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Open Source-Anbieter Univention auf dem Weg in die Cloud Univention: UCS soll auch Cloud-Plattform werden

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Florian Karlstetter

Lange Zeit haben Open-Source-Anbieter nicht recht gewusst, wie sie Cloud Computing angehen sollen. Inzwischen geht es Volldampf voraus. Ein gutes Beispiel dafür ist der Bremer Enterprise-Linux-Anbieter Univention.

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10 Jahre Univention - Grund zum Feiern auf dem Univention Partner Summit. (Bild: Univention)
10 Jahre Univention - Grund zum Feiern auf dem Univention Partner Summit. (Bild: Univention)

Die größte Überraschung hatte Univention sich für kurz vor Ende des Partnertreffens am 19. Januar 2012 aufgehoben: Univention ändert das Preismodell, und zwar so, dass dem Anbieter wohl einige Einnahmen entgehen werden. Lizenzgebühren werden in den meisten Szenarien für die an den Univention Corporate Server (UCS) angeschlossenen Clients, bisher waren es je nach deren Anzahl 15 bis 20 Euro pro Jahr, künftig nicht mehr fällig. Nur UCS kostet pro Jahr und physikalischen Server, in der Regel sind zwei davon nötig, 290 Euro, einschließlich unbeschränkter Nutzung der Virtualisierungsfunktionen und des Managementsystems.

Es liegt auf der Hand, was Univention damit erreichen will: Das Debian-Linux-basierende UCS soll eine führende Rolle als Plattform im Cloud Computing bekommen. Denn der Verzicht auf die Client-Lizenzen macht die Abrechnung der Nutzerzugriffe in Cloud-Umgebungen obsolet, Preismodelle lassen sich höchst simpel gestalten. Das gilt für Private oder Corporate Clouds ebenso wie für Public Clouds. Univention setzt darauf, rasant mehr UCS-Server-Lizenzen „in den Wolken“ verkaufen zu können.

UCS als Basis für Cloud Computing

Dass Univention massiv in die Cloud drängt, hatte sich angekündigt. Im Dezember letzten Jahres hat das Unternehmen UCS 3.0 freigegeben. Diese Version ist in ihrem Kern radikal überarbeitet und von einigen überholten Techniken befreit worden. Das war notwendig, um UCS zu einer Basis für Cloud Computing zu machen. Univention rechnet sich gute Chancen aus, genau zehn Jahre nach Gründung des Unternehmens in einem völlig neuen Markt zu reüssieren.

Der klassische Markt des On-premise-Computing wird allerdings nicht aufgegeben. Denn auf absehbare Zeit werde es einen Nutzungsmix von lokaler IT sowie Private und Public Cloud geben, meint Univention-Gründer und -Chef Peter Ganten. Daraus folgt die neue Ausrichtung: „Unser Schwerpunkt wird die Integration von On-premise und Cloud.“ Mit UCS 3.0, zu dem ein User- und Rechte-Management gehört, sollen die IT-Stäbe die Nutzung lokaler IT ebenso steuern können wie die von Cloud-Services.

Dem obersten Open-Source-Prinzip, Offenheit, bleibt Univention treu. „Wir möchten Anwender nicht auf einen bestimmten Weg in die Cloud festnageln; schließlich soll Open Source verschiedene Wege öffnen und keine versperren“, erklärt Ganten. „Deshalb bieten wir eine zentrale und einfach handhabbare Integrations- und Management-Plattform an, mit der Kunden auch dann noch die Kontrolle behalten, wenn sie Teile ihrer IT im eigenen Haus und andere bei Cloud-Providern betreiben. Das schließt auch die Möglichkeit zur einfachen Migration zwischen den verschiedenen Anbietern ein. Nur so lassen sich Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern vermeiden.“

Ganten füllt damit den Begriff „Choice“, eins von zwei Worten, die Univention immer wieder in Zusammenhang mit Cloud anbringt. Das andere ist „Control“. Und das umreißt der Firmenchef so: „Die Organisationen sollen selbst entscheiden, welche ihrer Anwender auf was in der Cloud Zugriff haben.“

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