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Agiler, sicherer, günstiger Warum Kernbankensysteme in die Cloud gehören

Autor / Redakteur: Eelco-Jan Boonstra* / Elke Witmer-Goßner

Neben starker staatlicher Regulierung sehen sich Banken derzeit noch mit einer anderen Herausforderung konfrontiert: Durch die fortschreitende Digitalisierung von Bankdienstleistungen kommt Konkurrenz nicht nur aus der eigenen Branche, sondern auch von Technologie-Unternehmen.

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Finanzinstitute gehen mit cloud-basierten Bankinglösungen hinsichtlich Sicherheit und der Erfüllung der Regularien ein geringes Risiko ein.
Finanzinstitute gehen mit cloud-basierten Bankinglösungen hinsichtlich Sicherheit und der Erfüllung der Regularien ein geringes Risiko ein.
(Bild: © ra2 studio - stock.adobe.com)

Dementsprechend groß ist der Druck, durch Transformation nachzuziehen. So schätzt McKinsey, dass die Gewinne der traditionellen Finanzinstitutionen bis 2025 um bis zu 60 Prozent zurückgehen werden, wenn die Anbieter sich nicht wandeln und weiterentwickeln. Doch traditionelle Finanzinstitute stecken in ihren alten Mustern – namentlich Kernbankensystemen. Doch welche Möglichkeiten haben Banken also, wenn ihre Technologien nicht mehr den Anforderungen des Marktes genügen?

Abwarten oder handeln?

Bei der Entscheidung über ihr Kernbankensystem stehen Banken zunächst vier Optionen offen. Die naheliegendste und bequemste ist es, weiterhin auf das funktionierende Legacy-System zu setzen und kein Risiko einzugehen. Dabei ist dieser mangelnde Veränderungswille das größte Risiko, das ein Finanzinstitut eingehen kann. Denn die Konkurrenz schläft nicht und lockt Kunden mit innovativeren und günstigeren Angeboten. Wenn Banken den Absprung zur Veränderung verpassen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Challenger ihnen den Rang ablaufen.

Ein „Einkauf“ von Innovation durch die Übernahme einer Challenger-Bank bringt zwar Vorteile mit sich, aber auch eine Reihe von Herausforderungen. Die Anzahl geeigneter Kandidaten ist begrenzt – und diese sind sehr gefragt und daher keine günstige Investition. Zudem muss die eingekaufte Technologie zum eigenen Geschäftsmodell passen und unterschiedliche Vorstellungen sowie Kulturen unter einen Hut gebracht werden.

Ein vollständiges Ersetzen alter Technologien durch ein völlig neues System mag wie die innovativste Vorgehensweise erscheinen. Doch das ist ein Trugschluss – denn auch diese Lösung wird innerhalb weniger Jahre zu einem Legacy-System werden, wenn sie zu starr ist, um einzelne Komponenten auszutauschen. Langfristig kommen also hohe Kosten auf Banken zu. Darüber hinaus birgt jede Komplett-Implementierung ein erhebliches Risiko.

Veränderung ja, aber step by step

Stattdessen ist der Schlüssel ein schrittweiser Systemwechsel. Dieser lässt sich durch eine Cloud-Lösung realisieren. Dabei werden Bestandteile der bestehenden Architektur präzise ausgetauscht. Für einzelne Geschäftsbereiche wird dabei ein neuer Technologiestack entwickelt, welcher zum einen eine bessere Funktionalität gegenüber der angestammten Lösung bietet, zum anderen leichter in bestehende Systeme zu integrieren ist.

Es besteht die Möglichkeit, einen Spin-off zu entwickeln, der mit einer neuen Identität, neuen Prozessen und einer neuen Bankkonzession unabhängig betrieben werden kann. Auf diese Weise können Banken Modelle und Strategien testen und sie dann in einem kontrollierten Umfeld implementieren. So entstehen Produkte, die Kunden wirklich möchten und brauchen.

Unterschiede von Cloud-Lösungen zu traditionellen Kernbankensystemen

Eine Bankingplattform mit Cloud-Kern unterscheidet sich in mehreren Aspekten grundlegend von einem traditionellen Kernbankensystem. So steht hinter einer Cloud-Plattform das Ziel, ein möglichst schlankes, universelles Kernbankensystem zu schaffen, das einer Vielzahl von Anwendungsfällen gewachsen ist. Zudem erleichtert der geringe Umfang die Implementierung. Dagegen gilt bei einer herkömmlichen Bankinglösung „mehr ist mehr“: Da man den Kunden eine Vielzahl von Services anbieten möchte, wird das System schwerfällig und teuer.

