Mehrheit der Unternehmen kämpft mit Veränderungsmüdigkeit Wachsende interne Spannungen in Deutschlands Unternehmen

Von Bernhard Lück 2 min Lesedauer

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Laut einer aktuellen Studie von FTI Consulting und der Quadriga Hochschule Berlin leidet ein Großteil der deutschen Unternehmen unter erheblichen internen Belastungen – Vertrauensverlust und Zukunftsängste gefährden die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit ganzer Organisationen.

Susanne Arndt von FTI Consulting sieht das Fundament vieler Organisationen angesichts von Veränderungsmüdigkeit und Vertrauensverlust ernsthaft in Gefahr.(Bild:  AndiWerner.com)
Susanne Arndt von FTI Consulting sieht das Fundament vieler Organisationen angesichts von Veränderungsmüdigkeit und Vertrauensverlust ernsthaft in Gefahr.
(Bild: AndiWerner.com)

Im Rahmen der „Communications Heatmap 2025“ wurden 600 Verantwortliche für Unternehmenskommunikation aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Das Ergebnis ist deutlich: 85 Prozent der Befragten berichten von akuter Veränderungsmüdigkeit in ihren Belegschaften, 81 Prozent nennen wachsende Zukunftsängste und 77 Prozent einen spürbaren Vertrauensverlust. Ergänzt wurden die quantitativen Daten durch qualitative Interviews mit Top-Führungskräften. Wissenschaftlich begleitet hat die Untersuchung Prof. Dr. René Seidenglanz, Präsident der Quadriga Hochschule Berlin.

Mehr Transparenz – aber selektiv

Viele Unternehmen haben die Belastung ihrer Mitarbeitenden nach eigenen Angaben erkannt: 77 Prozent wollen Entscheidungen transparenter kommunizieren, 67 Prozent planen eine Intensivierung der internen Kommunikation. Laut Susanne Arndt, Senior Managing Director Strategic Communications bei FTI Consulting, greife dieser Ansatz aber nur unter einer Bedingung: „Transparenz bedeutet nicht, jedes Detail auszuschütten. Wer Kommunikation mit Informationsflut verwechselt, riskiert, dass Mitarbeitende nur noch abschalten.“

Die qualitativen Interviews der Studie bestätigen diesen Befund: Viele Beschäftigte fühlten sich von Veränderungen „überrollt“ und zögen sich innerlich zurück. Besonders ausgeprägt sei diese Tendenz in großen Organisationen.

Führungskräfte als zentrale Kommunikatoren

Zwei Drittel der Befragten (66 %) sehen Führungskräfte und interne Meinungsbildner – etwa Betriebsräte oder langjährige Mitarbeitende – als die wichtigsten Botschafter in Veränderungsprozessen. Direkten Vorgesetzten wird dabei ein besonderer Vertrauensvorsprung zugeschrieben. 43 Prozent positionieren darüber hinaus den CEO explizit als Stabilisator.

Als problematisch gilt laut Studie, dass viele Führungskräfte in sogenannte Loyalitätskonflikte geraten: Sie sollen Botschaften weitertragen, die sie selbst nicht vollständig verstehen oder mittragen. Arndt zufolge gefährde das die gesamte Veränderungskommunikation.

Auch Wertekommunikation werde zunehmend zum Risikofaktor: 54 Prozent der Befragten berichten von internen Konflikten, wenn Haltung eingefordert wird; 37 Prozent sehen darin ein ernstes Risiko für den Zusammenhalt im Unternehmen.

Dialog statt Sendebetrieb

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Viele Organisationen setzen weiterhin stark auf klassische Senderformate, während echte Rückkanäle unterentwickelt bleiben. 77 Prozent der Befragten betonen zwar die Notwendigkeit einer Dialog- und Feedbackkultur, doch in der Praxis konzentrieren sich lediglich 43 Prozent tatsächlich auf wenige kommunikative Kernthemen.

Die Studienautoren empfehlen drei Maßnahmen: eine konsequente Reduktion der kommunizierten Themen zur Orientierungsstiftung, mehr Ehrlichkeit im Umgang mit Unsicherheiten sowie eine stärkere Verankerung von Botschaften im direkten Gespräch – im Team, in der Filiale oder im Werk. Neue Kommunikationskanäle seien dabei nicht gefragt; vielmehr gehe es darum, bestehende Kanäle inhaltlich anders zu nutzen.

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