Auf dem diesjährigen „Service Provider Summit“ der Vogel IT-Akademie, der am 1. und 2. September 2021 in der Villa Kennedy, Frankfurt/Main, stattfindet halten Falk Weinreich, General Manager Central Europe at OVHcloud, und Maximilian Ahrens, CIO von T-Systems eine gemeinsame Keynote zu Digitaler Souveränität und Gaia-X.
Der europäische Cloud-Computing-Marktwächst: Zwischen 2017 und 2019 um 27 Prozent pro Jahr und von rund von 53 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf voraussichtlich 300 bis 500 Milliarden Euro ab 2027.
(Bild: KPMG (IDC Worldwide and Regional Public IT Cloud Services Forecast, 2018–2021 (IaaS, PaaS und SaaS); IDC-Predictions-2021 European cloud predictions; IDC 2019 Forecast (Hosted Private Cloud); Untersuchung und Analyse von GSG))
Immerhin: Laut der Unternehmensberatung KPMG fänden „viele Unternehmen“ eine europäische Cloud-Lösung Gaia-X „gut“. Doch war zwar die „Virtualisierung der Datenspeicherung seit langem unweigerlich vorhersehbar“, schreibt Jaques Attali, französischer Wirtschaftswissenschaftler, Kulturphilosoph, Autor und Beamter, im Vorwort der KPMG-Studie „Der europäische Cloud-Markt: bedeutende Herausforderungen für Europa und fünf Szenarien mit großen Auswirkungen bis 2027-2030“, doch diese Zeit haben nicht Europäer, sondern Microsoft, Amazon und Google genutzt, um einen Anteil von über 60 Prozent am globalen öffentlichen Cloud-Markt zu erringen. Das aber sorgt auf mehreren Ebenen für Unwohlsein.
„Wenn ein Unternehmen mehr umsetzt als ganze Länder, werden diese nur noch zu Verwaltern, ohne wirkliche Chance auf Einflussnahme“, sagt etwa Gunnar Schomaker vom Software Innovation Campus Paderborn und Keynote-Sprecher am zweiten Veranstaltungstag. Attali sieht eine „gravierende Lücke“, die es schnellstens zu schließen gelte. Dafür gibt es, wie er sagt, mehrere Gründe:
Bis 2027 könnte der Cloud-Markt in Europa auf mehr als 260 Milliarden Euro anwachsen (verglichen mit 53 Milliarden Euro heute); damit würde er dieselbe Größe erreichen wie der aktuelle Telekommunikationsmarkt.
Wenn Cloud-Betreiber ihre Aktivitäten und Investitionen in Europa lokalisierten, könnten zwischen 2021 und 2027 rund 550.000 Arbeitsplätze geschaffen und erhebliche Investitionen (in Höhe von schätzungsweise 200 Milliarden Euro im Zeitraum 2021 bis 2027) ausgelöst werden.
Es wäre auch eine Gelegenheit zu einer stärkeren Unterstützung des Bereichs der Anwendungen. Denn die Cloud sei nichts ohne alle Dienste, die sie nutzen. Das könnte zu einer beschleunigten Entwicklung europäischer Software-Unternehmen beitragen.
Dies würde auch Entwicklungen der Bereiche Gesundheit, Bildung, Kultur, Medien, Sicherheit, Versicherungen und Finanzen – das heißt: aller zukünftig lebenswichtigen Wirtschaftszweige – in einem sicheren Kontext ermöglichen.
Zudem besteht die Hoffnung, dass Europa eine führende Position auf dem Gebiet von Spitzentechnologien wie Prozessoren, 5G, Quantenverschlüsselung, Edge-Computing und Biomimikry entwickeln könnte – laut Attali alles grundlegende Technologien für andere lebenswichtige Bereichen der Wirtschaft, wie Logistik, Wasser- und Luft-Management sowie erneuerbare Energien.
Und: „Eine europäische Cloud würde es Europa ermöglichen, seine digitale Souveränität zu garantieren, indem sichergestellt wird, dass es die Verwaltung personenbezogener und industrieller Daten beherrscht, was im aktuellen rechtlichen und regulatorischen Kontext absolut nicht garantiert ist (DSGVO, Ungültigerklärung des Privacy Shield, Cloud Act).“
Laut KPMG ist Datensouveränität für 89 Prozent der befragten Entscheidungsträger wichtiges Entscheidungskriterium, obwohl das Konzept oft als unklar und mit Schwerpunkt auf zwei Hauptaspekte (DSGVO-Compliance und RZ-Standorte) wahrgenommen wird, und in einem Kontext, in dem die Tiefe des Service-Angebots mit Datensouveränität als zu beschränkt erachtet wird.
