Lizenzbestimmungen und Richtlinien bei der Open-Source-Integration 6 Tipps für Open-Source-Compliance

Ein Gastbeitrag von Johannes Stock * 3 min Lesedauer

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Im Zuge der Nutzung quelloffener Komponenten werden schnell mehrere tausend Open-Source-Pakete direkt oder indirekt in eigener Software verbaut. Sechs Best Practices helfen dabei, die Compliance selbst in agilen Software-Projekten reibungslos sicherzustellen.

Das Inventarisieren von Open-Source-Komponten und ihre korrekte Nutzung im Zuge der Lizenzierung sind zwei Dinge, die es zu beachten gilt.(©  ipuwadol - stock.adobe.com)
Das Inventarisieren von Open-Source-Komponten und ihre korrekte Nutzung im Zuge der Lizenzierung sind zwei Dinge, die es zu beachten gilt.
(© ipuwadol - stock.adobe.com)

Um das Rad nicht ständig neu erfinden zu müssen, nutzen Unternehmen häufig Open-Source-Pakete zum Erweitern der Kernfunktionen eigener Softwareprodukte. In der modernen Software-Entwicklung ist das inzwischen Best Practice. Open-Source-Compliance kümmert sich dabei um das Einhalten verschiedener Lizenzbestimmungen und Richtlinien beim Verwenden, Modifizieren und Verbreiten der Open-Source-Software (OSS).

Die zur OSS gehörigen Open-Source-Lizenzen fordern etwa, dass Autoren genannt werden und abgeleitete Arbeiten unter denselben Bedingungen veröffentlicht werden müssen (Copyleft). Daher sind sie für alle relevant, die OSS verwenden und in eigene Softwareprodukte integrieren.

Um rechtliche Risiken zu minimieren, gilt es, Open-Source-Compliance sinnvoll in Entwicklungsprozesse zu integrieren und konsequent umzusetzen. Beim Überprüfen von Software (Due Diligence) im Falle einer Unternehmensfusion oder -übernahme verhindert sorgfältig integrierte Open-Source-Compliance Lizenzmängel, sofern sie den spezifischen Standards entspricht.

Die folgenden sechs Punkte stellen Open-Source-Compliance auch für agile, schlanke Software-Entwicklungsprozesse sicher:

1. Definieren der Lizenzanforderungen auf Basis des Geschäftsmodells: Handelt es sich um eine proprietäre Software oder um eine vom Unternehmen getriebene Open-Source-Lösung? Die Antwort auf die Frage legt fest, ob etwa Lizenzpakete mit Copyleft-Bedingungen verwendet werden können.

2. Sensibilisieren der Mitarbeiter: Durch Schulungen und Bewusstseinsbildung für Open-Source-Compliance und informieren über die Auswirkungen von Lizenzverletzungen.

3. Erstellen einer Software-Stückliste („Bill of Materials“): Idealerweise automatisiert durch Tools im Rahmen der Entwicklungsprozesse. Dadurch entsteht ein sich selbst pflegender Katalog mit allen genutzten Software Paketen.

4. Definieren klarer Richtlinien und Prozesse: Auf Basis der eingangs definierten Lizenzanforderungen zum Verwenden von Open-Source-Software. Integrieren von Compliance-Checks in den Entwicklungsprozess. Die Freigabe erfolgt idealerweise automatisiert anhand einer Whitelist von Lizenztypen (statt manuell mit Einzelpaketen). Dadurch bleibt das Einbinden neuer Pakete ein schlanker Prozess, der die Entwicklerproduktivität hochhält.

5. Automatisiert dokumentieren und bei Bedarf veröffentlichen der Autoren: Genaues Aufzeichnen der verwendeten Open-Source-Komponenten und deren Lizenzen, um Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu schaffen.

6. Regelmäßig überprüfen: Implementieren regelmäßiger Audits, um sicherzustellen, dass sämtliche Software erfasst wird und Compliance-Richtlinien eingehalten werden (anpassen bei Bedarf).

Das gewissenhafte Integrieren von Open-Source-Compliance in die Geschäftsprozesse erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit und Engagement. Durch klare Richtlinien, Schulungen und gezieltes Einsetzen geeigneter Tools erfüllen Unternehmen ihre Open-Source-Lizenzen dauerhaft zuverlässig mit überschaubarem Aufwand.

Fallbeispiel

Eigene Software-Produkte und -Services zählen inzwischen zur geschäftlichen Basis des spezialisierten Softwareherstellers IPD Dynamics. Rund 12.000 direkt und indirekt in eigene Software verbaute Open-Source-Pakete erweitern deren Kernfunktionen. Um die Open-Source-Compliance effektiv zu gestalten, unterstützt die IT-Beratung MAKONIS das Unternehmen bereits im Code-Repository: Bestehender und neuer Code wird dort auf direkt und indirekt referenzierte Open-Source-Pakete gescannt.

Diese werden auf Sicherheitslücken und Lizenz-Compliance geprüft und automatisch zugelassen oder abgelehnt. Dadurch wird sichergestellt, dass neue Pakete immer dem definierten Prozess folgen. Ein schlankes Regelwerk bestimmt, welche Open-Source-Lizenztypen für die Einsatzzwecke geeignet sind, sodass die Software-Assets innerhalb proprietärer Software einsetzbar sind. Durch regelmäßiges Revalidieren werden auch neu auftretende Änderungen zuverlässig sichtbar. Aufwändige Einzelgenehmigungen von Paketen und Paketversionen entfallen dabei.

* Über den Autor
Johannes Stock ist Mitgründer und CTO bei MAKONIS. Der Cloud- und OSS-Spezialist leitet das Beratungsgeschäft rund um die Microsoft-Azure-Cloud mit den Fokusthemen Cloud-Adoption und -Governance. Zum Angebot seins Unternehmens zählen auch das Optimieren von Cloud-Software-Engineering-Prozessen und das Verankern von Cloud-DevSecOps-Prozessen.

Bildquelle: Makonis

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