Migration von Altsystemen vs. neue Cloud-Lösungen von der Stange

Über Sinn und Unsinn von Altanwendungen in der Cloud

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Evaluation der Service- und Businessprozesse

Natürlich dürfe nicht ins Blaue hinein entwickelt werden, falscher Enthusiasmus könne schnell bestraft werden: „Die Neuentwicklung sollte eine neue Evaluation der Service- und Businessprozesse entlang eines ITSM vorsehen. Ohne die Zusammenstellung eines Kompetenzteams im Vorfeld gehe das prinzipiell nicht. Auch müsse berücksichtigt werden, inwieweit die Entwickler des Altsystems und deren Wissen noch greifbar sind. Wenn diese beiden Posten vernachlässigt bzw. nicht greifbar seien, könnten Projektkosten schnell explodieren.

Welche Anwendungen sollten also beibehalten werden, welche neu entwickelt? Matthias Zacher, Senior Consultant bei IDC, rät natürlich ebenfalls zu einer differenzierten Sichtweise, bei Business-Software und Infrastrukturlösungen müssten die jeweiligen Besonderheiten beachtet werden. Generell gelte aber: „Kundenorientierte Anwendungen und Collaboration-Lösungen sind in der Lage, sehr viele Anforderungen von Unternehmen im Standard abzudecken. Auch mit ERP aus der Cloud sowie weiteren Business-Lösungen lassen sich viele Szenarien abdecken.“ Erst wenn der Markt keine Standard-Lösungen bietet, sollten Unternehmen neue Anwendungen für die Cloud entwickeln. Und sich folgende Fragen stellen: Welchen Stellenwert besitzt die Mobility im konkreten Fall? Auch sollten die Prozessketten mit Lieferanten und Partnern genau betrachtet werden. Eine weitere wichtige Frage, die sich IT-Verantwortliche stellen sollten, lautet: Inwieweit kann die eigene IT vor einem Horizont von fünf Jahren noch in Ökosystemen mitspielen?

Zukunftsorientierte IT-Systeme - ohne Cloud undenkbar

Zacher gibt weiter zu bedenken, dass zukunftsorientierte IT-Systeme zwangsläufig den Einsatz von Public und Private Cloud Services erfordern, um den Anforderungen nach Flexibilität, Effizienz und geringeren Kosten zu entsprechen. „Modernisieren oder aufbohren vorhandener Lösungen ist möglicherweise eine Option. Aber immer unter Berücksichtigung der Kosten, des Wartungsaufwands, der Mitarbeiter mit dem erforderlichen Wissen und teilweise auch der Hardware.“

Aus Infrastrukturperspektive ergebe sich folgendes Bild: Eine flexible Nutzung von IT-Ressourcen setze eine hohe Integrationsfähigkeit aller Lösungselemente und Services voraus, so der Analyst. Anwender benötigten daher immer häufiger Lösungen, die eine hohe Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Anbieter-Ökosystemen ermöglichen. „Für die Unternehmen sind Ansätze wie Entkopplung, Modularisierung, Container oder Micro-Services hochinteressant. Hier sind folgende Varianten eine Überlegung wert: Private Clouds, Software-definierte Infrastrukturen oder externe Provider, die eine entsprechende Infrastruktur beziehungsweise Plattformen anbieten.“

Der Nutzen liege auf der Hand: Die IT-Landschaft bewege sich von einer hardware-orientierten Infrastruktur, deren Komponenten für den jeweiligen Workload nach den Kriterien Leistungsfähigkeit, Performance, Ausfallsicherheit, Kosten und Bedienungskomfort ausgewählte wurde, hin zu einer Hardware, die nicht mehr starr an einen Workload gekoppelt sei, sondern die flexibel an nahezu jede Situation im Unternehmen angepasst werden könne.

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