Umfrage von Navex Third-Party-Risiken: Deutsche Firmen ziehen schnell die Reißleine

Von Bernhard Lück 2 min Lesedauer

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Deutsche Firmen trennen sich häufiger von riskanten Geschäftspartnern als ihre europäischen Nachbarn: Im Durchschnitt beendeten sie laut einer Navex-Befragung innerhalb von zwölf Monaten Beziehungen zu mehr als 14 Partnern. Die Studie zeigt auch: Vorstände bleiben oft außen vor.

Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex: „Im Ernstfall werden Beziehungen beendet, bevor es zu größeren Schäden kommt.“(Bild:  Navex)
Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex: „Im Ernstfall werden Beziehungen beendet, bevor es zu größeren Schäden kommt.“
(Bild: Navex)

Für die Umfrage befragte der Compliance-Spezialist Navex Manager aus B2B-Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, den USA, Großbritannien und Skandinavien. Als Trennungsgründe wurden laut Angaben des Unternehmens vor allem ethische Bedenken, Menschenrechtsfragen und Umweltpraktiken genannt.

Der vergleichsweise strikte Umgang mit Lieferanten zahlt sich offenbar aus: Nur 58 Prozent der deutschen Unternehmen verzeichneten demnach im Befragungszeitraum Störungen durch externe Partner – ein niedrigerer Wert als in allen anderen untersuchten Ländern.

Governance-Lücke trotz operativer Stärke

Trotz dieser operativen Konsequenz weist die Studie auf eine strukturelle Schwachstelle hin. In lediglich 66 Prozent der Fälle, in denen Third-Party-Risiken auftraten, wurde laut Umfrage die Verantwortung dem Vorstand zugeschrieben – der niedrigste Wert aller befragten Länder. Viele Entscheidungen werden demnach auf mittlerer Managementebene getroffen, ohne systematische Eskalation nach oben.

Dass daran kaum jemand etwas ändern möchte, verstärkt das Problem: Nur zehn Prozent der befragten Betriebe wünschen sich bei Entscheidungen über Drittparteien-Risiken mehr Verantwortung auf Vorstandsebene – ebenfalls der niedrigste Wert im Ländervergleich. Oliver Riehl, Regional Vice President Sales bei Navex, wertet das als Bewusstseinsdefizit: Strategische Governance sei genauso wichtig wie operative Kontrolle, werde aber hierzulande seltener eingefordert.

Selbstüberschätzung beim Risikomanagement

Ein weiteres Ergebnis der Befragung deutet auf eine Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Realität hin: 91 Prozent der deutschen Unternehmen gaben an, Probleme rechtzeitig erkennen zu können, bevor sie eskalieren. Gleichzeitig berichteten mehr als die Hälfte der Befragten von schwerwiegenden Lieferkettenstörungen im vergangenen Jahr – ein Widerspruch, der laut Navex auf zu späte Risikoerkennung oder unterschätzte Auswirkungen hindeutet.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Effekt auf der eigenen Seite: 31 Prozent der deutschen Unternehmen verloren demnach in den letzten zwölf Monaten einen Kunden, eine Investition oder eine Partnerschaft, weil sie selbst Compliance-Anforderungen nicht erfüllen konnten. Compliance fungiere zunehmend als Marktzugangsvoraussetzung, heißt es bei Navex.

KI-Projekte stocken – EU AI Act sorgt für Unsicherheit

Auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zeigen sich laut Studie erhebliche Vorbehalte. Zwar geben 84 Prozent der befragten deutschen Unternehmen an, interne Regeln für KI zu haben. Allerdings fühlt sich nur rund ein Drittel damit ausreichend auf regulatorische Vorgaben wie den EU AI Act vorbereitet.

58 Prozent der deutschen Betriebe haben laut Befragung im vergangenen Jahr KI-Projekte aus ethischen oder regulatorischen Gründen pausiert oder angepasst. 17 Prozent setzen KI aktuell gar nicht ein – der höchste Wert unter allen befragten Ländern. Der vorsichtige Umgang schütze zwar vor Reputations- und Regulierungsrisiken, dürfe aber langfristig nicht zum Innovationsnachteil werden, warnt Riehl.

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