Geschwindigkeit vs. Sicherheit Wie Qualitätsmängel in Software die IT-Sicherheit gefährden

Ein Gastbeitrag von Adonis Celestine 4 min Lesedauer

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Das jüngste fehlerhafte Update von Microsoft zeigte eindrücklich, wie gravierend Qualitätsmängel in Software sein können. Die ständige Jagd nach schnelleren Updates und Innovationen führt im Konsumenten- und Geschäftsbereich zu einem Qualitätsabfall. Doch wie können IT-Unternehmen diesen Trend umkehren und eine Balance zwischen Geschwindigkeit und Qualität finden?

Die rasante Veröffentlichung von Software geht auf Kosten der Qualität und führt zu Sicherheitslücken; IT-Unternehmen können aber Geschwindigkeit und Qualität ausbalancieren.(Bild:  Pakin - stock.adobe.com)
Die rasante Veröffentlichung von Software geht auf Kosten der Qualität und führt zu Sicherheitslücken; IT-Unternehmen können aber Geschwindigkeit und Qualität ausbalancieren.
(Bild: Pakin - stock.adobe.com)

In der IT-Welt dreht sich alles um Geschwindigkeit. Denn als erster auf dem Markt ergeben sich offensichtliche Wettbewerbsvorteile. Von der Entwicklung neuer Features bis hin zur Markteinführung einer neuen Software – der Druck, immer schneller zu liefern, ist allgegenwärtig.

Dieser Druck hat direkte Auswirkungen auf die Benutzererfahrung. Viele populäre Apps ernten zunächst positive Bewertungen, bis ein neues Update plötzlich zu einer Flut von Beschwerden führt. Dieser Zyklus wiederholt sich und obwohl die Entwickler die Probleme nachträglich beheben, ist der langfristige Schaden für das Ansehen der App oft erheblich. Denn kaum ein Nutzer ändert nachträglich, nachdem die App wieder funktioniert, nochmal eine schlechte Bewertung. So senken diese auf Dauer den Bewertungsdurchschnitt. Im schlimmsten Fall wird die App einfach deinstalliert, sobald Probleme auftreten.

Dieselben Probleme gelten auch, wenn sich die Anwendungen an Unternehmen richten. Selbst wenn die Fehler schnell behoben sind, bleiben negative Erfahrungen bei Mitarbeitenden lange im Gedächtnis, führen zu Unzufriedenheit und können wirtschaftliche Schäden verursachen. Früher oder später schauen sich Unternehmen nach alternativen Programmen und Anwendungen um.

Bessere Werkzeuge, ohne bessere Ergebnisse

Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Qualität sich immer schneller gewährleisten lasse. Früher war Qualitätssicherung ein nachgelagerter Prozess. Im sogenannten Wasserfallmodell erfolgte die Prüfung erst, wenn das Produkt fertiggestellt war. Mit dem Aufkommen proaktiver agiler Methoden wie der DevOps-Methodik wurde die Qualitätssicherung in den Entwicklungsprozess integriert, was zu signifikant schnelleren Verbesserungen führte.

Heute stehen uns dank KI und maschinellem Lernen Werkzeuge zur Verfügung, die sogar vorausschauende Qualitätssicherung ermöglichen könnten. Doch trotz dieser Fortschritte bleibt ein Problem bestehen: Die Geschwindigkeit diktiert nach wie vor den Entwicklungsprozess und daraus ergeben sich neue Ursachen für das alte Problem. Doch welche Ursachen führen dazu, dass trotz immer fortschrittlicher Werkzeuge häufig die Qualitätssicherung leidet?

Vielseitigkeit auf Kosten der Tiefe

Mit der zunehmenden Komplexität der Softwareentwicklung haben sich Profile des idealen Entwicklers gewandelt. Von spezialisierten Entwicklern, die sich auf ein einziges Fachgebiet spezialisierten, hin zu Allroundern. Also vom sogenannten „I-förmige“ Entwickler zum „kammförmige“. Dieser soll nicht nur über tiefgehendes Fachwissen in mehreren Bereichen verfügen, sondern auch über eine breite, sektorübergreifende Kompetenz. Diese Entwicklung verlief über „T-förmige“ Entwickler, die neben ihrem Spezialgebiet auch allgemeine Aufgaben übernehmen können, hin zu „Pi-förmigen“ Entwicklern mit mehreren Spezialisierungen. Der „kammförmige“ Entwickler, als Idealvorstellung, vereint all diese Eigenschaften und ist sowohl Experte als auch Generalist.

