Cloud 2018 Technology & Services Conference

Software-Engineering im Cloud-Zeitalter

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Daniel Jobst / Florian Karlstetter

Im Zeitalter des Cloud Computing ändert sich auch der Aufbau und die Struktur von Applikationen.
Im Zeitalter des Cloud Computing ändert sich auch der Aufbau und die Struktur von Applikationen. (Bild: © WrightStudio - stock.adobe.com)

Damit Automatisierungs- und Cloud-Projekte nicht scheitern, muss die entsprechende IT-Landschaft auf ihre „Cloud-readyness“ hin untersucht werden. Worauf es hierbei ankommt und welche Technologien bei der Umsetzung helfen, erklärt Prof. Daniel Jobst von der OTH Regensburg im Vorfeld der „Cloud Technology & Services Conference“.

Eine Anwendung besteht nie für sich allein. Sie ist im Zeitalter des Cloud Computing und automatisierter Geschäftsprozesse abhängig von liefernden „Machine-2-Machine“-Schnittstellen und stellt selbst Daten für andere Anwendungen zur Verfügung. Auch in ihrem inneren Aufbau besteht eine Anwendung heutzutage aus vielen gegenseitig abhängigen Komponenten entsprechend der klassischen Schichten-Architektur.

„Schneidet“ man nun eine Anwendung oder eine ihrer Komponenten heraus, um sie in der Cloud zu betreiben, müssen alle Liefer- und Leistungsbeziehungen aber weiterhin bedient werden, was einen großen Integrationsaufwand nach sich zieht und ein großes Risiko birgt, die versprochenen Vorteile einer „Cloud-basierten Lösung“ ins Negative zu verkehren.

Ergänzendes zum Thema
 
Infos & Anmeldung zur „CLOUD 2018 Technology & Services Conference“

Damit Automatisierungs- und Cloud-Projekte nicht scheitern, muss die entsprechende IT-Landschaft auf ihre „Cloud-readyness“ hin untersucht werden. Services Computing und IT-Architektur-Management bieten hierzu hilfreiche Werkzeuge und Vorgehensweisen.

Sind diese Kenntnisse zu Design und Architektur vorhanden und sind die Komponenten in ihren Schnittstellen und Liefer- und Leistungsbeziehungen beschrieben, können die vielfältigen Cloud-Angebote optimal genutzt werden.

Als Trend etabliert sich hier die Umsetzung als sogenannte „Microservices“. „Micro“ sei hier nicht zu verstehen als kleinere Services mit „wenig Funktionalität“. Es gelten nach wie vor die Servicedefinition und die Grundgedanken einer serviceorientierten Architektur oder des „domain driven design“. Was „micro“ wird, ist die Ausführungsumgebung eines Services. Statt des Deployments vieler Services auf einem Applikationsserver bekommt jeder Service seine eigene, angepasste Laufzeitumgebung und Datenhaltung, und zwar genau so, wie es für den jeweiligen Anwendungsfall optimal ist. Man spricht hier von sogenannter „polyglotter Programmierung und Datenhaltung“. Dabei ergeben sich neue Herausforderung für das (Re-)Design von Anwendungen.

Ideal für das Deployment von Microservices eignen sich Container. Das sind leichtgewichtige Virtualisierungseinheiten, ohne einen großen Hypervisor-Overhead. Ziel dabei ist ein vollautomatisches Deployment und eine dynamische Anpassung an Lastsituationen in Echtzeit bei gleichzeitig minimaler Ressourcennutzung. Technisch sind wir hier bereits angelangt. In vergleichsweise kurzer Zeit haben es Frameworks wie „Docker“ zur Serienreife geschafft und ein Ökosystem an Tools und Beratungsangeboten etabliert. Die Angebote und Produkte der Cloud-Dienstleister sind genau hierauf ausgelegt und kein ernst zu nehmender Cloud-Dienstleister kann heute ohne entsprechende Produkte wie „Service Discovery“, automatisiertes Container-Management und unterschiedliche horizontal skalierbare Datenbanken nach dem BASE-Prinzip auskommen.

Software-Engineering im Cloud-Zeitalter Cloud Conference 2018

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Legacy-Systeme und die Möglichkeiten der Cloud

Prof. Dr. Daniel Jobst ist an der Fakultät Informatik und Mathematik an der OTH Regensburg tätig.
Prof. Dr. Daniel Jobst ist an der Fakultät Informatik und Mathematik an der OTH Regensburg tätig. (Bild: Daniel Jobst)

Für die meisten Unternehmen stellt sich auch die Frage, ob „Legacy-Systeme“ die Möglichkeiten der Cloud ebenso nutzen können. Und mit „Legacy“ seien hier nicht Großrechneranwendungen gemeint, sondern klassische .NET-, Java-EE- oder Spring-Anwendungen, wie sie nach wie vor gebaut werden. Doch hier ist vorab eine genaue Untersuchung und Abschätzung zwingend erforderlich.

Insgesamt ist ein Umdenken, eine „Modernisierung“, im Software-Engineering erforderlich. Auch deshalb, da sich durch die Angebote von Google, Facebook oder Amazon unser Umgang und unser Anspruchsdenken an Dienstleistungen (teilweise unbemerkt) stark verändert haben. „Zero downtime“ und nahezu „zero“ Wartezeit sind heute Standard. Was dies für das Softwaredesign bedeutet, formuliert zum Beispiel das „Reaktive Manifest“ anschaulich. Auf dieser Grundlage etablieren sich Frameworks zur Implementierung asynchroner und Event- beziehungsweise Aktoren-basierter Anwendungen für nahezu alle modernen Plattformen.

Allgemein scheint es einen deutlichen Trend hin zu spezifischen Cloud-Angeboten zu geben: Industrie 4.0, Spracherkennung, KI, Data-Science, um nur einige zu nennen. Eine wichtige Herausforderung dabei darf man aber nicht vergessen: Die „Skills“ der Mitarbeiter im Unternehmen müssen entsprechend mitwachsen. Um intelligent und profitabel Anwendungen in die Cloud zu bringen, müssen alle betroffenen Aspekte der IT sowie des Business verstanden werden.

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