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Serie: Alternative Cloud-Anbieter Warum Sie über die großen Drei hinausschauen sollten

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Es gibt attraktive Cloud-Optionen über das Angebot von AWS, Azure und GCP hinaus, und die werden immer beliebter. Nicht jeder Cloud-Service qualifiziert sich jedoch für professionelle Anwender.

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Es gibt attraktive Cloud-Optionen über das Angebot von AWS, Azure und GCP hinaus, und die werden immer beliebter.
Es gibt attraktive Cloud-Optionen über das Angebot von AWS, Azure und GCP hinaus, und die werden immer beliebter.
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Die Cloud ist zu einer Ware geworden, Leistungen kommen zunehmend von der Stange. Die meisten Cloud-Workloads in Unternehmen erfordern lediglich eine kleine Auswahl an Hardware - wie viele Unternehmen machen tatsächlich in Quanten Computing oder setzen KI-Trainings-Workloads in der Cloud um? Eben – nur die wenigsten. Es ist eine Tatsache, dass sehr viele Anwender lediglich einfache zentrale Cloud-Dienste benötigen, als da wären Compute-, Block- und Objektspeicher, CI/CD- und Testumgebungen, Backup- und Failover- und Risiko-Optionen für Hybrid- oder Multi-Cloud-Deployments.

Aus diesem Grund haben Analysten „alternative Cloud-Anbieter“ als legitimes und schnell wachsendes Segment des Cloud-Services-Marktes ausgemacht, das sich deutlich von den großen drei hyperskalierenden Public Cloud-Anbietern unterscheidet – Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP). Die Marktforscher von 451 Research zum Beispiel haben in ihren „Trends bei Managed Services und Hosting Report 2020“ fünf neue Stoßrichtungen beim Cloud Computing ausgemacht:

  • Trend 1: Die zunehmende Komplexität von Cloud-Infrastrukturen wird Unternehmen zu professionellen und verwalteten Cloud Services treiben.
  • Trend 2: Der Fachkräftemangel wird ein Haupthindernis für die effektive Nutzung der Cloud sein.
  • Trend 3: Die Navigation durch überlappende Partnerprogramme von Anbietern wird zu einer neuen Managed Services-Geschäft.
  • Trend 4: Der Kern der verwalteten Dienste wird stärker standardisiert und modularisiert werden.
  • Trend 5: Die Nachfrage nach Anbietern alternativer Cloud-Modelle wird anhalten und sogar steigen.

Multi-Cloud gibt alternativen Providern Rückenwind

Gehen wir auf den Trend Nummer 5 noch etwas näher ein: Laut der jüngsten Cloud-Prognose der International Data Corporation (IDC) werden die weltweiten Ausgaben für Cloud-Services, die Hardware- und Softwarekomponenten, die Cloud-Diensten zugrunde liegen, und die professionellen und Managed-Services-Möglichkeiten rund um Cloud-Services im Jahr 2024 glatt 1,0 Billionen Dollar übersteigen und gleichzeitig eine zweistellige jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 15,7 Prozent aufweisen. Von diesem Kuchen schneiden sich die hyperskalierende Public Clouds das größte Stück ab, keine Frage. Aber es gibt jedoch noch Raum für alternative Cloud-Anbieter, da Unternehmen zunehmend Multi Cloud-Strategien umsetzen. IDC geht davon aus, dass bereits im kommenden Jahr über 90 Prozent der Anwender gleich mehrere Cloud-Services und -Plattformen einsetzen.

Dafür kommen dann die alternativen Clouds zum Einsatz, die weitaus einfacher gestrickt sind als die Offerten der Hyperscaler. Wir sprechen von alternativen Cloud-Anbietern wie DigitalOcean, Linode oder Vultr, die mittlerweile in vielerlei Hinsicht auf Augenhöhe mit den großen Drei der Branche sind. Bis auf die Preise, die sind in der Regel niedriger. Dazu später mehr.

Sind die Rechenzentren der Hyperscaler besser?

Einer der Mythen über Hyperscaler lautet, dass nur sie mit ihren überlegenen Netzwerken und der entsprechenden Rechenzentrumshardware global agierende Unternehmen unterstützen können. Das ist natürlich nicht wahr, in keiner Hinsicht gibt es Unterschiede zwischen der Hardware auf den Racks alternativer Cloud-Anbieter und dem, was AWS und Co in seiner Regalen vorrätig hat. Die Rechenleistung ist im Grunde identisch.

Auch wenn es um globale Reichweite und Skalierbarkeit geht, können die alternativen Cloud-Anbieter locker mithalten. Auch die alternativen Cloud-Anbieter verfügen über umfangreiche globale Netzwerke, die eine ständige Verfügbarkeit über erstklassige Rechenzentren auf der ganzen Welt garantieren. Diese globalen Netzwerke sind in der Lage, massive Workloads zu skalieren, regionale Gesetze einzuhalten und einwandfrei orchestrierte Backups für das Disaster Recovery vorzuhalten. Sie sind in der Regel bereit, selbst die Anforderungen von Fortune 50-Unternehmen zu erfüllen.