Diese Entwicklung mag im Hinblick auf Effizienz vorteilhaft erscheinen, da Entwickler so verschiedene Aufgaben im Entwicklungszyklus übernehmen können. Doch in der Praxis gibt es einen entscheidenden Nachteil: Die allmähliche Umstellung der Softwareentwicklungsbranche auf Entwickler mit mehreren Qualifikationen geht auf Kosten tiefer Expertise. Im Gegensatz zu dem Ideal des perfekten Entwicklers fehlt es häufig an Fachwissen in der Qualitätssicherung, die früher von spezialisierten Testern durchgeführt wurde. Dies führt dazu, dass immer mehr Fehler unentdeckt bleiben und die Softwarequalität insgesamt sinkt.

Grundlagen der Qualitätssicherung

Ein weiteres Phänomen, das zur Abnahme der Softwarequalität beiträgt, ist die Abnahme kritischen Denkens von Entwicklern. Bei der Vielzahl an Aufgabenbereichen, die Entwickler als Allrounder übernehmen müssen, verlassen sie sich zunehmend auf automatisierte Tools und Frameworks, um Qualitätssicherungstätigkeiten zu übernehmen. Dies führt jedoch dazu, dass grundlegende Prinzipien und Best Practices der Qualitätssicherung aus dem Blick geraten. Der Prozess, kritisch über das "Warum", "Was" und "Wie" des Testens nachzudenken und zu hinterfragen, findet immer seltener statt.

Qualität und Geschwindigkeit in Einklang bringen

Die gute Nachricht ist: Es gibt Wege, die Balance zwischen Geschwindigkeit und Qualität zu finden. Es gibt einige Strategien, die Unternehmen helfen können, diesen Spagat erfolgreich zu meistern:

  • Investition in spezialisierte Tester: Unternehmen müssen wieder vermehrt auf tiefes Fachwissen in der Qualitätssicherung setzen. Die Einstellung spezialisierter Experten oder das Outsourcen an externe Dienstleister erfolgen.
  • Kontinuierliches Lernen und Verbesserung fördern: Qualitätssicherung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess. Entwickler
  • und Qualitäts-Teams benötigen regelmäßige Weiterbildungsangebote, um stets auf dem neuesten Stand der Testmethoden und -technologien zu bleiben.
  • Verantwortung für Qualität in die Entwicklung integrieren: Qualität darf nicht ausschließlich von separaten Qualitäts-Teams kontrolliert werden. Entwickler können von Anfang an in die Verantwortung genommen werden, indem sie testbaren Code schreiben und gründliche Unit-Tests durchführen.
  • Technologie strategisch einsetzen: Automatisierung und KI können wertvolle Werkzeuge sein, doch sie sollten ergänzend und nicht statt menschlicher Expertise genutzt werden. Entwickler und Qualitäts-Profis müssen die Grenzen der verschiedenen Tools kennen und verstehen, um sie gezielt einzusetzen.

Der Weg zu nachhaltigem Erfolg

Die IT-Branche steht vor der Herausforderung, die Jagd nach Geschwindigkeit und Innovation mit einer konsequenten Qualitätssicherung zu vereinen. Die Qualitätssicherung muss ganzheitlich innerhalb des Entwicklungsprozesses berücksichtigt werden und sowohl Geschwindigkeit als auch Qualität müssen eine gleichwertige Priorität genießen. Indem man auf spezialisierte Tester zurückgreift, kann dieser Balanceakte und Qualität ohne Geschwindigkeitseinbußen gelingen.

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So können Anwendungen entwickelt werden, die den Anforderungen des Marktes gerecht werden und Benutzer über einen kurzen Hype hinaus begeistern und binden. Denn auf lange Sicht führt, auch im digitalen, ein qualitativ hochwertiges Produkt, zu einer größeren Kundenzufriedenheit und dadurch zu nachhaltigem Wachstum und Erfolg für Unternehmen.

* Der Autor Adonis Celestine ist Senior Director und Automation Practice Lead bei Applause. In dieser Rolle hilft Adonis Applauses Kunden, einen kundenorientierten Ansatz für die Qualität als Teil ihrer Qualitätsentwicklungsevolution zu verfolgen. Er ist Experte für Testdatenmanagement und Compliance sowie für Automatisierungstools.

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