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Flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten Warum die Public Cloud wichtiger denn je ist

| Autor / Redakteur: Wolfgang Huber* / Elke Witmer-Goßner

Veränderung ist Teil des Lebens. Doch das Tempo des Wandels war in den vergangenen Monaten wohl höher als jemals zuvor. So nutzen Unternehmen im Zuge der COVID-19-Pandemie zunehmend Public Cloud Services, um eine größere Flexibilität zu erreichen.

In den letzten Monaten haben viele Unternehmen ihre IT verändern müssen und Technik-Strategien neu bewertet, wobei Public-Cloud-Services an Attraktivität gewonnen haben.
In den letzten Monaten haben viele Unternehmen ihre IT verändern müssen und Technik-Strategien neu bewertet, wobei Public-Cloud-Services an Attraktivität gewonnen haben.
(Bild: © Mediaparts - stock.adobe.com)

Die Auswirkungen der COVID-19-Krise werden noch in Jahren zu spüren sein. Doch schon jetzt lassen sich einige Veränderungen in der IT-Branche beobachten, die wohl langfristig bestehen bleiben. Dazu zählt insbesondere der steigende Einsatz der Public Cloud. Vor allem in Deutschland haben Unternehmen lange Zeit damit gezögert. Zwar hatte sich deren Einstellung schon vor der Pandemie geändert, da fast alle Unternehmen, auch im Finanzsektor, bereits irgendeine Art von Cloud-Angebot nutzten. Aber nun vollzieht sich die Migration von Daten und Anwendungen in die Public Cloud in rasantem Tempo.

Denn die IT-Abteilungen von Unternehmen versuchen damit die Probleme herkömmlicher Rechenzentren zu überwinden. Diese entstehen durch physische Zugangsbeschränkungen sowie durch Hardware-Probleme aufgrund von Lieferschwierigkeiten der Anbieter. Doch Unternehmen können sich eine reduzierte Performance oder gar Ausfallzeiten aufgrund fehlender Kapazitäten nicht leisten, da sie Umsatz und Reputation kosten.

Homeoffice wird Standard

Diese Herausforderung wurde durch eine schnelle und weitgehende Umstellung auf Homeoffice verschärft. Zwar hatten viele Unternehmen bereits vorher damit begonnen, Arbeitsmöglichkeiten für zu Hause bereitzustellen. Doch dies war nur für einen Teil der Mitarbeiter oder nur als Ausnahmefall gedacht. So mussten in wenigen Wochen zusätzliche Kapazitäten aufgebaut werden, um alle Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice zu unterstützen. Zudem erhöhte sich damit die Gefahr durch Ransomware oder andere Schadprogramme, da einerseits Mitarbeiter zu Hause oft unvorsichtiger agieren als im Büro und andererseits die Systeme meist weniger gut abgesichert sind.

Die Infrastruktur basiert meist weiterhin auf physischen Rechenzentren. Dadurch entstehen nun neue Probleme, vor allem beim Gesundheits- und Arbeitsschutz vor Ort. So führte ein US-amerikanischer Co-Location-Anbieter an seinen Rechenzentrumsstandorten soziale Distanzierungsmaßnahmen wie eine begrenzte Zahl von Anwesenden ein. Andere schlossen den Zugang zu ihren Standorten ganz.

Aber was geschieht bei einem Hardware-Fehler? Einige Co-Location-Anbieter führen Wartung und Reparaturen selbst durch, andere geben Kunden Termine und fordern Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe, Desinfizierung und weitere Maßnahmen. Sowohl für die Anbieter als auch Kunden bedeutet dies einen erheblichen Mehraufwand bei gleichzeitig erhöhter Ansteckungsgefahr. Immerhin wurde in Deutschland der Bereich Datacenter und Hosting in die Liste der Branchenarbeitskreise kritischer Infrastrukturen aufgenommen, wodurch er einen Sonderstatus bei der Business Continuity erhält.

Verstärkte Geschäftstransformation

Bereits vor der Pandemie ermittelte eine Studie von Canalys, dass sich der Trend zur Zunahme von Anwendungen in Public-Cloud-Umgebungen in den nächsten fünf Jahren fortsetzen wird. Auf dem Markt für Cloud-Infrastrukturdienste sollten die Ausgaben allein im Jahr 2020 um 32 Prozent auf 141 Milliarden US-Dollar steigen.

