Professionelle Entwicklung von Business Apps Zusammenspiel von Unternehmens-IT und App ist entscheidend

Autor / Redakteur: Lars Keller * / Florian Karlstetter

Prozesse mobilisieren und gleichzeitig schneller und flexibler gestalten: Das versprechen sich Unternehmen von professionellen Business Apps. Wer dabei allerdings auf standardisiert programmierte Apps setzt, wird nicht selten enttäuscht. Denn schon während der Entwicklung ist es wichtig, die Besonderheiten der Unternehmens-IT zu berücksichtigen.

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Die Entwicklung von Business Apps erfordert einen strukturierten Ablauf. Die richtige Vorgehensweise beschreibt Lars Keller von Hönigsberg & Düvel.
Die Entwicklung von Business Apps erfordert einen strukturierten Ablauf. Die richtige Vorgehensweise beschreibt Lars Keller von Hönigsberg & Düvel.
(Bild: H&D)

Nur so ist der reibungslose Einsatz im späteren Betrieb gewährleistet. Wir zeigen, worauf es dabei im Entwicklungsprozess ankommt.

Der App eine konkrete Aufgabe zuordnen

Pro App nur eine Aufgabe im Fokus: Das bloße Abbilden aller Funktionen einer Anwendung taugt im mobilen Kontext nicht per se als Prozessbeschleuniger. Apps bestechen durch ihre Leichtigkeit, indem sie Prozesse radikal entschlacken, oder sich von vornherein nur auf Teilprozesse beziehen. Zu viele Anforderungen und Möglichkeiten überfrachten sie und machen sie letztlich unhandlich. Empfehlenswert sind daher mehrere kontextbezogene Apps, wie sie beispielsweise SAP anbietet. Wollen Firmen individualisierte Business Apps für sich nutzen, müssen sie sich im Vorfeld konkret klar machen: Was soll sie überhaupt leisten? Welche Prozesse eigenen sich überhaupt für mobile Anwendungen, welche sind im Vorfeld zu redesignen und wo besteht Optimierungspotenzial?

Klare Richtlinien im Mobile Device Management verankern

Business Apps sind nur bei einem ganzheitlichen Mobile Device Management (MDM) sinnvoll. Unternehmen sollten daher frühzeitig klären, welche Strategie sie verfolgen wollen. Existiert im Betrieb bereits ein effektives Mobile Device Management (MDM) mit Richtlinien zu Nutzungsbedingungen, Datenschutz und Sicherheit? Nutzen Mitarbeiter private Endgeräte nach dem BYOD-Konzept? Oder stellt das Unternehmen Geräte über COPE bereit?

COPE (Corporate Owned Personally Enabled) oder auch CYOD (Choose your own Device) beschreibt die Bereitstellung von mobilen Endgeräten für Mitarbeiter mit häufig erlaubter privater Nutzung. BYOD (Bring Your Own Device) hingegen bezeichnet die berufliche Nutzung von privaten Endgeräten. Jedes dieser Konzepte erfordert angepasste Maßnahmen für den Umgang mit Daten oder Zugangsberechtigungen. Bei CYOD haben Unternehmen einen entscheidenden Vorteil: Sie grenzen die Vielfalt der Geräte ein und vereinfachen dadurch den administrativen Verwaltungsprozess. Zudem behalten sie die volle Kontrolle über den unternehmensspezifischen Bereich der Geräte, so dass Compliance- und Sicherheitsthemen wesentlich besser zu managen sind. Die nötige Privatsphäre gewährleistet hier die strikte Trennung von privaten und beruflichen Daten. Bei BYOD müssen Unternehmen verstärkt über unternehmensinterne Sicherheitsanweisungen und Security-Richtlinien arbeiten, um zumindest ein Minimum an (Rechts-)Sicherheit zu erreichen. Im Gegensatz zu CYOD ist bei BYOD in jedem Fall nur eine Teilkontrolle der Geräte realisierbar. Homogene Administrationsanforderungen sind hier nur schwer zu verwirklichen.

