OpenStack in grün Suse Cloud 2.0 Beta-Test eröffnet

Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Florian Karlstetter

Suse hat den Beta-Test für die kommende Version 2.0 der Linux-Distribution Suse Cloud eröffnet. Die basiert auf OpenStack Grizzly, integriert über den Standard-Umfang hinaus weitere Technologien aus dem OpenStack-Projekt etwa für Vernetzung und Speicherung. CloudComputing-Insider hat einen ersten Blick auf das OpenStack-basierte Produkt geworfen.

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Suse Cloud 2.0 basiert auf OpenStack, bietet jedoch eine Reihe nützlicher Erweiterungen zum Aufbau einer Private Cloud-Umgebung.
Suse Cloud 2.0 basiert auf OpenStack, bietet jedoch eine Reihe nützlicher Erweiterungen zum Aufbau einer Private Cloud-Umgebung.
(Bild: Suse / OpenStack)

Gegenüber der Vorgängerversion verspricht Suse Cloud 2.0 eine vereinfachte Installation, verbesserte Verwaltungsfunktionen, sowie eine erweiterte Hypervisor-Unterstützung inklusive Hyper-V und ESXi.

Nachdem Suse im August letzten Jahres seine „Interpretation“ einer auf OpenStack basierenden Cloud-Distribution in Form von Suse Cloud 1.0 veröffentlicht hat, bereitet das Unternehmen mit der Eröffnung des Beta-Tests für Suse Cloud 2.0 das erste große Update seiner Enterprise-Lösung zum Aufbau eigener Private-Clouds (IaaS) vor.

Neben Red Hat, Citrix und Rackpace gehört damit auch Suse einem illusteren Kreis von Anbietern an, die kommerzielle Lösungen auf Basis der freien OpenStack-Plattform anbieten. Dass OpenStack-Initiator Rackspace das tut liegt nahe; Citrix hat seine eigene OpenStack-Distribution Olympus vor einiger Zeit zugunsten einer auf CloudStack basierenden Lösung aufgegeben und Red Hat schwenkt mit etwas Verspätung, dafür aber jetzt mit Nachdruck auf OpenStack um und hat auf dem diesjährigen Red Hat Summit gleich zwei auf OpenStack basierende kommerzielle Produkte Red Hat Cloud Infrastructure und seine Open-Stack-Distribution Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform vorgestellt.

Die Wurzeln der Suse Cloud

Michael Miller, Vice President Global Alliances & Marketing bei Suse.
Michael Miller, Vice President Global Alliances & Marketing bei Suse.
(Bild: Suse)
Suse dagegen präsentierte seine erste Testversion von Suse Cloud 1.0 bereits auf der im Oktober 2011 stattgefundenen Novell-Hausmesse Brainshare in Salt Lake City. Im Gegensatz zu Red Hats Gepflogenheiten, erst mal großzügig anzukündigen, demonstrierte Michael Miller, bei Suse für Partnerschaften und Marketing verantwortlich, seinerzeit mit der Vorstellung einer umfassenden Strategie, mit der das Unternehmen Rechenzentren und Unternehmen beim Einrichten von Clouds unterstützen will, dass es Suse durchaus ernst ist mit OpenStack und verblüffte die in Salt Lake City Anwesenden über die Produktankündigung hinaus mit der damaligen Verfügbarkeit fertiger Test-Images von Suse Cloud 1.0 Beta in Suse Studio.

Seit August 2012 ist Suse Cloud 1.0 offiziell verfügbar. Der jetzt eröffnete Beta-Test für Suse Cloud 2.0 hilft Suse so Michael Miller „die Lösung zu härten und soll Partnern die Möglichkeit geben, eigene Lösungen zu integrieren“.

Warum braucht Suse eine eigene OpenStack-Lösung?

Was treibt eigentlich einen Distributions-Hersteller wie Suse an, eigene kommerzielle Cloud-Lösungen auf OpenStack-Basis zu kreieren? Besteht der Antrieb „nur“ in der Motivation, den derzeitigen Cloud-Hype mit Blick auf die Konkurrenz aus Prinzip nicht zu verschlafen, steckt gar visionäres Gedankengut hinter dem Engagement oder vielleicht nur wirtschaftliche Notwendigkeit?

Kunden, die Ihre Linux-Systeme in die Cloud migrieren, tun dies im zunehmenden Maße unter Verzicht auf Support. Das ist nachvollziehbar, denn die Hardware-Komponenten, welche durch KVM- oder Xen-basierte Cloud-Instanzen zur Verfügung gestellt werden sind wohl definiert, verändern sich kaum und genießen exzellente Linux-Unterstützung. Bisher erwarben Unternehmen in der Regel gerade deshalb eine Enterprise-Distribution wie Suse Linux Enterprise Server (SLES), um einen verantwortlichen Ansprechpartner bei aus Wechselwirkungen zwischen Hardware und Betriebssystem resultierenden Problemen zu haben.

