Interview mit dem Chef von Tecops Was ist dran am Fachkräftemangel?

Autor / Redakteur: Das Interview führte Katrin Hofmann / Katrin Hofmann

IT-Fachkräftemangel: Ein wirkliches Problem oder lediglich Gejammer? Erwarten Firmen beispielsweise einfach zu viel von Bewerbern? Ludwig Hank, Geschäftsführer des auf die Vermittlung von IT- und kaufmännischem Personal spezialisierten Dienstleisters Tecops Personal, wagt einen differenzierten Blick.

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Ludwig Hank, Geschäftsführer der Tecops Personal GmbH
Ludwig Hank, Geschäftsführer der Tecops Personal GmbH
(Bild: Tecops)

Die Bundesagentur für Arbeit hat jüngst gemeldet, dass es mehr arbeitslose IT-Experten als offene Stellen gibt, ein grundsätzlicher IT-Fachkräftemangel nicht bestehe. Laut dem Branchenverband Bitkom dagegen bezeichnen 53 Prozent der ITK-Firmen die Fachkräftesituation als behindernd für das eigene Geschäft. Wie viele Personalanfragen standen bei Ihnen im vergangenen Jahr wie vielen suchenden Bewerbern gegenüber?

Hank: Im vergangenen Jahr gingen bei uns über 22.000 Bewerbungen von IT-Fachkräften ein. Insgesamt befinden sich in unserem Pool derzeit Profile von 40.000 IT- und kaufmännischen Fachkräften und 25.000 freiberuflichen IT-Spezialisten. Diesen Zahlen stehen insgesamt 4.841 Personalanfragen gegenüber.

Bedeutet das, dass bei Ihnen ein deutlicher Überschuss an IT-Fachpersonal herrscht?

Hank: Hier sollte man aufgrund unserer Erfahrung unterscheiden. Auf jede ausgeschriebene Stelle bekommen wir zirka 20 Bewerbungen. Allerdings muss man hier innerhalb der verschiedenen Skillbereiche differenzieren. Die höheren Skillbereiche – begehrte, spezialisierte Top-Spezialisten – sind sehr rar und werden überwiegend projektspezifisch eingesetzt. Die mittleren Skillbereiche sind die Bereiche, in denen die Mitarbeiter häufig von Kunden übernommen werden. Im unteren Skillbereich sind die Unternehmen oftmals nicht bereit, die Mitarbeiter selbst einzustellen, da aufgrund von wirtschaftlichen Notwendigkeiten Flexibilität im Vordergrund steht.

Wie schätzen Sie grundsätzlich die aktuelle Fachkräftesituation in der IT-Branche ein?

Hank: Die jüngste Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit deckt sich mit unseren Erfahrungswerten. Nach dieser Studie kommen auf 100 gemeldete Arbeitsstellen rechnerisch 106 arbeitslose IT-Experten (Stand Dezember 2012), ein denkbar knappes rechnerisches Überangebot, das jedoch die Panikmache über einen Fachkräftemangel der vergangenen Monate nicht ganz rechtfertigt. 78 Prozent der Teilnehmer an einer Online-Kurzumfrage von Gulp sind sogar der Meinung, dass in Deutschland kein IT-Fachkräftemangel herrscht.

Was aus Sicht von Hank die wahren Ursachen für manche vermeintliche Mangelsituation sein könnte und mehr über gefragte IT-Skills lesen Sie auf der nächsten Seite.

Was könnten aus Ihrer Sicht Ursachen für das Klagen über den Fachkräftemangel sein?

Hank: Wunsch und Wirklichkeit bei zu besetzenden Stellen klaffen hier weit auseinander. Gesucht werden IT-Experten zur Festanstellung mit 15 Jahren Berufserfahrung, die idealerweise erst 30 Jahre alt sind, einen lückenlosen Lebenslauf vorweisen können und exakt über die geforderten Kenntnisse verfügen. Bewerbungen werden häufig anhand von starren Bewertungskriterien geprüft, und der Mensch sowie seine eigentlichen Fähigkeiten bleiben unberücksichtigt. Erschwerend kommt hinzu, dass die wenigsten Unternehmen bereit sind, in die Qualifizierung von Mitarbeitern zu investieren. Oft wählen die Arbeitgeber dann den einfacheren Weg und setzten externe IT-Fachkräfte oder IT-Freiberufler ein. So bleiben interne Stellen oft lange unbesetzt, was den Eindruck entstehen lässt, dass ein akuter Fachkräftemangel herrscht.

Sie vermitteln sowohl IT-Freiberufler als auch Fachkräfte im Rahmen von klassischen Zeitarbeitsverträgen. Gibt es Unterschiede bezüglich einer Mangelsituation oder der Einschätzung von Arbeitsgebern bezüglich deren Eignung?

Hank: Im Bereich der freiberuflichen IT-Spezialisten und festangestellten Experten ist in den vergangenen Jahren ein Mangel entstanden. Hintergrund dessen ist, dass die einzelnen IT-Bereiche teilweise hochkomplex sind und eine hohe Spezialisierung erfordern, welche nicht durch die vorhandene Anzahl an Experten abgedeckt wird. IT-Fachkräfte, die wir im Rahmen der Zeitarbeit überlassen, sind neben Kollegen mit Berufserfahrung insbesondere auch Berufseinsteiger (mit guter Ausbildung), Quereinsteiger oder Wiedereinsteiger. Auf dem freien Markt haben sie es schwer, da in Personalabteilungen häufig nur auf Zeugnisse, Zertifikate und einschlägige Berufserfahrung geachtet wird. Das wiederum liegt daran, dass Personaler heutzutage oft Allrounder sind und offene Positionen in den verschiedensten Bereichen in ihrem Unternehmen besetzen müssen. Ein Spezialwissen in IT zu erwarten, ist hier zu viel verlangt.

Wird bestimmtes IT-Know-how derzeit stärker nachgefragt, als es IT-Experten gibt?

Hank: Ja, sicher. Die Nachfrage in den Bereichen IT-Anwendungsberatung sowie Softwareentwicklung und Programmierung ist besonders hoch. Ebenso sind IT-Experten für spezielle Bereiche wie beispielsweise SAP enorm gefragt.

Gibt es auch IT-Bereiche, in denen es doch mehr Fachkräfte als Arbeitsangebote gibt?

Hank: Gerade in den Bereichen unserer Kernkompetenz, wie PC-Techniker, Systemtechniker, Systemadministratoren, Mitarbeiter in User-Helpdesks et cetera, haben wir in aller Regel kein Problem, unseren Kunden passende Kandidaten anzubieten.

Welche IT-Skills sind denn bei Ihnen grundsätzlich besonders begehrt?

Hank: Bei den IT-Fachkräften haben wir seit vielen Jahren eine konstant hohe Nachfrage nach Mitarbeitern für den 1st- und 2nd-Level-Support, nach PC- und Systemtechnikern sowie Systemadministratoren und Service- oder Projektmanagern. Bei den freiberuflichen IT-Spezialisten werden aktuell vor allem Experten für SAP, Sharepoint, IT-Security und -Grundschutz gesucht.

Welche regionalen Unterschiede bei der Nachfrage gibt es?

Hank: Gerade in den oben genannten Bereichen werden in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen insgesamt mehr IT-Fachkräfte gesucht als in den restlichen Bundesländern.

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