Veränderte IT-Landschaften Edge-Computing: Wenn die Sichtbarkeit endet, beginnen die Probleme

Ein Gastbeitrag von Christian Syrbe* 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Um in neuen Märkten zu wachsen und Dienste mit niedriger Latenz dort bereitzustellen, wo sie gebraucht werden, setzen Unternehmen zunehmend auf dezentrale IT-Umgebungen. Die Infrastruktur verteilt sich dabei auf mehrere Standorte – von Regionalbüros über Filialen bis zu Produktionsstätten.

Edge-Computing revolutioniert dezentrale IT-Umgebungen: Deshalb ist erhöhte Sichtbarkeit der Schlüssel zu resilienten und leistungsfähigen IT-Systemen.(Bild: ©  photon_photo - stock.adobe.com)
Edge-Computing revolutioniert dezentrale IT-Umgebungen: Deshalb ist erhöhte Sichtbarkeit der Schlüssel zu resilienten und leistungsfähigen IT-Systemen.
(Bild: © photon_photo - stock.adobe.com)

IDC prognostiziert, dass die weltweiten Investitionen in Edge-Computing bis 2026 auf 317 Milliarden US-Dollar steigen werden. Ein wachsender Anteil entfällt dabei auf Überwachung, Betriebssteuerung und intelligente Datennutzung – nicht nur auf den Infrastrukturaufbau.

Remote-Standorte sind heute eigenständige, datenreiche Knotenpunkte, an denen lokale Interaktionen direkte Auswirkungen auf übergreifende Services haben. Probleme entstehen oft schleichend und sind schwerer zu erkennen und beheben. Doch intelligente IT-Umgebungen verändern zunehmend, wie digitale Infrastruktur verstanden wird.

Neue Herausforderungen am Netzwerkübergabepunkt

Die meisten IT-Architekturen sind auf ein zentrales Rechenzentrum mit klaren, vorhersehbaren Anwendungspfaden ausgerichtet. Am Edge dagegen wirken zusätzliche Variablen: Überlastetes WLAN, unvorhersehbare IoT-Datenströme, unterschiedliche Protokolle, Internet-Engpässe sowie Mischumgebungen aus Cloud-nativen Anwendungen und teils modernisierten Legacy-Systemen.

Filialen oder Niederlassungen sind für den Betrieb ebenso wichtig wie das Rechenzentrum und benötigen die gleiche Transparenz. Im Handel werden vor Ort Transaktionen abgewickelt und Daten in Echtzeit synchronisiert, Kliniken übermitteln Diagnosen cloudbasiert – oft ohne eigenen IT-Support. Störungen bleiben selten lokal und beeinträchtigen schnell Kundenerlebnis, Service Levels und KPIs.

Sichtbarkeit als Schlüssel

Mit der Verlagerung zu verteilten, cloudbasierten Diensten steigt der Druck auf deren Performance und Verfügbarkeit. Intelligente Edge Analyse Umgebungen können Daten vor Ort analysieren, filtern und vorverarbeiten, bevor sie ins zentrale Analysesystem gelangen. Das spart Bandbreite, verkürzt die Zeit bis zur Problemerkennung, beschleunigt die Fehlerbehebung und ermöglicht autonome Reaktionen.

Auch die Rolle von KI verändert sich: Sie erweitert die Möglichkeiten zur Prozessautomatisierung und Entscheidungsfindung – vorausgesetzt, die Datenbasis am Edge ist vollständig. Fehlende Analysemöglichkeit führt zu Unsicherheit, während mangelnde Sicherheitsmechanismen wie Echtzeitüberwachung oder Zugriffskontrollen die Angriffsfläche vergrößern.

Technologien am Edge

Da vernetzte Geräte enorme Datenmengen generieren können, werden KI, Edge-Plattformen und intelligente Sensoren oft zuerst am Edge getestet. Für verlässliche Ergebnisse braucht es detaillierte Einblicke – in den Zustand der Infrastruktur ebenso wie in das Verhalten digitaler Dienste unter realen Bedingungen. Dazu zählen:

  • Edge-Geräte wie IoT-Gateways, intelligente Zähler und SCADA-Systeme, die Daten direkt an der Quelle erfassen,
  • Telemetrie- und Servicedaten, synthetische Tests und Nutzererfahrungskennzahlen,
  • Fernverwaltungsfunktionen für Updates, Richtlinien und sichere Fehlerisolierung,
  • kritische Workflows wie SaaS, VoIP und UCaaS mit protokollsensitiver Analyse.

Mehr Transparenz, mehr Agilität

Leistungsprobleme oder Ausfälle am Edge wirken sich unmittelbar auf das Geschäft aus. Ohne Sichtbarkeit der Abhängigkeiten wird die Ursachenanalyse schnell zum Ratespiel – ein Service kann über zahlreiche Systeme und Protokolle laufen, bevor er den Nutzer erreicht.

Strategien wie AIOps erfordern präzise Echtzeitdaten, um Warnungen automatisch zu priorisieren und zu beheben. Eine Studie von Enterprise Management Associates zeigt: Unternehmen mit hoher Transparenz in verteilten Umgebungen lösen Probleme schneller und treffen fundiertere Entscheidungen. Sichtbarkeit am Edge ist damit kein Nice-to-have, sondern eine zentrale Voraussetzung für Resilienz und Erfolg.


* Der Autor Christian Syrbe ist Chief Solutions Architect bei Netscout.

Bildquelle: Netscout

(ID:50543097)

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung