KI und Cloud in der Fertigungsindustrie Smarte Produktionsstätten: Daten statt Beton

Ein Gastbeitrag von Jasmeet Singh* 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Cloud und künstliche Intelligenz (KI) schaffen Innovationen und verändern alle Branchen, auch die Fertigungsindustrie. Hier gehen die Anwendungen von Cloud und KI weit über das reine Produkt beziehungsweise dessen Entwicklung hinaus. Beide Technologien lassen sich in das gesamte Spektrum der Fertigungsprozesse integrieren – und schaffen so reibungslose Abläufe von der Produktions­planung bis hin zur Qualitätskontrolle.

Cloud und KI in Kombination helfen der Fertigungsindustrie ihre Datenmengen effektiv zu nutzen.(Bild:  Rymden - stock.adobe.com)
Cloud und KI in Kombination helfen der Fertigungsindustrie ihre Datenmengen effektiv zu nutzen.
(Bild: Rymden - stock.adobe.com)

Produktionsanlagen erzeugen riesige Datenmengen bei jedem Schritt. Diese werden aber von den meisten Firmen kaum oder überhaupt nicht genutzt – und liegen somit brach. Dabei könnten viele Unternehmen von der Auswertung der Informationen mithilfe von cloudbasierten KI-Modellen profitieren. Diese ermöglichen es Unternehmen, ihre Daten zu analysieren und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die Arbeitsabläufe zu optimieren und Prozesse wie die zukünftige Wartung zu beschleunigen.

Der jüngste Bericht „Infosys Cloud Radar Manufacturing“ zeigt interessante Erkenntnisse über die Cloud-Nutzung in der Branche auf. Unternehmen zögern, für Funktionen wie die Qualitätssicherung in die Cloud zu investieren. Stattdessen konzentrieren sie sich auf die Entwicklung neuer Produkte und Bereiche, die damit verbunden sind. Allerdings haben Firmen, die bereits in die Cloud investiert haben, nur 48 Prozent ihrer Verpflichtungen auch erfüllt.

Cloud-Anwendungen mit hohem Mehrwert für Unternehmen

Es gibt jedoch eine Reihe von Anwendungen, deren Bereitstellung über die Cloud und Vernetzung mit künstlicher Intelligenz einen hohen Mehrwert bieten. Dazu gehören beispielsweise die folgenden Applikationen beziehungsweise deren Einsatz für ein bestimmtes Ziel.

Verbesserte Vernetzung von Kunden: Ein Beispiel für ein nahtloses Kundenerlebnisses in der digitalen Welt ist die Volvo Cars App. Sie verfügt über eine Vielzahl von Funktionen, die Autobesitzern eine höhere Sicherheit bieten. Dies reicht von der Fernverriegelung und -entriegelung über die Suche nach Stromtankstellen bis hin zu Servicebuchungen.

Vorausschauende Wartung: Siemens hat kürzlich generative KI als Teil seines Senseye-Tool für die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) eingeführt. Dieses Tool verarbeitet Daten aus verschiedenen Wartungsapplikationen in einer privaten Cloud. Sie liefert Verantwortlichen in den Siemens Produktionsstätten datenbasierte Erkenntnisse. Generative KI bietet eine Benutzerschnittstelle, über die Mitarbeiter in der Werkstatt mit Wartungsexperten in Dialog treten können, um die Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Nachhaltige Fertigung: Cloud-Anwendungen haben sich über die allgemeine Nutzung hinaus weiterentwickelt. Branchenspezifische Cloud-Anwendungen werden immer beliebter, da sie sich flexibel auf die Anforderungen spezifischer Branchen anpassen lassen. Gleichzeitig bieten sie Best Practice-Funktionen. So gibt es beispielsweise eine Cloud-Lösung, um den CO2-Fußabdruck nachzuverfolgen und so die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Wird sie in einer Produktionsanlage eingesetzt, kann sie die Scope 1- und 2-Emissionen überwachen.

Daten sind der Treibstoff, aber ein kollaboratives Ökosystem treibt den Motor an

Cloud-Anwendungen für die Industrie müssen nicht auf ein bestimmtes Unternehmen beschränkt sein. Stattdessen fördern sie die gemeinsame Nutzung von Daten in der gesamten Produktwertschöpfungskette. Catena-X ist zum Beispiel eine cloudbasierte Plattform für die europäische Automobilindustrie. Sie ermöglicht es, Emissionsdaten über die gesamte Fahrzeuglieferkette hinweg zu messen und analysieren. Ziel ist es, Scope-3-Emissionen zu reduzieren.

Die gemeinsame Nutzung von Daten ist ein wichtiges potenzielles Unterscheidungskriterium, das sowohl eine Cloud-native Technologiearchitektur als auch einen unternehmensübergreifenden operativen Ansatz erfordert. Oftmals werden Cloud-Entscheidungen jedoch isoliert getroffen: 45 Prozent der Befragten der Infosys-Studie gaben an, dass entweder die IT-Abteilung oder die Geschäftsleitung entscheidet, welche Cloud das Unternehmen einsetzt oder wie sie Cloud-Compliance verwalten.

Cloud-Entscheidungen sollten nicht isoliert getroffen werden. Denn es ist schwierig, sowohl Investitionen in die Lösungen als auch deren Sicherheit zu kontrollieren. Die IT-Abteilung kümmert sich bestens darum, Cloud-Anwendungen bereitzustellen, sie zu verwalten und Security-Maßnahmen zu implementieren. Doch es mangelt ihr an einem vollständigen Überblick über den Business-Wert oder die Erfolgsfaktoren von Cloud-Initiativen – oder darüber, wer die Initiative steuert. Ohne dieses Wissen können Unternehmen nur schwer nachvollziehen, ob Cloud-Initiativen tatsächlich die entsprechenden Geschäftsziele erreichen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Cloud Computing

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die einzelnen Unternehmensbereiche wissen, wie sich die Cloud auf den Geschäftswert, die Leistungskennzahlen und die Kundenbedürfnisse auswirkt. Allerdings fehlt ihnen oft der Einblick in die technischen Anforderungen und notwendigen Maßnahmen für eine sichere Cloud-Implementierung. Das Ergebnis: Die Lücken können Firmen für Serviceausfälle oder sogar für Cyber-Sicherheitsrisiken in Bezug auf Datenschutz, Datenlecks oder Cyber-Angriffe anfällig machen.

Intelligenz belebt die Fertigung

Cloud und KI sind in der heutigen Fertigungslandschaft keine separaten Tools, sondern bilden gemeinsam eine leistungsstarke Lösung. Die Cloud speichert und verarbeitet eine Flut an Daten, die wiederum die KI antreibt. Gleichzeitig analysiert die KI die in diesen Daten verborgenen Erkenntnisse. So lassen sich Fehler vorhersagen, die Produktion optimieren und die Effizienz erhöhen. Um den wahren Wert dieser Daten zu erschließen, ist allerdings ein intelligentes Zusammenspiel zwischen der Skalierbarkeit der Cloud und der transformativen Kraft der KI notwendig. Ohne die Cloud ist KI ein Motor, der nicht funktioniert; ohne KI ist die Cloud ein riesiges, ungenutztes (Daten-) Reservoir. Nur gemeinsam können sie Unternehmen in die Zukunft der intelligenten Fertigung vorantreiben.


* Der Autor Jasmeet Singh ist EVP & Global Head of Manufacturing bei Infosys Technologies.

Bildquelle: Infosys Technologies

(ID:50113108)