Nahtlose Systemintegration und Automatisierung sind notwendig Studie zeigt Defizite bei digitaler Transformation des Energiesektors auf

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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19 Prozent der Energieunternehmen arbeiten immer noch mit völlig inkompatiblen IT-Systemen. Aber immerhin 59 Prozent setzen KI zur Automatisierung ein. Doch ist der Energiesektor damit wirklich für die digitale Zukunft gerüstet?

Das digitale Transformations- und Automatisierungslevel im deutschen Energiesektor könnte höher sein; größter Hemmschuh sind inkompatible IT-Systeme.(Bild:  AREE - stock.adobe.com)
Das digitale Transformations- und Automatisierungslevel im deutschen Energiesektor könnte höher sein; größter Hemmschuh sind inkompatible IT-Systeme.
(Bild: AREE - stock.adobe.com)

Wenn es nach den IT-Entscheidungsträgern in deutschen Energieunternehmen geht, besteht noch erheblicher Nachholbedarf. Das legen die Ergebnisse der Studie „Frends Energy Insight 2024“ nahe. Demnach hat noch fast ein Fünftel (19 %) der befragten Energieerzeuger- und Energieversorgungsunternehmen in Deutschland vollkommen inkompatible IT-Systeme im Einsatz. Bei 21 Prozent ist die für eine digitale Transformation nötige Kompatibilität nur teilweise vorhanden. Ein Großteil (82 %) derjenigen, die über teilweise oder völlig inkompatible Systeme in ihrer Organisation berichten, verzeichnet dadurch eine starke bis sehr starke Beeinträchtigungen ihrer Prozesseffizienz.

Vor allem die Anbindung von Legacy-Systemen spielt für einen besseren Digitalisierungsgrad eine kritische Rolle. Der Grund: Inkompatible IT-Systeme erschweren die Integration moderner Technologien wie Smart Grids, IoT-Plattformen und KI-basierter Tools. Dabei sei gerade der Energiesektor wie kaum ein anderer auf Echtzeitdaten und eine präzise Steuerung angewiesen, erklären die Studienmacher. Die Folge: erhöhte Betriebskosten und eine geringere Innovationsfähigkeit. Auf die Frage, in welchen Aufgabenfeldern die Vernetzung unterschiedlicher Bestands- und Neusysteme ein aktuelles Thema innerhalb des eigenen Unternehmens darstelle, werden die Bereiche Datenanalyse (59 %), Energiemanagement und -handel (53 %) sowie Personalmanagement (48 %) am häufigsten genannt.

Handlungsbedarf in fast allen Geschäftsbereichen

Fast ein Viertel (22 %) der Studienteilnehmer gibt in der Studie zudem an, mit Partnern, Lieferanten und Kunden noch überwiegend per Fax zu kommunizieren. Allein das zeige, wie lange der Weg in puncto Digitalisierung im Energiesektor noch zu gehen sei: „Nach Jahren voller Herausforderungen wie Versorgungsengpässen, der Energiewende, geopolitischen Spannungen und Inflation – aber auch zahlreichen technologischen Fortschritten – steht die Energie- und Versorgungsbranche an einem entscheidenden Punkt, denn ohne Digitalisierungs- und Automatisierungsinitiativen sind Unternehmen in diesem Sektor nicht zukunftsfähig“, kommentiert Tom Schröder, Regional Director DACH bei Frends.

Eine umfassende Digitalisierung zentraler Geschäftsbereiche sei für Energieversorger entscheidend, um den wachsenden Anforderungen und Herausforderungen des Marktes gerecht zu werden. Dies gelte insbesondere für die firmeninterne Datenanalyse und das Energiemanagement. Mehr als die Hälfte (jeweils 55 %) der Befragten sieht hier einen viel höheren Bedarf als es zum jetzigen Zeitpunkt der Fall ist. Auch in anderen Geschäftsbereichen bedarf es eines wesentlich höheren Digitalisierungsgrades, beispielsweise bei der Energieerzeugung (48 %), Wartung und Instandhaltung (47 %), im Kundenservice (46 %), Personalmanagement (45 %), Verkaufsprozess (45 %) sowie bei Messung und Abrechnung beziehungsweise IT und E-Commerce (jeweils 44 %).

Die Automatisierung betrieblicher Abläufe könnte zum weiteren Schlüsselfaktor für Effizienz und Zukunftsfähigkeit werden. Entsprechend sehen 49 Prozent der Befragten einen hohen Bedarf an Prozessautomatisierung im Energiemanagement und fast ebenso viele (47 %) in der Datenanalyse.

Künstliche Intelligenz, Cloud und Prozessautomatisierung

Unternehmen im Energie- und Versorgungssektor können von modernen Technologien nur profitieren, beispielsweise durch die Entwicklung vorausschauender Wartungsstrategien. Diese helfen dabei potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und proaktiv zu beheben, bevor es zu kostspieligen Ausfällen kommt. KI-Technologien sind zudem in der Lage, Daten (automatisiert) zu konsolidieren und zu analysieren. Entsprechend können Unternehmensverantwortliche auf Basis valider Informationen und präziser Prognosen intelligente Entscheidungen und Automatisierungsprozesse initiieren oder optimieren. Dies führt letztlich zu einem besseren Energiemanagement, reduziert Ausfallzeiten und unterstützt die Integration erneuerbarer Energien und damit eine nachhaltige Unternehmensführung.

Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (59 %) im deutschen Energiesektor nutzt bereits KI für die Automatisierung. Bei knapp einem Viertel der Befragten (22 %) macht Cloud-Software bereits mehr als die Hälfte der eingesetzten Software aus, bei 64 Prozent bis zu 50 Prozent aller eingesetzten Programme. Ein Viertel (24 %) der Befragten setzt KI bereits in allen Abteilungen ein. Zwei Drittel (66 %) nutzen KI, aber noch nicht überall.

Studienmethode
Arlington Research, eine unabhängige Marktforschungsagentur der Berkeley Gruppe, führte im Auftrag von Frends im Juni 2024 insgesamt 150 Online-Interviews mit IT-Entscheidungsträgern in Energieerzeugungs- und Energieversorgungsunternehmen in Deutschland, einschließlich Gas- und Stromindustrie. Die Ergebnisse sind in der Studie „Frends Energy Insight 2024“ (Download gegen Registrierung) zusammengefasst.

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