IT-Champions treiben den Markt Die „Glorreichen Sieben“ und KI: Experten sehen noch viel Potenzial

Von Leonard Fischer, dpa-AFX 4 min Lesedauer

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Spätestens seit der Veröffentlichung des KI-Tools ChatGPT im November 2022 kennt das Thema Künstliche Intelligenz (KI) kein Halten mehr. Der vom US-Unternehmen OpenAI entwickelte Chatbot hatte nach nur zwei Monaten schätzungsweise 100 Millionen monatlich aktive Nutzer. Und die Nutzerzahlen wuchsen rasch weiter.

Die KI-Erstrundenspieler sind äußerst erfolgreich und haben ein solides Fundament geschaffen, auf dem sich das KI-Potenzial entfalten kann, sagen Börsenanalysten.(Bild:  vchalup - stock.adobe.com)
Die KI-Erstrundenspieler sind äußerst erfolgreich und haben ein solides Fundament geschaffen, auf dem sich das KI-Potenzial entfalten kann, sagen Börsenanalysten.
(Bild: vchalup - stock.adobe.com)

Auch andere Anbieter ähnlicher KI-Anwendungen freuten sich über regen Zulauf. Ist es Euphorie oder Hysterie? „Wenn sie mich fragen: Der Hype ist nicht groß genug“, sagt der Aktienexperte Raj Shant vom Aktieninvestor Jennison Associates.

KI ist eine Revolution, eine disruptive und bahnbrechende Technologie. KI ist so wichtig wie der erste Desktop-Computer.

Raj Shant, Jennison Associates

Unter den „Anführern“ der KI-Revolution sind große US-amerikanische Technologiewerte, deren Börsendominanz sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zementierte. Die „Magnificent Seven“ („Glorreichen Sieben“) – bestehend aus Microsoft , Apple , Nvidia , Alphabet , Amazon , Meta und Tesla – trugen die Rallye der US-Börsen und wuchsen überproportional. Nur dank der „Glorreichen“ florierte der breit gefächerte US-Aktienindex S&P 500 im vergangenen Jahr. Ohne die Technologieriesen wäre der nach Marktkapitalisierung gewichtete Index im Jahr 2023 gar gefallen.

Microsoft derzeit wertvollstes Unternehmen der Welt

Gleichwohl führte der Kursboom der großen Techkonzerne selbst in weltweit diversifizierten Aktienportfolios zu einem Klumpenrisiko, also einer Häufung von Risiken durch die Konzentration auf eine bestimmte Branche, Region oder Anlageklasse.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,94 Billionen US-Dollar ist Microsoft derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt. In den USA folgen Apple (2,61 Billionen), Nvidia (2,08), der Google-Mutterkonzern Alphabet (2,04), Amazon (1,86) und Meta (1,11). Elon Musks Tesla liegt mit einem Börsenwert von 0,57 Billionen Dollar aktuell etwas abgeschlagen auf Platz 8 der wertvollsten US-Unternehmen, noch hinter dem Halbleiterunternehmen Broadcom. Teslas Geschäftsmodell basiert jedoch unter den „Glorreichen Sieben“ derzeit am wenigsten auf KI.

„Die wichtigsten Akteure sind bereits profitabel“

Bei den Kurssteigerungen der KI-Unternehmen entbrannte immer wieder ein historischer Vergleich: Manche Investoren fühlen sich an die Blase des Internet-Booms und den „Neuen Markt“ um die Jahrtausendwende erinnert. Die Kurse von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf die Nutzung des Internets ausgerichtet war, schossen nach oben. Viele erfüllten die Erwartungen nicht, die Internetblase platzte.

Chefvolkswirt Jörg Krämer und Aktienexperte Thomas Becker von der Commerzbank sehen die Kursgewinne jedoch auf soliderer Grundlage: „Die wichtigsten Akteure sind bereits profitabel und wesentlich finanzstärker als die Unternehmen vor 25 Jahren. Zudem ist die benötigte Infrastruktur in größerem Umfang bereits vorhanden.“

Richtig ist: Die „Glorreichen Sieben“ sind Marktführer in einigen Bereichen und haben gezeigt, neue Technologien erfolgreich umsetzen zu können. Auch Aktienexperte Raj Shant von Jennison Associates sieht weiteres Potenzial: „Die Leute haben so oft gefragt, wie groß kann Microsoft noch werden? Und trotzdem wurden sie immer größer. Bei Apple war es dasselbe.“

„Einbruch der Kurse wie vor 25 Jahren ist sehr unwahrscheinlich“

Laut den Commerzbank-Experten Krämer und Becker ein weiterer wichtiger Unterschied zu damals: Die Unternehmen der Internetblase fokussierten sich auf schnell steigende Umsätze statt auf die Rentabilität von Produkten, Projekten und Kunden. Dies habe zu schwachen Bilanzen, negativen Ergebnisrevisionen und enttäuschten Markterwartungen geführt.

Heute hingegen ist laut den Commerzbank-Fachmännern sowohl bei Anbietern als auch Anwendern von KI-Applikationen die Steigerung der Produktivität und damit der Profitabilität zentral. „Die Solidität der KI-Erstrundenprofiteure schafft ein tragfähiges Fundament, auf dem sich das KI-Potenzial entfalten kann. Ein Einbruch der Kurse wie vor knapp 25 Jahren ist also sehr unwahrscheinlich“, schrieben Krämer und Becker. Ein weiterer Vorteil der heutigen KI-Unternehmen sei die global vernetzte und entwickelte IT-Infrastruktur.

Zunehmende Regulierung als Herausforderung

Aktienexperte Shant betont die Relevanz von Nutzbarkeit und Rentabilität von KI-Anwendungen: „Der größte Misserfolg wäre es, das nächste große Ding zu verpassen. Entscheidend ist: Wo liegt der Mehrwert?“

Roman Przibylla vom Finanzinstitut CAT Financial Products stimmt zu: „Aktuell lohnt es sich, im Detail zu untersuchen, welche Unternehmen am meisten vom Einsatz von KI profitieren können. Neben Halbleiterunternehmen wie Nvidia, AMD und Super Micro Computer sind dies in der breiten Öffentlichkeit noch unbekannte Tech-Werte wie Gitlab, Palantir, Samsara oder Cloudflare.“ Super Micro Computer ist ein US-Hersteller von Computern für Rechenzentren.

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Krämer und Becker sehen beim Megatrend KI die kurzfristigen ökonomischen Implikationen tendenziell überschätzt und die langfristigen Auswirkungen unterschätzt. Derzeitige Herausforderungen seien das allgemein ungünstigere Umfeld multipler Krisen und die zunehmende Regulierung, die Innovationen tendenziell ausbremsen könnte.

Auch Aktienexperte Shant warnt zugleich vor Überregulierung. „China kann bei generativer KI nicht gewinnen, weil es sie zu sehr kontrollieren würde. Die europäische Debatte lautet derweil: Was können wir tun, um unsere KI-Champions zu fördern? Die bessere Frage wäre: Was können wir unterlassen, damit unsere KI-Champions innovativ sein können?“ Auf die Frage, welches Unternehmen in Zukunft glänzen und welches untergehen wird, erlaubt sich Shant lieber kein Urteil: „Wenn ich das wüsste!“

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