Da solche Probleme durch das Verlagern in die Cloud weitgehend minimiert werden, müssen sich Anbieter von Enterprise-Distributionen - sollte der prognostizierte Private-Cloud-Boom tatsächlich eintreten - über kurz oder lang auf einen Einbruch der Geschäfte einstellen, sofern Sie nicht rechtzeitig mit einer passenden Cloud-Strategie am Start sind, zumal in Private-Cloud-Umgebungen auf Hostsystem-Ebene der Cloud-Anbieter für Support verantwortlich ist.

Schaffen es Suse & Co, potentielle Kunden davon zu überzeugen, nicht in Eigenregie zum Private-Cloud-Provider zu mutieren - was mit OpenStack technisch zweifelsohne möglich ist - sondern ihre Kunden mit einem attraktiven Produkt bei Ihrer Cloud-Strategie zu unterstützen, können Sie durch den Verkauf von Subskriptionen doch noch einen Teil des Support-Geschäft abschöpfen und an den für die Hostsysteme benötigten Lizenzen mit verdienen.

Gemäß der Private-Cloud-freundlichen Prognosen der Analysten muss Suse ohnehin davon ausgehen, dass eine zunehmende Anzahl Unternehmen etwaige Linux-Arbeitsplätze lieber auf Opensuse-Basis (oder gar Debian, Fedora, Ubuntu) unter OpenStack betreibt, anstatt SLES-Lizenzen für physische Server zu erwerben.

Insofern ist es weitsichtig, als Distributions-Hersteller ein OpenStack-basiertes Produkt im Portfolio zu haben. Die Kunst besteht für Distributions-Hersteller, der gleichzeitig Unterstützer und Mitentwickler beim OpenStack-Projekt ist darin, Kunden einerseits von der Leistungsfähigkeit von OpenStack zu überzeugen, ihn aber gleichzeitig davon abzuhalten, sich selbst an OpenStack zu versuchen.

Was ist Suse Cloud?

Das Aufsetzen einer auf OpenStack basierenden Private-Cloud-Infrastruktur ist nämlich alles andere als trivial, auch wenn Cloud-Nutzer nachher problemlos per Webinterface zusätzliche Rechenleistung oder Festplattenplatz buchen können. Im Netz kursierende Installationsanleitungen z.B. für Ubuntu füllen Seiten.

Suse Cloud besteht aus drei wesentlichen Komponenten, welche sich in Form dreier separater Images als Trial-Version von Suses Download-Servern herunterladen oder auf Suse Studio zusammenstellen lassen.
Suse Cloud besteht aus drei wesentlichen Komponenten, welche sich in Form dreier separater Images als Trial-Version von Suses Download-Servern herunterladen oder auf Suse Studio zusammenstellen lassen.
(Bild: Suse)
Bei der Suse Cloud kommt als Basis-Plattform erwartungsgemäß Suse Linux Enterprise Server (SLES) zum Einsatz, welcher sämtliche benötigten OpenStack-Komponenten nahtlos integriert und um zusätzliche Funktionen und Werkzeuge erweitert. Genau genommen besteht Suse Cloud aus drei wesentlichen Komponenten, welche sich in Form dreier separater Images als Trial-Version von Suses Download-Servern herunterladen oder auf Suse Studio zusammenstellen lassen.

Der "Suse Cloud Administration Server" ist quasi die zentrale Verwaltungsinstanz, mit der Administratoren die Cloud-Infrastruktur einrichten und verwalten. Dazu gesellen sich die „Suse Cloud Control Nodes,, welche die Betriebssystem-Images für die Cloud-Instanzen vorhalten und zudem das Webinterface für die Nutzer als Self-Service-Portal zur Verfügung stellen. Darüber hinaus verteilt ein „Suse Cloud Control Nodes“ die Aufgaben in der Cloud.

Als dritte Komponente fungieren die "Suse Cloud Compute/Storage Nodes". Diese stellen Speicherplatz zur Verfügung oder ermöglichen den Betrieb virtueller Maschinen mit KVM oder Xen. Das sind letztendlich die Systeme, welche die Arbeiten ausführen, die die Nutzer im Self-Service-Portal beauftragen.

The Suse Way of OpenStack

Dazu bedient sich die Suse-Lösung zwar der von OpenStack perse gebotenen Funktionen und Module wie etwa dem OpenStack-Dashboard, bestehend aus „User Dashboard“ und dem „System Panel“, erweitert diese aber in Sachen Optik und Usability erheblich, allerdings ohne technische Modifikationen an OpenStack.

