Unterschätzte Algorithmen, P2P-Netze und die Blockchain

Storj treibt dezentrale Speicher voran

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Storj will die die Cloud aus den Rechenzentren großer Anbieter holen und Speicher über eine verteilte Community bereitstellen.
Storj will die die Cloud aus den Rechenzentren großer Anbieter holen und Speicher über eine verteilte Community bereitstellen. (Bild: Storj/ Vimeo)

Sie heißen Filecoin, MaidSafe, Sia oder Storj und treten mit Blockchain und dezentralen Speicherkapazitäten gegen die Branchengrößen Amazon S3, Google Cloud und Microsoft Azure an. Das Ziel: P2P-Netze, die Storage deutlich billiger und sicherer anbieten.

Mit seinem dezentralen Speicherkonzept verspricht Storj einen durchgehend verschlüsselten, verteilten Object Storage auf Blockchain-Basis – und trifft damit offenbar einen Nerv der Zeit. Denn auch Mitbewerber wie MaidSafe, Sia oder Filecoin arbeiten derzeit an ähnlichen Konzepten.

Der Grundgedanke dabei: Dateien werden nicht mehr (nur) in zentralen Rechenzentren vorgehalten, sondern (auch) redundant auf den Festplatten anderer Desktop-Nutzer. Was nach einem GAU für Sicherheit klingt, soll tatsächlich für mehr Privatsphäre sorgen und dank ausgeklügelter Algorithmen und Blockchain-basierenden Anreizprogrammen eine hinreichende Datenverfügbarkeit bieten.

Bevor Daten auf fremde Festplatten gelangen, werden sie zunächst verschlüsselt, in kleinere Informationshäppchen zerhackt und auf die Hardware einer „Community“ verteilt, die – gegen Bezahlung – freie Kapazitäten für Storj zur Verfügung stellt. Die Schlüssel liegen ausschließlich beim Inhaber der Daten und könnten nicht von Dritten eingesehen werden. Informationen werden nicht zentral vorgehalten, sondern redundant in ein Netz verteilter Systeme abgelegt; somit könnten Dateien auch rascher wiederhergestellt werden: Downloads laufen über eine Vielzahl von Verbindungen und würden nicht von einzelnen Flaschenhälsen ausgebremst.

Für Endnutzer fallen bei Storj Kosten von 0,015 US-Dollar pro GByte und Monat sowie 0,05 US-Dollar pro transferiertem GByte an. Als Bezahlung innerhalb des Storj-Ökosystems sieht der Anbieter beliebige Kompensationen vor – bis hin zum wohl nicht ganz ernst gemeinten Tausch lebendiger Ziegen. In der Praxis dürften Cryptocoins jedoch das Zahlungsmittel der Wahl sein. Derzeit ist das Unternehmen dabei, die bislang genutzten Counterparty-Tokens (SJCX) auf ein Ethereum ERC20-Token (STORJ) umzustellen.

Die technischen Grundlagen dezentraler Speicherclouds hatte Ethereum-Entwickler Vitalik Buterin bereits 2014 ausführlicher in einem Blogbeitrag unter dem Titel „Secret Sharing and Erasure Coding: A Guide for the Aspiring Dropbox Decentralizer“ dargelegt. Dabei schreibt der Autor von den seiner Meinung nach meist unterschätzten Algorithmen, gesteht aber zugleich ein: „Decentralized file storage is still far from a solved problem“.

Und einige ungelöste Probleme scheint es auch heute noch mit dem dezentralisierten Speicher zu geben. So bietet Storj zwar lauffähige Software an, wird aktuell aber beispielsweise für unzuverlässige Auszahlungen kritisiert. Überdies könnten Speicheranbieter der Community nach einem Softwareupdate nur noch deutlich weniger – als Shards bezeichnete – Datenfragmente vorhalten als zuvor.

Testweise haben auch wir versucht, Festplattenspeicher über Storj Share for Windows zu vermieten. Wenngleich wir dabei mehrere hundert GByte zur Verfügung stellen wollten, wurden nach einem Tag Laufzeit deutlich unter 100 KByte von Storj genutzt. Wie man eine Festplatte so rentabel für Dritte bereitstellen soll, darf zumindest hinterfragt werden.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44753553 / Technologien)