Viele Unternehmen denken, eine effiziente Lieferkette garantiert den Erfolg von morgen, und vergessen dabei, dass sie auch zukünftige Veränderungen berücksichtigen müssen. Doch selbst langjährige, etablierte Beziehungen zu den Zulieferern müssen überdacht werden.
Wenn Unternehmen wissen, wie Risiken erkannt und sich auf künftige Risiken vorbereiten, können Lieferketten auch in Krisenzeiten stabil funktionieren.
(Bild: Iaroslav Neliubov - stock.adobe.com)
Wenn Störungen entlang der Lieferkette auftreten, sind Einzelhändler und Produzenten zur Reaktion gezwungen – diese sind jedoch meist ungeplant und daher oft sehr teuer. Unternehmen müssen sich besser auf diese Situationen vorbereiten, sodass sie im Ernstfall schneller und effizienter reagieren können.
Zu den größten Herausforderungen, mit denen Unternehmen derzeit hinsichtlich ihrer Lieferkette konfrontiert sind, gehören Lieferausfälle (81 Prozent), die Corona-Pandemie (72 Prozent) und die hohen Treibstoff- und Energiepreise (71 Prozent). Weiterhin erleiden drei von vier Industrieunternehmen Produktionsbehinderungen durch knappe Rohstoffe und Vormaterialien.
Nachfolgend werden fünf wichtige Schritte aufgezeigt, die dabei helfen, Risiken in der Lieferkette im Jahr 2023 zu erkennen und zu bewältigen.
1. Informationen vereinheitlichen und zentralisieren
Für die Identifizierung und Bewertung von Risiken ist eine transparente Lieferkette unerlässlich. Der erste Schritt hierfür ist die Vereinheitlichung von Informationen. Bisher sind in vielen Unternehmen Daten in verschiedenen Systemen zu finden, teilweise unterscheiden sich diese auch noch von Standort zu Standort. Eine Vereinheitlichung der Daten stellt sicher, dass alle Inhalte – von Produktdaten bis hin zur Dokumentation – an einem leicht zugänglichen und sicheren Ort und in der gleichen Qualität gespeichert sind. Obwohl dies einen nicht zu vernachlässigenden Arbeitsaufwand bedeutet, führt es dennoch zu einer höheren Effizienz interner Vorgänge und damit auch zu einem geringeren Verwaltungsaufwand.
Daneben ist auch die Zentralisierung der Systeme wichtig. Remote Work zu Beginn der Pandemie dürfte dies zunächst erschwert haben, immerhin waren im Jahr 2021 24,8 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland zumindest gelegentlich im Homeoffice tätig. Allerdings können mithilfe entsprechender Lösungen wie Kollaboration-Tools alle Informationen an einem Ort gesammelt und mit dem Team geteilt werden.
2. Lieferantendaten sammeln und integrieren
Die Komplexität der Lieferketten hat zugenommen. So bestehen Lieferketten heute aus vielen verschiedenen Ebenen, die horizontal und vertikal miteinander verbunden sind. Die Struktur der Lieferanten bis hin zum Produzenten des Endproduktes wird auch als Zulieferpyramide bezeichnet. An der Spitze steht das lokale Unternehmen, das von der ersten Ebene – den Systemlieferanten – Produkte beschafft. Der Systemlieferant beschafft seine Produkte wiederum von Modullieferanten. Diese Pyramide setzt sich fort mit den sogenannten Komponenten- und Teilelieferanten. Viele Unternehmen verfügen über ein System zur Verwaltung der ersten Ebene ihrer Lieferkette, aber nicht für die weiteren Ebenen, was aufgrund des fehlenden Einblickes zu Problemen führen kann.
Traditionell wurden Informationen manuell gesammelt, das heißt mittels direkter Kontaktaufnahme mit den Lieferanten. Dies war (und ist) sowohl ineffizient als auch unzuverlässig, da dieser Prozess fehleranfällig ist und Ungenauigkeit mit sich bringt. Um dies zu vermeiden, sollten Unternehmen KI und Knowledge-Graph-Technologie einsetzen, um Lücken zu füllen und Prozesse zur Beschaffung von Informationen zu modernisieren.