Kern-Computing-Services für Unternehmen

Sicherlich entscheiden sich einige Anwender aus gutem Grund für AWS, Azure oder GCP – sie erhalten damit Zugriff auf Hunderte von Produkten. In der Regel werden nicht viele davon wirklich eingesetzt, so wie bereits eingangs erwähnt. Aber es kann einem ein gutes Gefühl geben, dass man die Tools für den Fall der Fälle zur Hand hat. In Wirklichkeit werden Spracherkennung, super-advanced Networking oder hochoptimierte Datenbankabfragen im Portfolio von AWS oder anderen Hyperscalern nur sehr selektiv eingesetzt.

Alternative Cloud-Anbieter fokussieren sich dagegen auf ihre Kernaufgabe. Sie können die für die meisten Unternehmens-Workloads erforderliche Infrastrukturen maßstabsgetreu und hochqualitativ abbilden – Dinge wie Server, Datenbanken, Bare Metal, Kubernetes und andere „Hardcore“-Infrastrukturkomponenten. Da sind sie versiert, das genügt 90 Prozent der Anwender auch vollauf.

Extras schließen Anwender ein

Es gibt auch einen sehr gewichtigen Grund, auf ausgefeilte Zusatzfunktionen und -tools zu verzichten, wie sie sich im Portfolio der großen Drei finden: Deren Nutzung schließt den Anwender in nicht wenigen Fällen in das Angebot ein. Dabei wären die meisten dieser speziellen Services auch über Dritte verfügbar, viele von ihnen quelloffen. Das ist in der Regel viel billiger und vermeidet den Lock-in. Dieser wird generell durch eine ausgesprochene Open-Source-Strategie vermieden, gerade Linode setzt stark auf diesen Trumpf.

Verringerte Komplexität wirkt sich auf Performance aus

Alternative Cloud-Anbieter konzentrieren sich also aus gutem Grund auf die Bereitstellung von Kernfunktionen, anstatt Hunderte von proprietären Diensten anzubieten. Laut 451 Research ist die Einfachheit von alternativen Cloud-Angeboten ihr größter Vorteil. Sie sorgt dafür, dass Entwickler, die keinen Zugriff auf die gesamte Suite erweiterter Cloud-Funktionen benötigen und Preis, Leistung und Zugriff auf ein Niveau des technischen Supports priorisieren, ihre Anwendungen schnell bereitstellen können. Dasselbe gilt für kleine und mittlere Unternehmen, die in der Regel nur über ein kleines technisches Team verfügen. Dieses Team kann sich dank der geringen Komplexität darauf konzentrieren, die Arbeit zu erledigen, statt sich in unübersichtlichen Optionen zu verlieren.

Ein unbestreitbarer Kostenvorteil

Die Quintessenz für die Entscheidung für alternative Cloud-Angebote ist jedoch, wie fast immer, der Preis. Durch die Fokussierung auf Kerndienste können alternative Cloud-Anbieter Entwicklern und KMUs in der Regel die gleiche oder bessere Leistung zu einem viel niedrigeren Preis bieten. Blair Lyon, Vice President of Marketing bei Linode, geht davon aus, dass in den meisten Fällen mehr als die Hälfte der Infrastrukturkosten gespart werden könnten, würden Anwender nur alternative Offerten wahrnehmen. Lyon verweist auf den Preisrechner seiner Firma sowie den direkten Vergleich zu AWS-Kosten.

Finger weg von unprofessionellen Klitschen

Wenn Sie bereit sind, Alternativen zu den drei großen Hyperscalern in Betracht zu ziehen, sollten sie folgende Punkte beherzigen: Stellen Sie zunächst sicher, dass die in Frage kommenden Anbieter hohe Netzwerkqualifikationen erfüllen. Verfügt er auch über ein Rechenzentrum in Ihrem Teil der Welt? Dann graben Sie ein wenig tiefer. Nicht alle alternativen Cloud-Anbieter sind gleich. Sie sollten sich für einen Provider entscheiden, der Erfolge (in Form von Anwenderberichten), einen außergewöhnlichen Service, überzeugenden Support, transparente und erschwingliche Preise und kein Lock-in bietet. Schon die Website eines Anbieters ist sehr aufschlussreich: Hat er sich nicht mal die Mühe gemacht, Sie in Ihrer Muttersprache anzureden, lassen Sie die Finger weg! Dann wird er sich auch sonst kaum Mühe geben, Sie und Ihre Workloads erfolgreich zu machen.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist