Wer nutzt KI unter welchen Bedingungen? Unternehmen im KI- und GenAI-Blindflug

Von Elke Witmer-Goßner 3 min Lesedauer

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Künstliche Intelligenz und GenAI eröffnen Unternehmen und ihren Mitarbeitenden eine neue Welt, geknüpft an die Erwartung effizienterer Arbeitsabläufe und höherer Arbeitsqualität. Bedenken gibt es natürlich auch. Sowie Wünsche nach mehr Überblick und Regulierung der Nutzung.

Transparenz über KI-Nutzung bildet die Grundlage für jedes AI Governance Framework und ist unverzichtbar, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.(Bild:  Dragon Claws - stock.adobe.com)
Transparenz über KI-Nutzung bildet die Grundlage für jedes AI Governance Framework und ist unverzichtbar, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.
(Bild: Dragon Claws - stock.adobe.com)

Generative AI wird bereits in 80 Prozent der Unternehmen genutzt, allerdings nicht in großem Umfang. Risiken bei der Datensicherheit (72 %) und Angst vor rechtlichen Konsequenzen (59 %) sorgen für Zurückhaltung, wie der aktuelle „SAP LeanIX AI Survey 2024“ zeigt.

Drei Viertel der Unternehmen, in denen KI bereits angewandt wird, haben bereits Regeln eingeführt, die den Zugang oder die Nutzung künstlicher Intelligenz limitieren. In der Hälfte der Firmen ist der Einsatz auf KI-Modelle vorab geprüfter SaaS-Anbieter beschränkt. Ebenso viele lassen die KI-Nutzung nur für bestimmte Aufgabenbereiche. Ein AI Governance Framework halten fast alle für erforderlich. Bereits implementiert haben es aber nur 19 Prozent, während sich die meisten derzeit in der Entwicklungsphase befinden.

Dass internationale Firmen einem solchen Framework hohe Bedeutung beimessen, liegt vor allem an den geplanten gesetzlichen Regulierungen für den verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz. Gartner erwartet, dass weltweit die Hälfte aller Regierungen bis zum Jahr 2026 entsprechende Vorgaben entwickeln wird. Am weitesten fortgeschritten ist die Europäische Union: Das Europäische Parlament hat im März 2024 dem EU AI Act zugestimmt, der zwei Jahre nach der offiziellen Veröffentlichung – die für diesen Sommer erwartet wird – vollständig in Kraft treten wird. Dieser verlangt von Firmen eine genaue Auskunft über das Risikoniveau ihrer Anwendungsfälle und droht bei Unterlassung mit Strafen von bis zu 7 Prozent des gesamten jährlichen Umsatzes.

Schlecht vorbereitet auf KI-Regulierung

Allerdings muss eine Mehrheit der Firmen eingestehen, dass sie im Moment nicht (85 %) oder nur teilweise (>50 %) auf die Einhaltung existierender und kommender KI-Regulierungen vorbereitet sind. Ein Drittel sieht sich derzeit gar nicht in der Lage, solchen Regulierungen zu entsprechen. Bemerkenswert ist, dass selbst in Firmen mit einem bereits implementierten AI Governance Framework weniger als 40 Prozent der Befragten ihr Unternehmen gut vorbereitet sehen.

Dass so viel Unsicherheit in Bezug auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben besteht, lässt sich zwar auch dadurch erklären, dass sich viele noch im Entstehungsprozess befinden. Doch zumindest das Regelwerk in der Europäischen Union liegt ausgearbeitet und verabschiedet vor – und der größte Teil der Befragten ist in Unternehmen in Europa tätig. Woran hakt es also?

Übersicht zu KI-Nutzung fehlt

Hauptsächlich, schlussfolgern die Studienmacher, liege es daran, dass in nur 14 Prozent der Unternehmen umfassende Nutzungsdaten zu KI und GenAI verfügbar seien. Dabei erachteten fast alle Befragten (90 %) eine umfassende Übersicht über die Nutzung generativer AI im Unternehmen als wichtig. Hier klaffe eine breite Lücke zwischen Relevanz und Realität, die einer umfassenden, gleichzeitig verantwortungsvollen Einführung künstlicher Intelligenz im Wege stehe, so das Fazit.

Egal wie die gesetzlichen Bestimmungen letztlich aussehen werden, müssen Unternehmen auf jeden Fall verstehen, an welcher Stelle in der Organisation von wem in welcher Form künstliche Intelligenz genutzt werden.

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Ohne Transparenz keine AI Governance

Auch wenn die Mehrheit der Unternehmen, in denen generative AI bereits genutzt wird, deren Einsatz mit verschiedenen Regeln limitieren, oder die Notwendigkeit für ein AI Governance Framework sieht: In 86 Prozent der Unternehmen mangelt es an umfassenden Informationen über die KI-Nutzung. Und das, obwohl fast alle Befragten des SAP LeanIX AI Surveys 2024 sich darin einig sind, dass diese Daten dringend benötigt werden.

Die Studienmacher sind überzeugt: Umfassende Informationen über die KI-Nutzung bilden die Grundlage für jedes AI Governance Framework und sind unverzichtbar, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Denn Unternehmen könnten zum Beispiel das Risikoniveau ihrer Anwendungsfälle nicht beschreiben, wenn sie nur teilweise oder gar keinen Überblick über diese haben. Die Erfassung solcher Informationen ist aber offenbar nicht immer klar geregelt. Laut Studie seien Enterprise Architects in Unternehmen dafür prädestiniert, mit Hilfe geeigneter Tools diese Daten zur KI-Nutzung bereit zu stellen und damit eine verantwortungsvolle, rechtskonforme Nutzung künstlicher Intelligenz zu ermöglichen.

Methodik:
Für die „SAP LeanIX AI Surveys 2024“ wurden von Dezember 2023 bis Januar 2024 online 226 IT-Experten aus dem globalen Kunden-Portfolio von SAP LeanIX zu den Chancen und Herausforderungen von GenAI befragt. 71 Prozent der Befragten arbeiten in Europa, weitere 19 Prozent in US-amerikanischen Unternehmen. Sie verteilen sich gleichmäßig auf Firmen unterschiedlicher Größe, wobei 40 Prozent in Organisationen mit über 10.000 Mitarbeitenden beschäftigt sind. Den größten Anteil an der Stichprobe machen mit 67 Prozent Enterprise Architekten aus.

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