Hoher Technologisierungsgrad, kurze Innovationszyklen Warum die Automobilbranche mit Hybrid Clouds am besten fährt

Autor / Redakteur: Umashankar Lakshmipathy* / Elke Witmer-Goßner

Die Automobilbranche wird aktuell mit dem Zusammenwirken verschiedener makroökonomischer Faktoren und technologischer Innovationen konfrontiert. Fahrzeuge werden zunehmend autonomer und vernetzter – und müssen deshalb anders produziert werden als herkömmliche Wagen.

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Autos sind inzwischen rollende Computer, die KI, Machine Learning und Big Data für die Kontrolle der Fahrsysteme nutzen – das hat auch Auswirkungen auf die Produktionsprozesse.
Autos sind inzwischen rollende Computer, die KI, Machine Learning und Big Data für die Kontrolle der Fahrsysteme nutzen – das hat auch Auswirkungen auf die Produktionsprozesse.
(Bild: © metamorworks – stock.adobe.com)

Vor einiger Zeit wurden Navigationssysteme beispielsweise als standardmäßige Fahrzeugkomponente von OEMs an Zulieferer ausgelagert. Diese Komponenten wurden dann mit Modulen wie Radio, CD-Player etc. anderer Lieferanten in das Fahrzeug eingebaut. Mittlerweile sind diese Systeme jedoch ein fester Bestandteil der kritischen Infotainment-Systeme. Diese machen das Fahrzeug smart und heben die Anwendererfahrung auf eine neue Stufe. Infolgedessen legen OEMs immer mehr Wert auf Standards, die den besten Qualitäts-, Nutzbarkeits- und Leistungskriterien entsprechen und die ihr Lieferanten-Pool einhalten muss.

Die aktuellen Fahrzeuge verfügen über mehr als 100 Millionen Zeilen an Software-Code, um anspruchsvolle Funktionen wie hohe Kraftstoffeffizienz und Leistung bei niedrigen Emissionen zu ermöglichen. Je mehr diese Technologien zum Mainstream werden, umso mehr verschwimmen die Grenzen zwischen der Automobil- und der Technologiebranche: Unter anderem wagen Unternehmen wie Google erste Schritte im Automobilsektor. Die Folge: Der Wettbewerb wird härter, denn die neuen Player sind kürzere Innovationszyklen gewohnt als die Automobil-Industrie bisher nötig hatte. Der steigende Konkurrenzdruck führt zu mehr Innovationen und kürzeren Markteinführungszeiträumen für neue Fahrzeugmodelle.

Darüber hinaus beschleunigt COVID-19 den Bedarf an flexibler und agiler IT-Infrastruktur. Sie ermöglicht es, den Mitarbeitern remote zu arbeiten, dem Händlernetzwerk eines Unternehmens smarter und digitaler zu agieren sowie Anwender besser zu adressieren. Um das neue Normal in der Automobilbranche zu unterstützen, benötigen OEMs eine Hybrid-Cloud-Strategie für mehr Flexibilität und Agilität.

Ein starker hybrider Cloud-Backbone

Da Entwicklungszyklen immer kürzer werden, muss die komplette IT-Infrastruktur modernste Forschungs- und Entwicklungspraktiken unterstützen, darunter Simulationen, Open-Source- bzw. Open-Standard-Software, API-Architektur, agile Prozesse und eine cloud-basierte Infrastruktur. Ein solider Technologie-Backbone ist die Grundlage für Automobilunternehmen, die effizienter arbeiten und Innovationen in Hochgeschwindigkeit entwickeln möchten. Die IT muss fehlerfrei laufen und von jedem Ort aus zugänglich sein, damit Produktionsstätten im 24x7-Betrieb fertigen können.

Noch wichtiger ist die Sicherung des geistigen Eigentums (Intellectual Property - IP) und der Kundendaten. Die IT-Infrastruktur sollte es der Organisation ermöglichen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren sowie ihre Geschäftsziele zu erreichen. Eine cloud-basierte Infrastruktur trägt dazu bei, diese Anforderungen zu erfüllen. Laut des Infosys Cloud Survey für Fertigungsunternehmen erwarten Hersteller von ihren Cloud-Programmen Ergebnisse wie eine standardisierte und integrierte Technologielandschaft, eine verkürzte Produkteinführungszeit sowie eine verbesserte unternehmensweite Mobilität und Zusammenarbeit.

