Droht ein neues WannaCry-Desaster? Digitaler Weckruf: Sicherheitslücke Windows 10

Ein Gastbeitrag von Andrew Saula* 4 min Lesedauer

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Am 14. Oktober 2025 endet der Support für Windows 10 – ein IT-Risiko für Millionen Systeme. Unternehmen riskieren einen Dominoeffekt, wie ihn WannaCry im Jahr 2017 zeigte. Prävention, Migration und Awareness sind jetzt gefragt.

WannaCry – ein Ransomwareangriff auf eine Sicherheitslücke in Microsoft Windows – sollte bei Unternehmen die Alarmglocken läuten lassen: Mit dem Ende des Windows-10-Supports öffnen sich Angreifern Tor und Tür.(Bild: ©  ryanking999 - stock.adobe.com)
WannaCry – ein Ransomwareangriff auf eine Sicherheitslücke in Microsoft Windows – sollte bei Unternehmen die Alarmglocken läuten lassen: Mit dem Ende des Windows-10-Supports öffnen sich Angreifern Tor und Tür.
(Bild: © ryanking999 - stock.adobe.com)

Wie ein Betriebssystem-Wechsel zur Systemkrise werden kann

Der 14. Oktober 2025 markiert das Ende der Sicherheitsupdates für Windows 10. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Softwarezyklus erscheint, birgt jedoch erhebliche Risiken für Unternehmen. Denn ab diesem Tag bleiben neue Schwachstellen ungepatcht, Systeme laufen Gefahr, zum Einfallstor für Cyberangriffe zu werden. Betroffen sind laut HP und Dell rund 400 Millionen PCs, die weiterhin Windows 10 nutzen. Dies gilt vor allem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die oft nicht über die erforderlichen Mittel oder Motivation für ein Upgrade verfügen.

Dabei ist der Umstieg auf ein neues Betriebssystem mehr als nur eine technische Herausforderung. Er betrifft die gesamte IT-Infrastruktur eines Unternehmens. Etwa weil ältere Hardware und Software möglicherweise nicht mit dem neuen Betriebssystem kompatibel sind. Zudem müssen die Mitarbeitenden im Umgang mit dem neuen System geschult werden und Unternehmen müssen ausreichend Zeit und Ressourcen für den Wechsel einplanen. Betriebe, die diesen Migrationsprozess unterschätzen, riskieren Betriebsunterbrechungen und Produktivitätseinbußen.

Was Unternehmen aus WannaCry lernen können

Welche Folgen ein erfolgreicher Angriff haben kann, zeigt die Ransomware-Attacke WannaCry aus dem Jahr 2017. Innerhalb von gerade mal 24 Stunden wurden über 300.000 Computersysteme in 150 Ländern infiziert. Die Folgen waren Schäden in Milliardenhöhe – und das obwohl Microsoft zuvor das Patching-Update bereitstellte. Viele Organisationen setzten es jedoch nicht zeitgerecht um und nutzen das veraltete Betriebssystem ohne aktuelles Sicherheitspatches.

Das zeigt: Werden bekannte Risiken aufgrund der Organisationskultur, Ressourcenmangel oder Priorisierungsprobleme ignoriert, kann dies verheerende Folgen haben.

Veraltete Systeme, neue Gefahren: Wer besonders gefährdet ist

Nicht alle Branchen sind dabei gleichermaßen gefährdet. Ein großes Angriffsrisiko besteht vor allem für kritische Infrastrukturen, da sie häufig sensible Daten verarbeiten und strengen regulatorischen Anforderungen unterliegen. Dies trifft beispielsweise auf folgende Branchen zu:

  • Gesundheitswesen: Veraltete Systeme können zu Datenschutzverletzungen und Compliance-Verstößen führen. Bei WannaCry war beispielsweise der britische National Health Service massiv betroffen.
  • Finanzsektor: Angriffe auf ungeschützte Systeme können zu erheblichen finanziellen Verlusten und Reputationsschäden führen.
  • Öffentliche Verwaltung: Sicherheitslücken in veralteten Systemen können das Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen untergraben.

Zu Bedenken gilt zudem, dass moderne Bedrohungen wie KI-gestützte Phishing-Methoden oder Deepfakes neue Dimensionen ins Spiel bringen, da sie die Intensität und Qualität der Angriffe erhöhen.

Best Practices für einen sicheren Übergang

Auf ein neues Betriebssystem umzustellen, ist für viele Organisationen ein komplexer Prozess, der sorgfältig geplant und koordiniert sein muss. Häufig zeigen sich Risiken nicht erst bei der technischen Umsetzung, sondern in organisatorischen Abläufen, fehlender Vorbereitung oder unzureichender Kommunikation. Ein strukturiertes Vorgehen hilft daher, Stolperfallen frühzeitig zu erkennen und sie zu vermeiden.

