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Telekom will mit DE-CIX kooperieren Telekom reagiert auf NSA-Skandal

Autor / Redakteur: Dipl. -Ing. Thomas Drilling / Peter Schmitz

Offenbar will die Deutsche Telekom sich jetzt doch stärker beim größten deutschen Internetknoten DE-CIX engagieren. Dabei gehe es der Telekom durch den Ausbau der Kapazitäten am DE-CIX darum zu vermeiden, dass mehr Daten als nötig den Umweg aus deutschen Rechenzentren über die USA nehmen müssen, was der NSA mehr Möglichkeiten zur Ausleitung von Daten böte.

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Unter dem Codenamen "Operation Eikonal" hat der BND am DE-CIX jahrelang den Traffic an die NSA weitergereicht. Die Telekom verspricht jetzt den Datenschutz für deutsche Internetnutzer am größten deutschen Internetknoten verbessern.
Unter dem Codenamen "Operation Eikonal" hat der BND am DE-CIX jahrelang den Traffic an die NSA weitergereicht. Die Telekom verspricht jetzt den Datenschutz für deutsche Internetnutzer am größten deutschen Internetknoten verbessern.
(Bild: Stefan Funke (CC BY-SA 2.0))

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche möchte die Telekom durch die Kooperation mit dem DE-CIX potenziellen US-amerikanischen Spionagetätigkeiten einen Riegel vorschieben und hat dazu vergangene Woche einen Kooperationsvertrag mit dem Frankfurter Internetknoten (DE-CIX) des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco unterzeichnet.

Immerhin war die Präsenz der Deutsche Telekom am DE-CIX bisher eher gering und in der Vergangenheit eher von einer Art Verweigerungshaltung geprägt. Dass die Telekom am DE-CIX jetzt doch massiv aufrüstet, betrachtet Eco-Chef Harald Summa als eine weitere Aufwertung des deutschen Netzknotens.

Massiver Ausbau

Der ist derzeit mit 3,8 Terabit pro Sekunde sogar weltweit einer der Größten und hatte die direkten Konkurrenten in London und Amsterdam im Januar diesen Jahres abgehängt. Das Peering direkt in Frankfurt ermöglicht es der Telekom, die Kommunikation seiner Kunden mit anderem in Deutschland betriebenen Diensten ohne USA-Umweg abzuwickeln. Mit dem großflächigen Einzug in den DE-CIX ist die Telekom in der Lage, das bisher hier abgewickelte Datenvolumen um das Zwanzigfache zu steigern. Der Telekom-Vorstand erhofft sich von der Maßnahme, dass sich möglichst viele Internet-Anbieter im DE-CIX mit der Telekom verschalten.

Fadenscheinige Begründung

Die Begründung von Telekom-Datenschutz-Vorstand Thomas Kremer gegenüber der WirtschaftsWoche, der Telekom gehe es dabei um mehr Sicherheit für Internet-Nutzer, wozu gewährleistet sein müsse, dass Daten auf möglichst kurzen Strecken vom Sender zum Empfänger gelangten, ist allerdings für Kenner mehr als fadenscheinig. Wahrscheinlich ist der Datenschutz nur ein passender Vorwand, um sich nicht für die jahrelange Verweigerungshaltung beim Peering am DE-CIX rechtfertigen zu müssen, denn obwohl sich Netzbetreiber am Knoten normalerweise kostenneutral zusammenschalten, hatte die Telekom bisher Peering stets als Geschäftsmodell gehandhabt. DSL-Kunden der Telekom wissen ein Lied davon zu singen, etwa in Form von katastrophaler Verbindungen zu YouTube.

Operation Eikonal

Technisch ist die jetzt vorgebrachte Datenschutz-Begründung ohnehin relativ wirkungslos. Ähnliches gilt beispielsweise auch beim so genannten Schengen-Routing, mit dem Europa angeblich seinen Datenverkehr gegenüber US-Diensten abschottet. Auch Schengen-Routing schützt nur bedingt vor geheimdienstlicher Überwachung, wenn man zur Kenntnis nimmt, das der BND am DE-CIX nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ohnehin jahrelang DE-CIX-Traffic an die NSA-Kollegen weitergereicht hatte (Stichwort: Operation Eikonal). Erst im Oktober letzten Jahres war bekannt geworden, dass der US-Geheimdienst NSA die Kooperation mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) zur Ausleitung von Daten aus dem DE-CIX offenbar aus eigenem Antrieb beendet hatte.

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Über den Autor

Dipl. -Ing. Thomas Drilling

Dipl. -Ing. Thomas Drilling

IT-Consultant, Trainer, Freier Journalist