht weiteres Potenzial: „Die Leute haben so oft gefragt, wie groß kann Microsoft noch werden? Und trotzdem wurden sie immer größer. Bei Apple war es dasselbe.“
„Einbruch der Kurse wie vor 25 Jahren ist sehr unwahrscheinlich“
Laut den Commerzbank-Experten Krämer und Becker ein weiterer wichtiger Unterschied zu damals: Die Unternehmen der Internetblase fokussierten sich auf schnell steigende Umsätze statt auf die Rentabilität von Produkten, Projekten und Kunden. Dies habe zu schwachen Bilanzen, negativen Ergebnisrevisionen und enttäuschten Markterwartungen geführt.
Heute hingegen ist laut den Commerzbank-Fachmännern sowohl bei Anbietern als auch Anwendern von KI-Applikationen die Steigerung der Produktivität und damit der Profitabilität zentral. „Die Solidität der KI-Erstrundenprofiteure schafft ein tragfähiges Fundament, auf dem sich das KI-Potenzial entfalten kann. Ein Einbruch der Kurse wie vor knapp 25 Jahren ist also sehr unwahrscheinlich“, schrieben Krämer und Becker. Ein weiterer Vorteil der heutigen KI-Unternehmen sei die global vernetzte und entwickelte IT-Infrastruktur.
Zunehmende Regulierung als Herausforderung
Aktienexperte Shant betont die Relevanz von Nutzbarkeit und Rentabilität von KI-Anwendungen: „Der größte Misserfolg wäre es, das nächste große Ding zu verpassen. Entscheidend ist: Wo liegt der Mehrwert?“
Roman Przibylla vom Finanzinstitut CAT Financial Products stimmt zu: „Aktuell lohnt es sich, im Detail zu untersuchen, welche Unternehmen am meisten vom Einsatz von KI profitieren können. Neben Halbleiterunternehmen wie Nvidia, AMD und Super Micro Computer sind dies in der breiten Öffentlichkeit noch unbekannte Tech-Werte wie Gitlab, Palantir, Samsara oder Cloudflare.“ Super Micro Computer ist ein US-Hersteller von Computern für Rechenzentren.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Krämer und Becker sehen beim Megatrend KI die kurzfristigen ökonomischen Implikationen tendenziell überschätzt und die langfristigen Auswirkungen unterschätzt. Derzeitige Herausforderungen seien das allgemein ungünstigere Umfeld multipler Krisen und die zunehmende Regulierung, die Innovationen tendenziell ausbremsen könnte.
Auch Aktienexperte Shant warnt zugleich vor Überregulierung. „China kann bei generativer KI nicht gewinnen, weil es sie zu sehr kontrollieren würde. Die europäische Debatte lautet derweil: Was können wir tun, um unsere KI-Champions zu fördern? Die bessere Frage wäre: Was können wir unterlassen, damit unsere KI-Champions innovativ sein können?“ Auf die Frage, welches Unternehmen in Zukunft glänzen und welches untergehen wird, erlaubt sich Shant lieber kein Urteil: „Wenn ich das wüsste!“