Auch Überlegungen zur Verteilung der App im Unternehmen – beispielswiese über einen Enterprise Store – gehören zu einem ausgereiften MDM-Konzept als Teil einer ganzheitlichen EMM-Strategie (Enterprise Mobility Management). Sie umfasst sämtliche Aspekte zu Verwaltung und Einsatz von mobilen Endgeräten sowie zugehörige Daten, Applikationen und Services im Unternehmen.

Die App als Ergänzung der Unternehmens-IT entwickeln

Ohne Zugang zum Backend der Unternehmens-IT klappt es nicht: Wie homo- oder heterogen ist die Hardware-Landschaft aufgestellt? Auf welche Anwendungen und Systeme benötigt die App Zugriff? App-Entwickler müssen wissen, auf welchen Betriebssystemen die App später läuft: iOS, Android oder Microsoft? Ebenso interessant ist die Frage, ob die App auf mehrere dieser Plattformen ausgelegt sein soll. Das Stichwort lautet hier: hybride App. Ansatzpunkte für die Entwickler ergeben sich dabei aus den verfügbaren APIs (Application Programming Interface) wie REST Services via HTTP und JSON, WCF oder WebServices.

Je nach Hersteller wie beispielsweise SAP sind die notwendigen APIs nicht immer offen und kostenfrei. Das Lizenzmanagement und eventuell aus dem Lizenzerwerb entstehende Kosten sollten im Vorfeld entsprechend einkalkuliert sein. Hat das Unternehmen Anpassungen an Standardsoftware vorgenommen oder setzt eigene Individualsoftware ein, sollte es einen Dienstleister auswählen, der entsprechende Backend-Erfahrung in das Projekt einbringt. Gleiches gilt für das Zusammenspiel von neuer App und restlicher IT-Landschaft: Gerade Business-Apps sollten die vorhandene IT-Landschaft ergänzen und unter Umständen sogar harmonisieren – nicht zusätzliche Heterogenität verursachen.

Hier zählt das Wissen eines erfahrenen IT-Systemintegrators: In vielen Fällen benötigt die Infrastruktur eine Optimierung. Vielleicht muss erst ein Webdienst erstellt werden, der die Daten aus verschiedenen Systemen bündelt, um sie an die App weiter zu geben. Dieses Verfahren spart beispielsweise Kommunikationszeit und -volumen, da die Aggregation nicht auf dem Endgerät läuft. Auch Konzepte wie Single Sign-On können von Interesse sein. Das minimiert den administrativen Overhead und vereinfacht Föderationsszenarien, was wiederum dem Anwender zu Gute kommt. Auch die Offlinefähigkeit von Apps durch ein smartes Daten-Caching sollten IT-Verantwortliche in Betracht ziehen. Eine App, die nur online funktioniert, ist im Business-Umfeld ein No-Go.

Auf potenzielle Sicherheitsrisiken eingehen

Mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bedrohen bei Datenverlusten die unternehmerische Existenz. Das gilt auch für Apps. IT-Verantwortliche sollten bereits von Anfang an Compliance- und Datenschutz-Richtlinien im Blick haben. Eine sichere Verschlüsselung der Daten gehört zum Standard. Dienstleister wie die H&D International Group mit langjähriger Erfahrung zu Enterprise-ITK-Strukturen auf allen Schichten des OSI-Modells bringen in der Regel die notwendige Expertise mit: Sie stellen nicht allein die Anwendung in den Fokus, sondern sorgen bereits bei der Konzeption für entsprechende Rahmenbedingungen in puncto Authentifizierung, Autorisierung und Rechtemanagement. So gilt es beispielsweise zu regeln, welche Daten die Anwender in der App verarbeiten dürfen und wie lange diese auf dem Endgerät gespeichert bleiben. Das ist besonders für CRM-Systeme sinnvoll, da ein Vertriebsmitarbeiter seine Kundendaten beim Verlassen des Unternehmens auf diese Weise nicht mitnimmt. Sicherheitsrichtlinien für den späteren Betrieb sind im MDM-Konzept und den generellen Security-Regeln im Unternehmen zu verankern.

