Ein Chatbot aus China schockt die Wall Street: Panische Anleger haben den Börsenwert des Chip-Konzerns Nvidia an einem Tag um fast 600 Milliarden US-Dollar einbrechen lassen. Das chinesische Start-up DeepSeek will nämlich bewiesen haben: Für erfolgreiche KI-Modelle braucht es keine extrem leistungsfähigen KI-Chips.
Der Erfolg von DeepSeek wirft die Frage auf, ob die Transformation in einer KI-Gesellschaft nicht kosteneffizienter zu haben ist, weil möglicherweise weniger leistungsstarke KI-Chips ausreichen, um erfolgreiche KI-Modelle zu schaffen.
(Bild: Fox Ave Designs - stock.adobe.com)
Bisher ging man davon aus, dass für das Training von KI-Modellen weiterhin gewaltige Mengen an Computer-Leistung notwendig sein werden. Das ließ vor allem Aktien von Nvidia in atemberaubende Höhen steigen. Denn Chipsysteme des Konzerns spielen eine Schlüsselrolle für Künstliche Intelligenz. Und Anleger gingen davon aus, dass der weitere Ausbau Nvidia noch mehr Geschäft beschert.
Auslöser des Anlegerschocks war die Erkenntnis, dass Software mit künstlicher Intelligenz (KI) möglicherweise mit viel weniger Rechenleistung – und damit auch Chips von Nvidia – trainiert werden kann als man bisher dachte. Wenn die Modelle von DeepSeek wirklich so überzeugend sind und weniger Leistung brauchen, bedarf es vielleicht gar keiner 500-Milliarden-US-Dollar-Rechenzentren – wie das KI-Projekt „Stargate“, dass US-Präsident Donald Trump erst vor wenigen Tagen großspurig angekündigt hatte.
Denn das chinesische Start-up DeepSeek will sein neues KI-Modell mit Kosten von weniger als sechs Millionen US Dollar und auf wenigen abgespeckten Nvidia-Chipsystemen angelernt haben. Ob das alles exakt so stimmt, weiß man nicht. So wurde in der Branche schon vor Wochen spekuliert, DeepSeek habe möglicherweise Zugriff auf mehr Nvidia-Chips als es angesichts der US-Ausfuhrbeschränkungen zugibt. Doch Investoren, die Nvidias Aktie in Erwartung eines zukünftigen Mega-Geschäfts in den vergangenen Monaten immer höher trieben, bekamen am Montag kalte Füße. US-Präsident Donald Trump sprach von einem Weckruf für amerikanische Unternehmen – und fand es zugleich „positiv“, dass KI günstiger zu haben sein könne.
Die Nvidia-Aktie fiel um knapp 17 Prozent und das radierte 589 Milliarden US-Dollar Börsenwert aus. Noch nie hatte ein US-Unternehmen an einem Tag so viel Wert verloren – allerdings war auch keins davor so teuer wie Nvidia mit fast 3,5 Billionen US-Dollar.
Aber was bedeutet das alles nun für die Zukunft? Amerikanische Firmen übertrafen sich zuletzt mit Ankündigungen, wie viel Geld sie in KI-Infrastruktur stecken wollen. Allein der ChatGPT-Erfinder OpenAI und mehrere Partner versprachen, in den kommenden Jahren 500 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren zu investieren. Beim Facebook-Konzern Meta stellte Gründer Mark Zuckerberg 60 Milliarden US-Dollar nur in diesem Jahr in Aussicht. Zeigt DeepSeek nun aber, dass man mit deutlich weniger Rechenpower auskommen wird?
US-Experten wollen es lieber andersherum sehen. Die Frage sei nicht, ob DeepSeek heutige Marktführer in den USA überholen könne, betonte etwa X. Eyeé von der KI-Beratungsfirma Malo Santo. Es gehe vielmehr darum, wie schnell man die Forschungsansätze der Chinesen umsetzen könne. „Wenn DeepSeek das mit alter Hardware entwickeln kann, was können wir dann mit neuerer Hardware schaffen?“, fragte sie im US-Sender CNBC.
Zweifel an Kosten von DeepSeek
Die Tech-Industrie werde immer noch „eine Menge Chips brauchen“, zeigte sich auch Branchenanalyst Stacy Rasgon überzeugt. „Es ist eindeutig eine Panik heute“, betonte er mit Blick auf die Börsenreaktion. Zugleich zweifelte Rasgon die Angaben aus China an: „Sie haben das Modell nicht für fünf Millionen US-Dollar trainiert, das ist nicht passiert.“
Schon vergangene Woche sagte der Chef der KI-Firma Scale AI, Alexander Wang, nach seinen Informationen habe DeepSeek Zugriff auf 50.000 H100-Chipsysteme von Nvidia, könne aber wegen US-Ausfuhrbeschränkungen nicht darüber sprechen. Die US-Regierung erlaubt Nvidia, nach China nur Chips zu verkaufen, die weniger leistungsstark sind.
Die Firma wurde 2023 vom Hedge-Fonds-Manager Liang Wenfeng gegründet – und soll sich ein Paket von Nvidia-Chips gesichert haben. DeepSeek setzt auf Open-Source-Modelle, bei denen der Quellcode öffentlich einsehbar ist. Die Daten werden auf Servern in China gespeichert. Der chinesischen Regierung nicht genehme Informationen, etwa zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989, werden vom Chatbot unterschlagen. Dass DeepSeek auf Platz eins im US-App-Store für das iPhone aufstieg, hat deswegen angesichts des harten Vorgehens gegen Tiktok eine besondere Ironie.
Stand: 08.12.2025
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Nicht nur Nvidia betroffen
Der DeepSeek-Schock zog auch andere Aktien in Mitleidenschaft. Das Papier der Chipfirma Broadcom verlor ebenfalls rund 17 Prozent. Noch härter traf es Energieunternehmen, bei denen Investoren seit Monaten auf gutes Geschäft mit der Versorgung von Rechenzentren spekulierten. Die Aktie von Constellation Energy fiel um gut ein Fünftel, der Kurs von Vistra brach sogar um 28 Prozent ein. Den Aktien von Apple und des Facebook-Konzerns Meta brachte die Aussicht auf günstigere KI hingegen ein Kursplus.