Laut einer nicht repräsentativen Umfrage unter IT-Entscheidungsträgern bei Unternehmen mit überwiegend eigener Infrastruktur hat der eingeschränkte Zugang zu Rechenzentren und Verzögerungen bei der Lieferung von Hardware zu einem Umdenken bei IT-Teams und Geschäftsleitung geführt. Mehr als die Hälfte der 30 Befragten wollen demnach die Public Cloud erstmals produktiv nutzen. Der häufigste Anwendungsfall, der dafür in Betracht gezogen wird, ist die Datensicherung. Dabei geben die Teilnehmer an, dass sie die IT-Strategie nicht rückgängig machen, sobald der „Normalzustand“ wieder eintritt. Das bedeutet, die beschleunigte Cloud-Migration ist für viele Unternehmen eine langfristige Maßnahme.

Den Boom für Cloud-Dienste belegen auch die aktuellen Zahlen der Provider. So ist der Cloud-Umsatz von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, im ersten Quartal um 52 Prozent gestiegen. Dazu gehören sowohl die Google Cloud Platform (GCP) als auch die G-Suite. Ein europäischer Anbieter von Cloud-Diensten hat die Kapazität seiner Rechenzentren von rund 700 Servern auf mehr als 1.200 fast verdoppelt.

XaaS-Nachfrage steigt

Derzeit findet die IT-Transformation vor allem im IT-Betrieb statt. Doch die Anbieter von Cloud-Diensten rechnen mit weiteren Projekten, sobald die Wirtschaft wieder anspringt. Moderne Service-Lösungen für Cybersicherheit, Zusammenarbeit und Datenmanagement, die seit einigen Jahren auf der „To-Do“-Liste der Unternehmens-IT stehen, werden wahrscheinlich eingeführt.

Gemäß einer weiteren Studie von Canalys weisen Lösungen für Cybersicherheit und Rechenzentren in den kommenden Jahren die höchsten Wachstumsraten bei Managed Services auf. Schließlich wird Remote Working bleiben und die Daten müssen sicher gespeichert werden. Zudem lassen sich die Kapitalkosten in günstigere und besser kalkulierbare Betriebskosten verlagern.

Die Nachfrage dafür steigt auch, weil die Kunden mit der zunehmenden IT-Komplexität sowie mit einem Mangel an Fachkräften und internen Ressourcen kämpfen. IT-Reseller bieten eine breite Palette von Managed Services an, darunter Remote-Backup, Disaster Recovery, Netzwerk- und Systemverwaltung sowie IT-Helpdesks. So verkaufen Partner immer mehr Rechenzentrumsprodukte und IT-Orchestrierung im Rahmen eines Managed-Services-Vertrags.

Gerade im Zuge der Corona-Pandemie verstehen Unternehmen den Mehrwert von As-a-Service-Angeboten. Dabei erwarten sie „Everything-as-a-Service“ mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis in Kombination mit hoher Benutzerfreundlichkeit. So werden immer mehr Daten in die Cloud wandern und dort orts- und geräteunabhängig flexibel verfügbar sein. Doch der Management-Aufwand lässt sich dann nur noch mit Hilfe von Service-Angeboten und zuverlässigen Partnern bewältigen.

Ein Gutes hat es dann doch

Eine Pandemie war zwar nicht das erwartete Szenario, von dem Experten und Marktbeobachter dachten, dass es wahrscheinlich zu einer Neubewertung der IT-Infrastruktur von Unternehmen führen würde.

Wolfgang Huber, Cohesity.
Wolfgang Huber, Cohesity.
(Bild: Cohesity)

Aber gerade dadurch überdenken viele Unternehmen den Bedarf an eigenen Rechenzentren. Die höhere Flexibilität für Anwender, die bedarfsgerechte Skalierbarkeit der Ressourcen, die Senkung der Gesamtbetriebskosten und die minimalen Wartungsanforderungen sind der Business Case, mit dem IT-Leiter die Zustimmung der Geschäftsleitung für die verstärkte Migration in die Public Cloud erhalten.

* Der Autor Wolfgang Huber ist Regional Director Central Europe bei Cohesity.

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