Damit technische Entscheidungen nicht zur Sicherheitsfalle für das gesamte Unternehmen werden, sollten Unternehmen bei der Umstellung auf ein neues Betriebssystem folgende Aspekte beachten:

Rechtzeitig mit der Planung beginnen: Unternehmen sollten die Migration frühzeitig und Schritt für Schritt planen. Dazu gehört zu prüfen, ob Hardware und Software kompatibel sind, das Team im Umgang mit neuen Funktionen zu schulen und Sicherheitsupdates während der Übergangsphase konsequent einzuspielen. Darüber hinaus sorgt eine klare Kommunikationsstruktur zwischen IT, Compliance und Management dafür, dass alle Beteiligten informiert und vorbereitet sind und vermeidet regulatorische und finanzielle Risiken.

Digitale Risiken ganzheitlich absichern: Zu einem ganzheitlichen IT-Sicherheitskonzept gehören beispielsweise Präventivmaßnahmen wie Phishing-Simulations-Training, Checklisten für Sicherheitspatches und Backups sowie IT-Krisenplänen mit konkreten Handlungsempfehlungen. Genau dabei erhalten Unternehmen Unterstützung: So deckt eine Cyberversicherung neben den genannten Punkte unter anderem auch IT-Forensik, Betriebsunterbrechung und Krisenkommunikation ab. Eine Vertrauensschadenversicherung schützt zusätzlich vor Risiken wie CEO-Fraud oder Deepfakes, die klassische Schutzsysteme oft umgehen. Unternehmen sollten sich daher für eine kombinierte Cyber- und Vertrauensschadens-Police entscheiden. IT-, Software-, Telekommunikations- und Tech-Unternehmen benötigen zusätzlich eine IT-Haftpflichtpolice, um sich gegen mögliche finanzielle Schäden im Fall eines Sicherheitsvorfalls zu schützen.

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Operatives Chaos vermeiden: Fast jedes achte Unternehmen hat laut der TÜV-Cybersecurity Studie 2025 Probleme mit nicht registrierten IT-Geräten. Diese Systeme werden bei Migrationen oft übersehen und können zu Einfallstoren für Angreifer werden. Gleichzeitig fehlt häufig eine getestete Notfall- und Wiederherstellungsstrategie, sodass ein einzelner Sicherheitsvorfall die gesamte IT-Infrastruktur lahmlegen kann. Eine Kombination aus Kontrolle der Schatten-IT und robusten Backup- und Recovery-Plänen ist daher entscheidend, um Migrationen und den laufenden Betrieb abzusichern.

Für die notwendige externe Expertise bei solchen Prüfungen und der strategischen Planung müssen KMU nicht allein aufkommen. Das Förderprogramm „Förderung beratender Leistungen für Unternehmen“ des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bietet unbürokratisch nicht rückzahlbare Zuschüsse. Diese finanzielle Unterstützung deckt explizit Beratungen zur Cybersicherheit ab, etwa für Risikoanalysen oder die Umsetzung von DSGVO-konformen Prozessen, und kann die Kosten für die strategische Vorbereitung auf das Windows-10-Aus erheblich senken. Unternehmen sollten digitale Risiken zudem ganzheitlich über kombinierte Cyber- und Vertrauensschaden-Policen absichern, um Sicherheit, Compliance und Versicherbarkeit gleichermaßen zu gewährleisten.

Sicherheit, Compliance und Versicherung im Blick behalten

Das Ende des Windows-10-Supports am 14. Oktober 2025 ist ein Weckruf für Unternehmen: Wer die Migration vernachlässigt, erhöht das Risiko für Cyberangriffe, Compliance-Verstöße und finanzielle Schäden. Ein strukturierter Ansatz, der Planung, Mitarbeiterschulung, Sicherheitsupdates, Kontrolle der Schatten-IT und Backups einschließt, ist daher entscheidend. Ergänzend sollten Unternehmen digitale Risiken über Cyber- und Vertrauensschadenversicherungen sowie IT-Haftpflichtpolicen absichern. Nur so sind Sicherheit, Compliance und Versicherbarkeit gleichzeitig gewährleistet.


* Der Autor Andrew Saula ist IT-Sicherheitsleiter bei Baobab Insurance, einem Assekuradeur für digitale Risiken. Zuvor war er stellvertretender Chief Information Security Officer (CISO) der TUI Group. Baobab Insurance ist ein Assekuradeur für digitale Risiken. Das Produktportfolio umfasst eine Cyberversicherung, ein E-Crime-Produkt und eine IT-Haftpflichtpolice für IT-, Software-, Technologie- und Telekommunikationsunternehmen aus Deutschland und Österreich.

Bildquelle: Baobab Insurance

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