Da Differenzierung und neue Merkmale wichtige Wettbewerbsvorteile für Automobilhersteller sind, spielt das geistige Eigentum eine signifikante Rolle. Im Jahr 2018 wurden beim Europäischen Patentamt 11.044 Patente im Automobilsektor angemeldet. Üblicherweise halten Automobilhersteller ihre Forschungs- und Innovationsbemühungen streng geheim. Daher ist es verständlich, dass sie nur ungern ihre Daten über eine Public-Cloud-Infrastruktur speichern wollen. Allerdings erfordert die Automobilproduktion auch ein hohes Maß an Zusammenarbeit und Datenaustausch zwischen Zulieferern, Händlern und Drittanbietern – praktisch über die gesamte Lieferkette hinweg. In den meisten Fällen ist eine Public-Cloud-Infrastruktur am besten geeignet, um diesen Austausch zu erreichen.

Hybride Cloud für mehr Flexibilität

Aber angesichts dieser unterschiedlichen Anforderungen eignet sich eine Hybrid-Cloud-Strategie am besten für diese Branche – hier können Anwendungen je nach Bedarf on-premises (Private Cloud) und in die Public Cloud verschoben werden. Eine Kombination aus globalen Private-Cloud-Rechenzentren, Edge-Systemen für den Einsatz in Werken bzw. Fertigungseinrichtungen und Public Clouds ermöglicht gepaart mit der Leistungsfähigkeit eines SMART-Netzwerks einen optimalen und effizienten Betrieb.

Eine hybride Cloud-Infrastruktur bringt Automobilunternehmen folgende Vorteile:

  • Verbesserte Kommunikation: Die Cloud-Infrastruktur erleichtert eine bessere Kommunikation zwischen Lieferanten, OMEs und Händlern – und ermöglicht so ein besseres Kundenerlebnis. So erfasst die Cloud beispielsweise Händler-Feedback in Echtzeit und bietet dadurch eine effektive Vertriebsplanung und -prognose. Darüber hinaus unterstützt die Cloud dabei, Fertigung, Teileexporte und Lieferung aufeinander abzustimmen, um eine optimale Lieferzeit für die Kunden zu gewährleisten.
  • Vereinfachtes Projekt-Management: Die Cloud zeigt die „Single Source of Truth“ in einer einzigen Ansicht, da die Daten nur an einem Ort gespeichert werden und nicht in verschiedenen Versionen auf verschiedenen Geräten. Außerdem sind die Daten weltweit über einen sicheren Kanal remote zugänglich. Diese Funktionen erleichtern das Projektmanagement, da Redundanzen und Wissenslücken beseitigt werden. Dies wiederum steigert die Produktivität erheblich und beschleunigt Innovationen.
  • Einfacheres Tracking für konsistente Produktqualität: Jedes Automobil besteht aus Tausenden von Einzelteilen. Das Tracking der Qualität dieser Teile über den Herstellungsprozess hinweg ist eine mühsame und zeitaufwändige Aufgabe, wenn sie ohne jeglichen technologischen Eingriff durchgeführt wird. Intelligente Fertigungspraktiken, die digitale Technologien nutzen, vereinfachen das Qualitätsmanagement durch einfache Nachverfolgung.

Honda Car India ist ein großartiges Beispiel für den letzten Punkt. Das Unternehmen entwarf und implementierte ein Qualitätskontroll-Informationssystem mit dem Ziel, Mängel in Echtzeit zu identifizieren und die Qualität der Lieferung von Fahrzeugen an Kunden sicherzustellen. Dies brachte nicht nur digitale Technologie in die Werkstatt, sondern veränderte auch die Art und Weise, wie Honda-Mitarbeiter mit der Technologie interagieren und auf sie reagieren. Außerdem trug es dazu bei, die Rückverfolgbarkeit von End-zu-End-Teilen zu ermöglichen und so den manuellen Aufwand erheblich zu reduzieren.

Die Cloud hilft im schnellen Markt

Umashankar Lakshmipathy, Infosys.
Umashankar Lakshmipathy, Infosys.
(Bild: Infosys)

Im Zuge der europäischen Entwicklung hin zu emissionsfreien Autos und Elektrofahrzeugen versuchen die Hersteller, neue Modelle mit innovativen Merkmalen einzuführen. Dies treibt zwangsläufig die Einführung von Cloud-Lösungen voran. Eine aktuelle Studie von Markets and Markets zeigt, dass der europäische Markt für cloud-basierte Lösungen im Automobilbereich stetig wächst, da die meisten Fahrzeuge mit hochwertigen Unterhaltungs- und Sicherheitsfunktionen ausgestattet sind.

* Der Autor Umashankar Lakshmipathy ist Senior Vice President and Regional Head - EMEA bei Infosys.

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