Wer dezentral arbeitet, ist noch stärker auf digitale Informationen angewiesen als in traditionellen Arbeitsmodellen. Untersuchungen zeigen: Produktivität und Effizienz sind eng mit der Qualität von Sprache und Informationen verknüpft.
Durch verständliche Sprache werden komplexe Vorgänge klar und nachvollziehbar. Repräsentative Umfragen zeigen, dass Menschen Organisationen mehr vertrauen, die auf Fachsprache verzichten.
Eine wertschätzende Feedbackkultur hält Teams zusammen – besonders wichtig ist das beim Arbeiten im Home Office. Wenn sich Teammitglieder wohlfühlen, ist das eine gute Voraussetzung für erfolgreiche Projekte. Völlig unterschätzt von Vorgesetzten und Mitarbeitern ist der positive Effekt klarer Sprache auf Arbeitsergebnisse – und der negative Effekt schwer verständlicher Kommunikation. Die Produktivität drosseln unter anderem:
Ausschweifende E-Mails, aus denen nur schwer Handlungen abgeleitet werden können.
Schwer verständliche Dokumente, die die Bearbeitungszeit erhöhen.
Unverständliche Handbücher und Leitfäden, die das Einhalten von Prozessen erschweren.
Schwer verständliche Entscheidungsvorlagen, die Entscheidungen verzögern oder ihre Qualität verschlechtern.
Übermäßiger Gebrauch von Fachjargon, der Nicht-Experten ausschließt und die notwendige klare Verständigung innerhalb interdisziplinärer Teams behindert.
Untersuchungen zeigen, wie wichtig klare Kommunikation am Arbeitsplatz ist. Einige Beispiele:
Eine Studie bei einem kanadischen Finanzdienstleister zeigte: Verständliche Sprache kann die Produktivität von Mitarbeitern um bis zu 36,9 Prozent erhöhen.
Auch die Fehlerquote konnte in dieser Studie durch Klartext um 77 Prozent gesenkt werden.
Die Agentur „Labrador“ fand in einer Studie heraus, dass kurze Sätze ohne Fachjargon beim Lesen etwa 50 Prozent der Zeit sparen.
Zudem konnten sich 41 Prozent der Studien-Probanden wichtige Informationen besser merken, wenn sie einfach formuliert waren.
Behördensprache
In seinem Online-Kurs „Verständlich verwalten“ nennt Dr. Jörg Bockow einen häufigen Einwand von Teilnehmern: „Bei uns sagt man das eben so.“ Historisch gesehen stammt Verwaltungssprache aber aus einer Zeit, in der nur ein bestimmter Kreis die Verlautbarungen der Obrigkeit verstehen sollte.
Dieser Ansatz ist nicht mehr zeitgemäß, sagt der Experte, der unter anderem an der Fortbildungsakademie des Ministeriums des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen unterrichtet. Die Sprache sollte sich an die Verhältnisse anpassen. Von den positiven Effekten klarer Kommunikation profitiert nicht nur die Beziehung zum Bürger – auch die interne Verständigung funktioniert in klarer Sprache besser und spart Zeit.
Verständliche Sprache wirkt sich auf alle Teile der Organisation positiv aus. Klare Kommunikation spart Zeit, senkt Rückfragen, reduziert Fehler und erleichtert die Einarbeitung. Besonders wichtig ist klare Sprache in den folgenden Bereichen.
Projektmanagement
Ob im Online-Meeting mit Microsoft Teams, im internen Wiki mit Confluence oder in E-Mails: Fachsprache bremst Kommunikation und ist eine Fehlerquelle. Wirtschaftsjargon wie „Kostendruckinflation“ oder IT-Sprech wie „ASCII“ und „RAM“ können für Teammitglieder ohne einschlägige Fachkenntnisse schwer verständlich sein.
Viele Mitarbeiter verzichten darauf, die genaue Bedeutung von Fachausdrücken zu hinterfragen. Andere denken, sie hätten das Gesagte verstanden, liegen mit ihrer Erklärung aber daneben. Das schafft nicht nur Missverständnisse, sondern verhindert eine kreative und informierte Zusammenarbeit.
Anstatt über den Kern von Problemen und Lösungen zu sprechen, reden Teammitglieder mit Floskeln wie „Agilität“, „Nachhaltigkeit" oder „Disruption“ aneinander vorbei. Jeder versteht darunter etwas anderes, bis der Sinn gemeinsam an konkreten Beispielen erörtert wird.
Damit jeder Mitarbeiter die Ziele und Anforderungen des Projekts versteht, sollten Verantwortliche komplexe Dinge konkret erklären, am besten beispielhaft. Das fördert nicht nur ein inklusives Arbeitsumfeld. Es vermeidet Missverständnisse und steigert die Effektivität der Teamarbeit.