(Bild: OVHcloud)
OVHcloud und T-Systems haben im September 2020 eine Zusammenarbeit nach den Prinzipien der Gaia-X-Initiative vereinbart. Die Partnerschaft soll zur Schaffung eines vertrauenswürdigen Public-Cloud-Angebots für Deutschland, Frankreich und andere europäische Märkte führen, um alle Sektoren anzusprechen, die auf Datensouveränität und GDPR-Compliance achten.
Im Rahmen dieser Partnerschaft beteiligen sich OVHcloud und T-Systems an der Entwicklung einer „OpenStack Public Cloud-Plattform“. Diese richtet sich an den spezifischen Bedürfnissen der Öffentlichen Hand aus und soll Betreiber wichtiger Infrastrukturen und Unternehmen jeder Größe adressieren, die in strategischen oder sensiblen Bereichen von öffentlichem Interesse tätig sind. Die Partner wollen „ein Höchstmaß an Offenheit und Transparenz, Datensouveränität, europäischem Datenschutz und Sicherheit“ garantieren.
„Mit T-Systems sind wir die ersten, die einen wirklich souveränen Public-Cloud-Service nach den Gaia-X-Prinzipien anbieten werden“, so Frank Weinreich.
(Bild: OVHcloud)
Warum ist Gaia-X notwendig? Wen oder was schließt das aus? Ist das nur ein gigantisches Protektionismus-Projekt für eine Wirtschaft, die ansonsten international nicht wettbewerbsfähig ist?
Falk Weinreich: Gaia-X ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die Initiative entstammt der Notwendigkeit, Transparenz herzustellen und um die Mündigkeit der User. Letztlich geht es um in Europa hochgehaltene Werte. So stimmt etwa die Gesetzgebung mit den Ländern nicht überein, in denen die heute Cloud-bestimmenden Unternehmen zuhause sind, etwa in China und vor allem den USA. So erlauben etwa Cloud Act und Patriot Act, zumindest in der Theorie, dass auf Daten, die hier erzeugt werden und geschützt sein sollten, zugegriffen werden kann. Das kann niemand etwa für Healthcare-Daten wollen oder auch für Informationen, die uns im Verteidigungsfall schützen sollen. Da müssen Europäer etwas entgegensetzen und tatsächlich lässt sich ein erster Impact im Markt erkennen.
Also handelt es sich um eine gigantische Erziehungsmaßnahme der Verbraucher/Endanwender sowie Unternehmen. Denn diese fragen doch als erstes, etwa wenn sie einen Co-Location-Betreiber aussuchen, ob der Connectivity-Hub zwischen AWS, Google und der Microsoft-Cloud vermitteln kann.
Ja, es gibt keinen Zweifel, wer derzeit die Marktmacht in den Händen hält. Doch sind längst noch nicht alle Workloads in die Cloud transferiert, vor allem zögern die Unternehmen noch bei den kritischen Daten und Anwendungen. Will man die Chancen europäischer Anbieter bewerten, zählt das gesamte Potenzial und da ist noch viel Luft nach oben, wie kürzlich auch eine KPMG-Studie noch einmal deutlich gemacht hat. Außerdem sind die Nutzer bereits kritischer geworden.
Was soll bei Gaia-X herauskommen? Software? Ein DSGVO-Ersatz?
Gaia-X ist kein gesetzgebendes Organ, man kann sagen eine Non-Profit-Organisation. Deren Aufgabe ist die Bewusstseinsschärfung. Am Ende werden die Nutzer gebildeter sein – und offen für Angebote, die aus Europa stammen. Gaia-X lässt Platz für neue Offerings. Das schließt außereuropäische Unternehmen und Angebote nicht aus. So gibt es Unternehmen aus Asien und den USA, Technik- und Cloud-Anbieter, die sich Gaia-X angeschlossen haben. Das ist ohne Weiteres möglich; nur Mitglied im Board können sie nicht sein.
Frankreich und Deutschland sind besonders aktiv, um europäische Souveränität auf die Beine zu stellen. Was ist eigentlich mit den anderen europäischen Mitgliedsstaaten?