Mit Letzterem können Administratoren z.B neue Cloud-Benutzer anlegen, vorhandene Images verwalten oder neue VM-Instanzen erzeugen. Außerdem bietet das System-Panel statistische (Monitoring-) Funktionen. Im „User-Manager“ können Benutzer unter anderem auf der Seite „Image“ sehen, welche Images die Cloud zur Verfügung stellt und bei „Instances“ eine neue virtuelle Maschine starten, welche dann eines der Images benutzt.

Mit der Android App können Administratoren auf den Suse Manager zugreifen
Mit der Android App können Administratoren auf den Suse Manager zugreifen
(Bild: Suse)
Eine Besonderheit der Suse Cloud ist darüber hinaus eine Android-App, die einen schnellen und unkomplizierten mobilen Zugriff auf den „Suse Manager“ ermöglicht. Der unterstützt Admins beim Warten vorhandener Systeme, etwa beim Einspielen ferngesteuerter Updates.

Was bringt Suse Cloud 2.0 Beta?

Die jetzt im Beta-Test verfügbare Beta-Version 2.0 der Suse Cloud basiert auf OpenStack Grizzly – die Vorgänger-Versionen nutzten noch Essex (1.0), bzw. Diablo (1.0 Beta) und gefällt mit einer deutlich vereinfachten Installation, der Unterstützung weiterer Hypervisor-Systeme und der Integration weiterer Technologien aus dem OpenStack-Projekt für Vernetzung und Speicherung.

Außerdem haben die Suse-Entwickler die Verwaltungsfunktionen noch einmal vereinfacht, etwa in Form von Verbesserungen am Administrationsserver. Der bietet gegenüber Suse Cloud 1.0 eine höhere Skalierbarkeit, was durch die Integration der neuesten Version von Dells Open Source-Frameworks Crowbar ermöglicht wird, sowie eine weiterentwickelte Benutzeroberfläche.

Ferner unterstützt Suse Cloud 2.0 Beta neben KVM und Xen jetzt mehr Hypervisoren, was in erster Linie den Kunden Investitionssicherheit bieten soll. Neben der vollständigen Unterstützung für Microsoft Hyper-V, enthält Suse Cloud 2.0 Beta auch eine technische Vorschau der geplanten Unterstützung für VMware ESXi.

Cinder-Unterstützung

Ferner bietet Suse Cloud 2.0 gegenüber der Vorgängerversion dank Unterstützung der OpenStack Block Storage Cinder erweiterte Speichermöglichkeiten. Cinder stellt beispielsweise einen persistenten Blockspeicher auf Ebene virtueller Maschinen zur Verfügung und lässt sich auf Lösungen von Drittanbietern erweitern.

Anwender können damit relativ einfach Geräte ihrer bevorzugten Anbieter einbinden. Laut Suse arbeitet man sogar mit Partnern wie EMC, Inktan, NetApp oder Coraid daran, Nutzern in Zukunft eine größere Wahlmöglichkeiten bei den von Suse Cloud unterstützen Anbindungen für Blockspeicher zu bieten. So soll Suse Cloud in der finalen Version 2.0 Ceph Rados Gateway enthalten, das kompatible Swift- und Amazon S3-APIs für Blockspeicher unter Ceph zur Verfügung stellt.

Außerdem haben die Suse-Entwickler die Netzwerkfunktionen in Suse Cloud 2.0 erweitert. So unterstützt Suse Cloud 2.0 jetzt die OpenStack Netzwerklösung Neutron und bietet Networking-as-a-Service, sowie eine skalierbare Netzwerkverwaltung nebst API für den Aufbau verschiedener Netzwerktopologien, ergänzt um die Möglichkeit, erweiterte Netzwerkdienste aufzubauen. So soll Suse Cloud 2.0 ein Plug-in für die erweiterte Funktionen enthalten, welche von Cisco, Midokura, Open Vswitch und VLAN Bridging derzeit angeboten werden.

Teilnahme am Beta-Programm

Suse Cloud 2.0 soll nach Beendigung der Beta-Phase im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen. Interessenten erhalten weitere Informationen über die Teilnahme am Beta-Programm, indem Sie eine E-Mail an cloud@suse.com senden. Weitere Informationen zu Suse Cloud sind zudem auf der zugehörigen Produktseite einsehbar. Offiziell hat Suse seine neue Cloud-Lösung auf der OSCON (Open Source Convention) vom 23. bis 25. Juli in Portland, Oregon präsentiert und dürfte damit der von Red Hat auf dem diesjährigen Red Summit angekündigten OpenStack-Distribution dicht auf die Fersen rücken wenn nicht gar voraus sein.

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