Ausrichtung in der Attachmate-Gruppe Suse sucht Chamäleon-Fans für den Zweitwohnsitz in der Cloud

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Vor 20 Jahren wurde Suse gegründet. Die nach eigenem Bekunden „älteste Linux-Firma“ rüstet sich gegenwärtig für die Cloud. Als Channel-Company beschreitet man diesen Weg samt Community und Partner. Michael Jores, Regional Director Central Europe bei Suse, sprach mit IT-BUSINESS über zwei Jahrzehnte Linux-Business.

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Suse wird mit einem grünen Chamäleon identifiziert.
Suse wird mit einem grünen Chamäleon identifiziert.
(Bild: Suse)

Linux-Anbieter Suse ist im Twen-Alter angekommen. Nach der Übernahme von Suse durch Novell im Jahr 2004 und der Übernahme von Novell durch die Attachmate Gruppe, hat sich Suse in den vergangenen Jahren als eine der vier Konzern-Marken weiterentwickelt. Offenbar hat die anfangs kritisch beäugte Eingliederung dem Umsatz des Linux-Spezialisten gut getan.

Michael Jores, Regional Director Central Europe bei Suse
Michael Jores, Regional Director Central Europe bei Suse
(Bild: Suse)
Michael Jores, Regional Director Central Europe bei Suse sagte, dass sich der Umsatz in den vergangenen acht Jahren seit der Novell-Übernahme verdreifacht habe. Innerhalb der Attachmate-Gruppe fallen unter den Brand „Suse“ die Open-Source-Produkte. Bei Novell sind vor allem Groupware und moderne Ableitungen davon aus dem Social-Media-Umfeld aufgehängt, bei NetIQ dreht sich das Geschäft vor allen Dingen um System, Security und Identity Management. Unter dem Attachmate-Brand selbst werden unter anderem Terminal-Emulation- und Managed-Filetransfer-Lösungen angeboten.

Innerhalb dieser Attachmate-Gemeinschaft soll der Suse-Brand nun wieder gestärkt werden, nachdem man dort bisher im Windschatten von Novell gesegelt sei, verriet Jores. Hieß es früher „Suse-Linux von Novell“, heißt es unter dem Attachmate-Dach selbstbewusst nur noch „Suse“, wenn es um die Marke geht.

Enterprise Computing

Das Suse-Chamäleon steht auf drei Beinen, beschrieb Jores im Gespräch mit IT-BUSINESS. Das erste ist das Segment „Enterprise Computing“. Nach Einschätzung des Suse-Managers komme man auf etwa 80 Prozent der Linux-Installationen auf Mainframes im Markt sowie etwa 70 Prozent der linuxbasierten SAP-Installationen. Diese Zahlen machen den Geschäftsfokus bei Suse recht deutlich, denn betrachtet man den gesamten Linux-Markt, kommt die Dominanz von Red Hat deutlich zum Vorschein. Wenn man verschiedene Marktanalysen von IDC, Gartner und Experton zugrunde legt, liege etwa 60 Prozent des Marktanteils bei Red Hat, 30 Prozent bei Suse und der Rest bei Ubuntu und Oracle.

Integrated Systems

Das zweite Standbein heißt „Integrated Systems“. Hier geht es vor allem um Partnerschaften mit Hardware-Appliance-Anbietern und um den Einsatz von Suse Linux in beispielsweise Ticketautomaten, Kassensystemen, MRT-Geräten (Magnetresonanztomographie) oder Mobilfunkantennen. Auch hier werden Betriebssysteme gebraucht. In diesem Geschäftsbereich finden also x86-Systeme außerhalb des klassischen PC- und Server-Umfeldes zu einem Betriebssystem mit Chamäleon-Hintergrund.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zum dritten Standbein „Cloud Infrastructure“.

Cloud Infrastructure

Ein so branchenbewegendes Thema wie Cloud Computing geht freilich auch nicht an Suse vorbei. Jores beschrieb die Suse Cloud als Meta-Betriebssystem, welches für Cloud-Umgebungen vergangenen August released wurde und über das in Dashboard-Manier gemanaged wird. Das Produkt „Suse Cloud“ ist dabei eine kommerzielle Version der Open-Source-Cloud-Lösung „Openstack“, die von der Openstack Foundation vorangetrieben wird. Dort gibt es ein „Tech Comittee“ mit rund 550 Entwicklern aus verschiedenen Firmen, ein „Board of Directors“ und ein „User Comittee“. Insgesamt sind in der Openstack Foundation 5.600 Personen aus 87 Ländern und 850 unterschiedlichen Organisationen vereint, um Cloud-Software in Open-Source-Manier anzubieten. Laut einer Einschätzung seitens Gartner sei Openstack aber in der Praxis noch nicht auf Augenhöhe mit kommerzieller Konkurrenz (siehe Kasten) angekommen.

Neue Partner gesucht

Für Suse-Chef Jores liegt der Reiz der kommerziellen, auf Openstack basierenden Suse Cloud im Bereich der Interoperabilität, die sich aus den offenen Schnittstellen ergebe.

Nun gilt es, dieses dritte Standbein im Markt zu etablieren. Laut Jores verfolge man bei Suse ein strenges Channel-Konzept, bei dem es im Grunde kein Direktgeschäft gebe. Ein paar wenige Direktverträge habe man zwar „aus historischen Gründen“ am Laufen, so Jores, aber selbst die würden mit Channel-Partnern als Fulfillment Agents umgesetzt. Rund 560 Partner gebe es in Deutschland, die entweder direkt (Tier-1) oder über die Distributoren Ingram Micro und LxPN in Tier-2-Manier betreut werden. □

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