Wo ist der geeignete Standort für ein Rechenzentrum?

Auch in der Cloud gilt: Es muss nicht immer Frankfurt sein

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Doch anderswo ist mehr los. Mike Tobin, ehemals im Management des Kollokationsanbieters Telecity, der nunmehr mit Equinix fusioniert hat, rät zum bewussten Eingehen von Risiken gerade im Geschäft mit Afrika. „Es gibt große Chancen, aber auch große Gefahren.“ So könne man bei Rechenzentrums- und Service-Geschäften in vielen afrikanischen Ökonomien mit westeuropäischem Sicherheitsbewusstsein, mit dem stetigen Vorhandensein einer funktionierenden Stromversorgung und auch mit einem verlässlichen Geschäftsgebaren nicht rechnen. Vertrauen und persönliche Beziehungen sowie eine genaue Kenntnis der Gegebenheiten auf den jeweiligen örtlichen Märkten seien unabdingbare Voraussetzungen, um in diesen Ländern Geschäft zu machen, sei dies nun als Service- oder Kollokationsanbieter.

Während die übrigen nordeuropäischen Ökonomien besonders mit ihren Stärken bei regenerativer Energie um neue Rechenzentrums-Projekte und -kunden warben, spielte Irland als wichtigsten Trumpf seine langjährige Erfahrung als Dienstleister aus: „Früher haben wir Lochkarten verarbeitet, heute digitale Transaktionen – wo ist der Unterschied?“, so Gerry Connolly, President des irischen Verbands der Rechenzentrumsdienstleister Hostinireland. Schon 1956 habe IBM sein erstes Büro in dem Land eröffnet, Facebook gerade ein Rechenzentrum mit 75 MW Strombedarf. Von Dublin nach New York verlaufe das kürzeste transatlantische Glasfaserkabel. Iren hätten eine Tradition im zuverlässigen Umgang mit Daten, darauf könne man sich bis heute verlassen. Dies ist sicher kein schlechtes Argument gerade für kritische kontinentaleuropäische Kunden, die einen Standort für ihre Cloud suchen.

Expansive Märkte in Asien

China entwickelt sich zu einem Markt der Hyper-Dimension. Der Rechenzentrumsbauer und -betreiber Chayora hat seinen Sitz in Hongkong und betreibt zwei Handvoll Rechenzentren in chinesischen Städten. Chayora-Manager Oliver Jones: „China hat ein Drittel der weltweiten Online-Population, aber nur ein Drittel des Whitespaces der USA“, sagt er. Whitespace bezeichnet die Rechenzentrumsfläche, auf der Systeme aufgestellt werden können. Das Land habe längst Cloud-Provider der Megagröße hervorgebracht. So steuere Alibaba, eine chinesische Online-Handelsplattform, 80 Prozent der Online-Käufe in China und habe den zehnfachen Profit von Amazon. Tencent sei weltweit das fünftgrößte Social Network und Baidu die zweitbeliebteste Suchmaschine weltweit. Hinter alledem stehen natürlich entsprechend große Rechenzentrumseinrichtungen. Cloud-Provider kämen in diesem Markt nur zum Zuge, wenn sie sich über chinesische Marktteilnehmer einkauften. So habe Telstra etwa Pacnet erworben und Equinix 2012 Asia Tone gekauft.

Für Malaysia als Standort von Cloud- und anderen Rechenzentren machte sich auf der Datacloud Europe in Monaco Billy Lee Kok Chi stark. Das Land hat 30 Millionen Einwohner, das Bruttosozialprodukt wächst mit sechs, der Rechenzentrumsmarkt aber mit 35 Prozent jährlich über die letzten drei Jahre. Fünfzehn Unterseekabel verbinden die asiatischen Rieseninsel mit dem Rest der Welt, weitere sechs sind geplant oder im Bau. Huawei, AMD und auch DHL haben dort in Rechenzentrumsressourcen investiert. Eine spezielle Task Force der Regierung kurbelt das Geschäft weiter an. Wer besonders umweltfreundliche Rechenzentren baut oder Mitarbeiter ausbildet, bekommt Vergünstigungen bis hin zu einem zehnjährigen Steuererlass. Eine Reihe von Industriegebieten wird von der Regierung wegen ihrer Nähe zu alten oder neuen hydroelektrischen Ressourcen für Rechenzentren besonders empfohlen, etwa Cyberyaya, eine 30 Kilometer von Kuala Lumpur entfernte Retortenstadt. Auch in der Provinz Sarawak soll in der Nähe derzeit im Bau befindlicher Staudämme eine neue Stadt für die Cloud- und Rechenzentrumsbranche gebaut werden, Mukah Smart City.

Cloud-Services leben aber nicht vom Standort, sondern vor allem von der souveränen Beherrschung der Materie, mit der sie sich befassen. Der Singapurer Gesundheits-IT-Dienstleister International Health Information Systems etwa speichert die Patientenakten von 40.000 Ärzten des Stadtstaats. Das hat die medizinische Informationsbereitstellung erheblich beschleunigt und mehr Transparenz hergestellt. Für seine Leistung erhielt das Unternehmen in Monaco den Cloud End User Award der Datacloud Europe, eine von neun Trophäen, die auf der Kongressmesse jährlich vergeben werden.

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