Die diesjährige Auswertung des Collaboration Maturity Score von Atlassian zeigt, dass deutsche Unternehmen bei der digitalen Zusammenarbeit nachlassen. Ob es sich dabei um normale Schwankungen oder den Beginn eines langfristigen Trends handelt, ist unklar.
Der Atlassian-Score zeigt, dass Collaboration in Deutschland etwas an Priorität verliert.
(Bild: Atlassian)
Auf einer Skala von eins bis fünf erreichen die deutschen Firmen einen Wert von 3,2 – dies entspricht einem Minus von 0,2 Punkten gegenüber dem Vorjahr. Der Index berechnet sich aus den Antworten von IT-Entscheidern zum Status und den Praktiken ihres Unternehmens hinsichtlich digitaler Zusammenarbeit. Studienautor Atlassian sieht Remote-Work- und Collaboration-Tools zwar weiterhin als festen Bestandteil des Geschäftsalltags, sieht aber auch Anzeichen für weniger starke Priorisierung und einen niedrigeren Reifegrad im Vergleich mit dem vergangenen Jahr.
Fallende Scores
Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) bestätigt, dass die Führungskräfte ihres Unternehmens grundsätzlich Kollaboration und damit verbundene Aktivitäten unterstützen. Letzteres ist entscheidend, um entsprechende Strategien umzusetzen und weiterzuentwickeln. Dennoch sank die Zustimmung bei dieser Frage im Jahresvergleich leicht. Gleiches gilt für die kontinuierliche Verbesserung von Projekten und Prozessen. Nur bei der Frage nach regelmäßigen Feedbackschleifen fiel der Rückgang mit 0,4 auf 3,3 von fünf möglichen Punkten deutlicher aus.
Laut Atlassian könnten diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass Unternehmen ihre Kollaborationskultur nicht mehr weiter verbessern und sich stattdessen mit dem Status Quo zufriedengeben oder gar in ihren Bemühungen nachlassen. Die Antworten auf weitere Fragen liefern dafür Indizien: So existiert nur in 44 Prozent der Unternehmen ein spezielles Team zur Förderung der Kollaboration. Noch seltener verfügen Firmen über ein Center of Excellence (39 Prozent), um ihre Kollaborationsfähigkeiten zentral zu sammeln und einzusetzen. In beiden Fällen sank der Maturity Score im Jahresvergleich leicht.
Rückschritte und falsche Investitionen
„Nach zwei Jahren Pandemie herrscht vielleicht in Unternehmen die Meinung vor, dass sie alle inzwischen nötigen Maßnahmen umgesetzt und alle erforderlichen Tools implementiert haben, um eine effektive Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern zu ermöglichen. Dabei vergessen sie eins: Stillstand wird schnell zu Rückstand“, erklärt Felix Kugler, Manager Channel DACH von Atlassian. Die Ergebnisse zeigen laut Kugler, dass die Unternehmen tatsächlich Rückschritte gemacht haben und schnellstmöglich gegensteuern müssen. Letzteres könne etwa durch Investitionen in neue Tools, verfeinerte Best Practices und optimierte Prozesse erfolgen.
Zudem stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Investitionen: In den vergangenen zwölf Monaten wurden vor allem Projektmanagement-Tools (46 Prozent) sowie Tools für ein soziales Intranet, Chats oder Instant Messaging (34 Prozent) und Wissensmanagement (33 Prozent) erworben. Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten tätigte gar keine Investitionen. Für die kommenden zwei Jahre planen die Unternehmen vor allem die Anschaffung von Tools für Videokonferenzen (38 Prozent), Projekt- (34 Prozent) und Wissensmanagement (34 Prozent).
Allerdings zeigt die Frage nach gewünschten Veränderungen andere Baustellen auf: So befürworten 23 Prozent veränderte Teamstrukturen und 21 Prozent der IT-Entscheider wünschen sich ein zentrales Kollaborationsteam oder einen Kollaborationsmanager. Derartige strukturelle Maßnahmen werden aber vor allem von hohen Kosten (34 Prozent), unklaren Zuständigkeiten (30 Prozent), der Unternehmenskultur (28 Prozent) oder fehlendem Know-how (27 Prozent) ausgebremst.
Effiziente Kollaboration hängt nicht vom Zusammenhalt ab
Die Studie zeigt auch, dass guter Zusammenhalt im Betrieb nicht zwangsläufig auch effiziente Kollaboration bedeuten muss. So fühlen sich 73 Prozent der deutschen Büroarbeiter ihrem Arbeitgeber verbunden - in Teams liegt dieser Wert sogar bei 80 Prozent. Dennoch ist nur gut die Hälfte der Befragten (52 Prozent) mit der Kollaborationskultur ihres Unternehmens zufrieden. Oft werden die Unternehmenskultur (55 Prozent) oder die verwendeten Tools (54 Prozent) als wenig förderlich für die Zusammenarbeit mit Kollegen betrachtet.
Die Atlassian-Studie zeigt dabei auf, dass Unternehmen hierbei zuletzt Rückschritte gemacht haben: Auf einer Skala von eins bis fünf erreichen deutsche Firmen einen Wert von 3,2, wenn es um den Grad der digitalen Zusammenarbeit geht - das entspricht einem Minus von 0,2 Punkten im Vergleich zum Vorjahr. Atlassian geht davon aus, dass die Unternehmen im zweiten Jahr der Pandemie nicht mehr so stark auf Weiterentwicklung und Verbesserung ihrer Kollaborationskultur geachtet haben.
Aufgeschlossen sein, aber nicht überfordern
Eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Tools und die Ausweitung etablierter Best Practices könnten Abhilfe schaffen. Allerdings darf Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen und Experimenten nicht zur Überforderung der Mitarbeiter führen. Dieser Balanceakt sollte agil angegangen werden. Unternehmen sollten sich dabei nicht scheuen, nach einer Testphase erwiesenermaßen untaugliche Lösungen zu verwerfen. Möglichkeiten zur Heim- oder hybriden Arbeit sorgen zusätzlich für bessere Mitarbeiterbindung und -gewinnung.
Stand: 08.12.2025
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„Transparenz und eine starke Verbindung innerhalb der Teams sind wesentliche Bestandteile einer effektiven Zusammenarbeit“, meint Kugler. Die Unternehmensleitung müsse daher Werkzeuge und eine Kultur etablieren, in der jeder Mitarbeiter seine Arbeit optimal mit dem eigenen und angebundenen Teams teilen kann. So könne jeder sein Bestes geben und gleichzeitig das Unternehmen nach vorne bringen. „Dies erfordert innovative Tools, die die Zusammenarbeit verbessern, und die Identifikation von Arbeits- und Kommunikationsabläufen, die noch optimiert werden können“, so Kugler.