Design entscheidet über Benutzerfreundlichkeit

Ein cleveres User Interface (UI) sorgt für die Usability und damit auch für eine positive User Experience. In der Gestaltung des UI liegt der eigentliche Knackpunkt der Entwicklung. Nur ein übersichtliches, intuitiv verständliches Business UI gewährleistet die Akzeptanz beim Endnutzer und bringt die gewünschte Effizienz. Eine gute App bricht einen komplexen Vorgang auf seine eigentliche Essenz herunter. Sie bietet zum jeweiligen Prozessfortschritt nur die Informationen, die der Anwender gerade benötigt. Hier gilt das Motto: Weniger ist mehr!

Ein gutes Beispiel dafür ist der von H&D entwickelte „Mobile Incident Manager“ (MIM) für den Vor-Ort-Einsatz der Ticketbearbeitung auf mobilen Endgeräten. MIM ist mit verschiedenen Ticket Management Tools wie dem Microsoft System Center Service Manager für das IT-Störungsmanagement kompatibel. In der Desktop-Variante enthalten diese in der Regel für jedes Ticket zahlreiche Gestaltungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten. MIM hingegen bietet zur Bearbeitung eines Tickets maximal lediglich zwei oder drei Optionen. Zu wissen, welche konkreten Rechte oder Informationen der „Supporter“ zu einem bestimmten Zeitpunkt braucht und welche nicht, ist entscheidend. Hier arbeiten Unternehmen und App-Entwickler so eng wie möglich zusammen.

Sind im Betrieb gleichzeitig Endgeräte mit verschiedenen Betriebssystemen im Einsatz, sollten Entwickler die unterschiedlichen Nutzerführungen und Bedienweisen der Endgeräte immer berücksichtigen. Beim Design der UI spielt die Plattform eine wesentliche Rolle: Eine App ist genau dann gut, wenn sie aussieht und sich verhält, wie die ihr zugrunde liegende System-Applikation. Sie nutzt die gleiche Designsprache, aber auch das „Look and Feel“.

Austausch während der Entwicklung führt schneller zum Ziel

Teamplayer kommen schneller zum Ziel. In dieser Phase tauschen sich im Idealfall Auftraggeber und Dienstleister kontinuierlich aus und geben konstruktives Feedback. Dafür eignet sich am besten ein agiler Entwicklungsprozess im Zusammenspiel mit regelmäßigen Kundenpräsentationen und im Vorfeld festgelegten Meilensteinen. So sind noch während der Entwicklung entstehende Änderungswünsche leichter und schneller umzusetzen, als bei einem komplett fertigen Produkt. Ergänzend ist es empfehlenswert, auch Mitarbeiter aus der IT-Abteilung des Unternehmens in den Prozess einzubinden. Die enge Zusammenarbeit in einem solchen agilen Vorgehensmodell sorgt für Zeitersparnis und kann die Budget-Kontrolle erleichtern.

Alle Funktionen vor dem Produktivstart testen

Hier kommt es zur Bewährungsprobe: Vor dem eigentlichen Einsatz im laufenden Betrieb steht ein umfangreiches Testing der fertigen App an, um auch die letzten Bugs ausfindig zu machen. Jetzt zeigt sich abschließend, wie glatt die Interaktion zwischen ihr und der restlichen IT-Infrastruktur funktioniert. Hier liegt der Vorteil in der agilen Entwicklung und dem engen Austausch mit dem Kunden. Je besser die Zusammenarbeit, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass es hier zu gravierenden Problemen kommt. Die Friendly User Tests sind wichtig, um logische Fehler vor einem großen Rollout zu beseitigen. Je reibungsloser die App schließlich läuft, desto größer ist ihre Akzeptanz bei den Mitarbeitern.

Updates und Wartung im Betrieb sicherstellen

Updates sichern einen nachhaltigen Einsatz. Regelmäßige Aktualisierungen der eigenen Systeme gehören zum Business-Alltag und sind gerade im Hinblick auf Sicherheit unerlässlich. Demzufolge benötigt auch der Release-Stand einer App regelmäßige Anpassungen, um langfristig im Einsatz zu bleiben. Hier regeln Wartungsverträge mit den Entwicklern die kontinuierliche Aktualisierung der Anwendung über Updates sowie die Handhabung von Notfällen.

* Lars Keller ist Leiter der H&D AppFactory und Microsoft MVP.

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