Interne Kommunikation
Unbequeme Entscheidungen verstecken wir gern hinter Beschönigungen und abstrakter, toter Sprache. Das schwächt vielleicht den ersten Schrecken ab, wenn die Rede von „Umstrukturierungen“ ist, statt von „Stellenabbau“. Es erhöht aber auch das Misstrauen von Mitarbeitern und Bürgern. Repräsentative Umfragen zeigen, dass Menschen Organisationen mehr vertrauen, die auf Fachsprache verzichten.
Das Vermeiden abstrakter Ausdrücke wie „Freisetzungsmaßnahmen“ für etwas so Eindeutiges wie „Entlassungen“ erhöht die Transparenz und stärkt das Vertrauen im Team. Durch verständliche Sprache werden komplexe Vorgänge klar und nachvollziehbar. So können alle Teammitglieder diese Informationen leichter verstehen und anwenden.
Technische Dokumentationen und Handbücher
Dokumentationen sind meistens darauf ausgerichtet, ein Zertifikat zu erhalten, etwa zur ISO 9001. Leider ist dadurch die Sprache dieser Dokumente – zum Beispiel zur Qualitätssicherung – für Nicht-Experten kaum noch zu verstehen. Dieses Problem beschreibt der TÜV Rheinland in einem Artikel und empfiehlt spezialisierte KI-Tools als Lösung für verständliche Sprache.
Während solche Tools Mitarbeitern helfen können, komplexe Informationen leichter zu erfassen, wäre es wünschenswert, wenn bereits die Autoren von Dokumentationen auf Fachsprache verzichten. Einen Nachteil bei der Zertifizierung haben Behörden nicht zu erwarten; selbst Experten schätzen eine klare, einfache Sprache, wie Studien belegen.
Software-Entwicklung und IT
Fachabteilungen sollten IT-Themen so erklären, dass auch Laien sie begreifen. In Fachbegriffen sprechen Experten und Anwender aneinander vorbei. Mit einer klaren Sprache verbessert sich die Kommunikation zwischen Experten und anderen Beteiligten. Auch Anforderungen an die IT werden dadurch klarer, und neue Lösungen treffen ihr Ziel besser.
Einarbeitung
Laut einer Umfrage von Softgarden kündigen 18 Prozent der Mitarbeiter wegen schlechter Einarbeitung bereits in den ersten 100 Tagen. Vor allem neue Mitarbeiter profitieren von eingängigen, verständlichen Informationen – besonders im Home Office, wo nicht immer ein erfahrener Kollege erreichbar ist. Neue Teammitglieder brauchen zudem viel Zeit, um sich mit dem spezifischen Jargon eines Projekts vertraut zu machen. Das kann die Einarbeitungszeit unnötig verlängern und die Effizienz neuer Mitarbeiter verringern. Durch Informationen und Schulungen in allgemein verständlicher Sprache können neue Teammitglieder schneller eigenständig arbeiten.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Handlungstipps
So verwurzeln Sie klare Sprache in Ihrer Organisation:
Schulungen: Regelmäßige Schulungen und Workshops schärfen das Bewusstsein für die Bedeutung verständlicher Kommunikation und vermitteln praktische Fähigkeiten.
Klare Richtlinien: Jede Organisation braucht Richtlinien, die den Einsatz von Fachjargon begrenzen und die Verwendung klarer, verständlicher Sprache fördern. Das unterstützt die Konsistenz über alle Kommunikationskanäle hinweg. Zum Beispiel können Abteilungen eine Liste mit häufig verwendeten, schwer verständlichen Begriffen pflegen und darin besser verständliche Alternativen festlegen.
Tools: Beim Sichern von sprachlicher Qualität führt auf Dauer kein Weg an Software vorbei. Online-Tools zur Textanalyse wie „TextLab“ oder „Wortliga“ helfen, die Verständlichkeit eines Textes objektiv zu bewerten. KI-Anwendungen wie „DeepL Write“ oder „LanguageTool“ helfen Mitarbeitern, Texte korrekt zu formulieren. Das KI-Tool „Plain“ von Wortliga übersetzt komplizierte Texte in verständliche Sprache. Letzteres empfiehlt auch der TÜV Rheinland in seinem Artikel über komplizierte Dokumentationen – denn viele Experten können nur noch in Fachbegriffen über ihre Themen schreiben und sprechen. Tools helfen gegen die Betriebsblindheit.
Eine klare und einfache Kommunikation verbessert das dezentrale Arbeiten, weit über Barrierefreiheit hinaus. Sie vermeidet Missverständnisse und bezieht alle Mitarbeiter ein. Sie verbindet und gleicht den fehlenden menschlichen Kontakt aus.
Wenn Organisationen leicht verständliche Sprache nutzen, arbeiten sie effizienter. Sie schaffen eine ortsunabhängige positive Arbeitskultur und fördern die Zufriedenheit von Mitarbeitern.
Dieser Beitrag stammt ursprünglich von unserem Partnerportal eGovernment.de.
* Über den Autor Gidon Wagner ist Journalist, Dozent und Experte für verständliche Sprache. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Software-Herstellers Wortliga. Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. empfiehlt das Wortliga-Tool für bürgerfreundliche Texte und verständliche Verwaltungssprache.