Tatsächlich ging die Initiative ursprünglich von Deutschland aus. Doch sehr schnell war Frankreich mit im Lead, so dass das Konstrukt und die erste Agenda auf Initiativen in diesen beiden Ländern zurückgeht. Doch mittlerweile gibt es in vielen europäischen Ländern entsprechende Hubs, beziehungsweise Förderungen. Zu nennen sind auch die Infrastruktur-Förderprogramme, die sich unter dem Kürzel IPCEI-CIS zusammenfassen lassen. Beteiligt an dem Projekt „Important Project of Common European Interest - Next Generation Cloud Infrastructure and Services“ ist das Bundeswirtschaftsministerium in Kooperation mit zehn weiteren europäischen Ländern sowie die EU-Kommission. Es geht um die Frage nach einer tragfähigen europäischen Datenverarbeitung beziehungsweise eine europäisch einheitliche Cloud-Edge-Infrastruktur. Deutschland hat dabei zusammen mit Frankreich die Koordination des Großprojekts übernommen.
Stand: 08.12.2025
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Doch irgendwie geht es auch bei Gaia-X um Hardware und Software. So haben im Juli die ersten elf Projekte die Zusagen für eine Förderung von insgesamt 122 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium bekommen. Wäre es nicht grundsätzlich sinnvoller zu sagen: Nehmt Open Source für Euren Software-Stack, da seid Ihr auf der sicheren Seite, statt einzelne Projekte zu fördern?
Ich bin zwar nicht der Gaia-X-CTO, aber ich sehe da keinen großen Widerspruch. Noch ist es unmöglich, für Alles und Jedes eine Open-Source-Software zu finden. Die Lücken gilt es zu füllen – möglichst mit quelloffenen Tools, damit das Geschehen transparent bleibt.
Welche Rolle in dem Spiel schustern Sie den Service Providern zu?
Unsere Rolle ist es, die Kunden bestmöglich bei ihren Cloud-Aktivitäten zu unterstützen. Als OVHcloud bieten wir letztlich die Basis, auf der die Anwendungen laufen. Zusammen mit der Telekom, eigentlich mit T-Systems, einem Systemhaus, das übrigens auch beispielsweise „Azure“ vermarktet, arbeiten wir aber an einem Gaia-X-konformen Konzept, um genau zu sein der „Prof of Concept“ geht gerade live. Jetzt wollen wir gemeinsame Kunden dafür finden.
Sie werben für Gaia-X mit „Vertrauen“, das die Kunden in Ihre Cloud-Angebote haben sollen. Sie versprechen ihnen Datensouveränität. Doch Vertrauen ist fragil: Ein Rechenzentrumsbrand wie im Frühjahr bei OVHcloud oder auch ein Datenraub, wie jüngst bei T-Mobile USA oder im Oktober 2020 bei der Deutschen Telekom und der gute Ruf, die Grundlage der Geschäftsbeziehung ist weg.
Das sehe ich nicht so schwarz wie Sie. Erstens ist dem Markt bekannt, dass es immer einmal wieder Ausfälle geben kann, bedingt durch Security-Issues, Network Impacts und eher selten einen Datacenter-Brand. Übrigens ist die Ursache noch nicht geklärt und die Kunden haben uns gelobt, wie wir mit dieser Katastrophe umgegangen sind, etwa mit transparenter Kommunikation. Letztlich haben wir kaum Kunden verloren und wachsen nach wie vor. Zweitens bieten wir Redundanz, auch länderübergeifende Georedundanz an.
Service Provider Summit
Wie sich Service Provider und IT-Dienstleister auf diese strategische Neuausrichtung am besten vorbereiten, welche Chancen die europäische Cloud-Initiative Gaia-X bietet und was hinter den zahlreichen Investitionen einiger Private-Equity-Unternehmen in den MSP-Markt stecken, erfahren Sie auf dem Service Provider Summit der Vogel IT-Akademie live am 1. und 2. September in der Villa Kennedy in Frankfurt am Main.
Die Veranstaltung dient dem Austausch von Erfahrungen, Strategien und Ideen rund um das Thema Cloud und Managed Services. Sie richtet sich an Verantwortliche von Service Providern, Channel-Partner sowie IT-Dienstleistern, die für die Themen rund um Cloud oder Managed Services verantwortlich zeichnen.
Im Rahmen der Veranstaltung werden Vertreter namhafter Unternehmen und Organisationen ihre Projekte und Best Practices rund um Cloud und Managed Services teilen. Neben den bereits genannten Speakern, gehören dazu unter anderem auch Paula Januszkiewicz, CEO des Cybersecurity-Unternehmens Cqure, Dr. Gunnar Schomaker, Vice Managing Director bei dem Software Innovation Campus Paderborn (SICP), Claudia Frese, CEO bei Strato, und Andreas Gauger, CEO bei Open-Xchange. Weitere spannende Keynotes rund um die Themen Cybersecurity, Nachhaltigkeit und Blockchain-based Life Cycle Assessment sowie einen Ausflug mit AWS in die VW-Cloud erwarten die Teilnehmer des Summits.