Damit können sie Komponenten und Materialinformationen mit globalen Lieferanten abgleichen, während sie Einblicke in tiefgreifende Zuliefererketten gewinnen. Zudem haben sie die Möglichkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen abzumildern. Maßnahmen können unter anderem sein, alternative Lieferanten zu identifizieren oder gemeinsam mit den Zulieferern die Lieferkette zu optimieren.
3. Reibungslose Zusammenarbeit in Teamwork
Agile Lieferketten bedeuten Teamwork – und das über mehrere Abteilungen hinweg. Reibungslose Zusammenarbeit – unabhängig von Rolle und Abteilung - ist unabdingbar, um unter anderem Folgendes zu ermöglichen:
Szenarioanalysen in Echtzeit: Aktuelle Prozesse und Alternativen können schnell bewertet und verglichen werden.
Multikriterielle Entscheidungsanalysen: Risiken können identifiziert und potenzielle Änderungen anhand verschiedener Kriterien verglichen werden.
Sofortige Folgenabschätzung: Die Identifizierung eines Risikos führt in der Regel zu einer Veränderung. Teammitglieder können einschätzen, wie sich Änderungen in der Lieferkette auf alle Aspekte der Produktleistung auswirken - von der Einhaltung von Vorschriften bis hin zu den Kosten, der Nachhaltigkeit und mehr.
4. Frühzeitig reagieren durch vorausschauendes Arbeiten
Nachdem alle Vorbereitungen getroffen wurden und der Status quo aufmerksam beobachtet wird, müssen nun Szenarien anhand mehrerer Kriterien abgebildet werden, um Folgen abmildern zu können. Unternehmen benötigen dabei Antworten auf Fragen wie „Wie wird sich die Lieferkette ändern, wenn sich für einen oder mehrere neue Lieferanten entschieden wird?“, „Welche Risiken sind mit dem Wechsel verbunden (zum Beispiel rechtliche oder Compliance-Risiken)?“ und „Besteht bei bestimmten Materialien derzeit die Gefahr von Engpässen? Könnte sich dies in Zukunft zum Schlechten wenden?“.
Stand: 08.12.2025
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In Deutschland gab es zum Beispiel im März 2022 einen durch den Ukraine-Krieg bedingten Versorgungsengpass bei Speiseöl – ein Engpass beziehungsweise ein Szenario, auf das keiner vorbereitet war beziehungsweise das keiner antizipiert hatte. Es ist zwar unmöglich, die Herausforderungen, die mit einem Krieg oder einem vergleichbaren Ereignis verbunden sind, ganz zu beseitigen, jedoch wäre es möglich gewesen, die Versorgungsknappheit zu reduzieren, indem bereits früher auf Hamsterkäufe reagiert worden wäre.
5. Auch auf unwahrscheinliche Szenarien vorbereiten
Auch mit der COVID-19-Pandemie hat niemand gerechnet. Sie war ein Weckruf für alle: Privatpersonen, Politik und Unternehmen. Innerhalb weniger Monate nach Bekanntwerden der Pandemie waren große Teile der Welt abgeschottet. Aber auch eher seltene Wetterereignisse wie Blizzards, riesige Waldbrände und Hurrikane, globale Unruhen wie der Ukraine-Krieg oder Schiffsunfälle haben verheerende Folgen. All das sind – wenn auch bisher seltene – Störfaktoren in der Lieferkette, die nicht kontrolliert werden können.
Was Unternehmen jedoch tun können, ist, die potenziellen Auswirkungen auf ihre Lieferkette zu verstehen und einen Notfallplan für deren Bewältigung zu erstellen. Die Ereignisse der vergangenen Jahre machten deutlich, dass auch bisher als unwahrscheinlich erachtete Ereignisse eintreten können, es ist daher angeraten auch dafür eine Risikoabschätzung zu erstellen.
Risiken in der Lieferkette müssen genau identifiziert und bewertet werden, um das kurz- und langfristige Wohlergehen des Unternehmens zu sichern. Dies wird erreicht, wenn Unternehmen wissen, wie Risiken erkannt und sich auf künftige Risiken vorbereitet werden kann. Dadurch kann eine transparente Lieferkette mit eingebauter Flexibilität aufrechterhalten werden, um agil agieren zu können und resilient zu bleiben.
* Die Autorin Sophie Kieselbach ist Senior Implementation Engineer Sustainability bei Makersite.