Auch in punkto Nutzererlebnis ist eine Cloud-Lösung zu bevorzugen. Durch nahtlose, regelmäßige Updates auf wöchentlicher oder sogar täglicher Basis können Services beständig weiterentwickelt werden – und das, ohne dass der Kunde negative Konsequenzen wie Systemausfälle mitbekommt. Dieses Risiko ist bei Legacy-Systemen bedeutend höher. Die nötigen Vermeidungsmaßnahmen sind kostenintensiv und werden oft durch Servicegebühren auf die Kunden abgewälzt. Warum sollten diese also nicht zu einem dynamischeren Anbieter wechseln?

Zuletzt unterscheidet sich die Preisgestaltung bei Cloud-Plattformen grundlegend. Der Preis einer solchen Lösung richtet sich nach dem Umfang der in Anspruch genommenen Dienstleistungen. Von Natur aus ist ein Cloud-Kern skalierbar. Dagegen zahlen Banken bei traditionellen Kernbankensystemen für zahlreiche Lizenzen, Wartung und professionelle Services – und das für ein unflexibles System, das möglicherweise bereits in ein paar Jahren ausgedient hat.

Vorteile einer Cloud-Lösung

Nur eine Cloud-Lösung bietet Finanzinstituten wahre Agilität. Produkte und Services lassen sich in sicherer Umgebung schnell neu konfigurieren – je nach Marktlage und regulatorischen Anforderungen. So verkürzt sich die Markteinführungszeit neuer Bankinglösungen erheblich und die Risiken sowie Kosten einer Neueinführung werden gesenkt. Banken können selbst aktiv eine Entwicklung vorgeben, anstatt von dieser überrascht zu werden.

Zudem ist eine Cloud-Lösung von Natur aus skalierbar. Ressourcen müssen nicht dauerhaft inhouse bereitgestellt werden, sondern werden flexibel nach Bedarf hinzugebucht (pay-as-you-use). Dadurch werden Fixkosten minimiert. Das gibt Banken große Flexibilität, denn sie müssen ihre Strategien nicht mehr langfristig nach diesen Gesichtspunkten planen. Selbst auf kurzfristige Nachfrageveränderungen können sie agil reagieren.

Trotz all dieser Vorteile ist die Skepsis gegenüber einer Cloud-Migration groß, zu tief verankert sind die Sicherheitsbedenken. Darüber hinaus müssen Banken eine Reihe von regulatorischen Anforderungen umsetzen. Zum Beispiel muss sichergestellt sein, dass keine Daten in Länder außerhalb der EU gelangen. Der Schlüssel dazu: Anbieter von Bankinglösungen und Cloud-Provider müssen Finanzinstitute in die Lage versetzen, jederzeit die Kontrolle über die ausgelagerten Dienstleistungen zu behalten.

Mehr Sicherheit in der Cloud

Ist diese Transparenz gegeben, profitieren Banken bei Cloud-Anbietern von den stabilsten und sichersten Technologien. Denn die Dienstleister sind ihrerseits starker Konkurrenz unterworfen und investieren intensiv, um Compliance und Datensicherheit für all ihre Kunden zu gewährleisten. Einen so umfangreichen und vergleichsweise kostengünstigen Schutz können wenige Banken mit einer On-Premises-Software leisten. Mit der Wahl einer cloud-agnostischen Bankingplattform steht Banken sogar die Möglichkeit offen, den Cloud-Anbieter zu wechseln, sollte die Verletzung von Datenschutzrichtlinien drohen.

Eelco-Jan Boonstra, Mambu GmbH.
Eelco-Jan Boonstra, Mambu GmbH.
(Bild: Mambu)

* Der Autor Eelco-Jan Boonstra leitet bei Mambu das schnell wachsende EMEA-Team. Sein Fokus liegt darauf, die Dynamik in der Region zu nutzen, um gemeinsam mit dem Team das Wachstum voranzutreiben, das Partner-Ökosystem zu erweitern und Key Accounts zu leiten. Mit 20 Jahren Erfahrung im Technologiesektor ist er ein erfahrener Wachstumsprofi. Das 2011 in Berlin gegründete Fintech-Start-up Mambu, mit der Vision, moderne Finanzdienstleistungen für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, ist globaler Anbieter einer SaaS-Bankingplattform.

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