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Die Wege der Cloud So werden Unternehmen disruptiv

| Autor / Redakteur: Ravi Kumar S.* / Elke Witmer-Goßner

Die Mehrheit der etablierten Unternehmen setzt sich aktuell noch immer mit den Auswirkungen des Einflusses großer Technologie-Player wie Amazon, Facebook, Apple und Co. auf die eigene Branche und die Services auseinander. Währenddessen arbeiten kleinere digitale „Rebellen“ an Lösungen der nächsten Generation, die den Alltag von Verbrauchern verbessern sollen.

Die Business-„Rebellen“ preschen voran, Digital Natives erobern den Markt –Unternehmen mit klassischen Geschäftsmodellen könnten da bald abgehängt werden.
Die Business-„Rebellen“ preschen voran, Digital Natives erobern den Markt –Unternehmen mit klassischen Geschäftsmodellen könnten da bald abgehängt werden.
(Bild: © iQoncept - stock.adobe.com)

Digitale Banken wie Monzo und N26 haben mittlerweile auch den US-amerikanischen Markt erobert und machen Wettbewerbern wie Varo, SoFi und Chime Konkurrenz. Im vergangenen Jahr kauften nur fünf Prozent der kleinen Unternehmen Versicherungen über einen digitalen Kanal. Doch in diesem Jahr werden mehr als 60 Prozent dieser Firmen in den USA in Besitz von Millennials oder Mitgliedern der Generation X sein.

Digital Natives – wie Zendrive – haben es sich zum Ziel gesetzt, selbst großflächig Versicherungen anzubieten. Auch HealthTech-Unternehmen suchen kontinuierlich nach neuen digitalen Lösungen, um ihre Patienten aus der Ferne besser zu betreuen sowie Patientendaten sicher zu übertragen und mehrwertbasierte Pflegedienste anzubieten. Tempus aus Chicago (Umsatz 2019: ca. drei Milliarden US-Dollar) setzt beispielsweise bei der Erstellung personalisierter Krebsbehandlungspläne auf KI-gestützte Analysen klinischer Daten.

Die Strategie der Disruptoren

Wahrscheinlich bereiten die digitalen „Rebellen“ den großen Unternehmen der stark regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Versicherungen und Gesundheitswesen noch keine schlaflosen Nächte. Allerdings wechseln jedes Jahr Millionen Verbraucher zu den neuen Angeboten – und dies kann zu einer großen Herausforderung werden. Kein sogenannter Disruptor schafft den Markteinstieg, indem er Kunden von etablierten Unternehmen abwirbt. Vielmehr nehmen sie sich wenige ausgewählte Aktivitäten vor, mit denen Kunden aktuell nicht zufrieden sind.

Viele Banken, Versicherungen und Gesundheitsanbieter haben beispielsweise Probleme, die Anforderungen und Bedürfnisse ihrer Kunden zu begreifen sowie ihnen ein entsprechendes Kundenerlebnis zu bieten. Oftmals sind veraltete Systeme, Silos und Denkweisen die Ursache, dass Kunden zu Organisationen abwandern, die ihre Anforderungen mithilfe von Technologie schneller und präziser bedienen können. Etablierte Unternehmen sollten dies nicht unterschätzen – jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu reagieren und eine holistische digitale Transformation anzustoßen, um sich so den Digital Natives anzunähern.

Die Disruptoren arbeiten mit flexiblen Betriebsmodellen. Diese basieren auf Cloud-Technologien und ermöglichen Agilität und Skalierbarkeit. Sie lassen sich zum Beispiel jederzeit an den Workload anpassen. Konzerne – sogar diejenigen, die der Meinung sind, ihre Infrastruktur nicht auslagern zu können – können ohne die Cloud ihre digitale Transformation nicht erfolgreich durchlaufen. Dies bezieht sich nicht nur auf Anwendungen für die Front-End-Kundeninteraktion, sondern auch auf alle Kernprozesse und -systeme. Denn eine Verbesserung der Kundenerfahrung geht immer einher mit der Transformation von Prozessen sowie der Expansion in neue Märkte und Segmente.

Die Einführung neuer Produkte und die Automatisierung des Betriebs gehören ebenfalls dazu. Möglich wird all dies durch die Cloud. Darüber hinaus ist die Cloud die einzige Möglichkeit, die Potenziale von High-Performance-Computing, Speicherskalierbarkeit und Open-Source-Innovationen auszuschöpfen. Doch besonders diese stark regulierten und datensensiblen Branchen müssen sich während ihrer Transformation mit Herausforderungen in Sachen Datenschutz, regulatorischer Compliance sowie Security- und Systemausfällen auseinandersetzen.

Schrittweises Vorgehen

Oftmals hilft die Unterstützung eines etablierten Cloud-Anbieters dabei, diese Themen zu adressieren und die digitale Transformation zu beschleunigen.

Die folgenden Punkte sollten dabei beachtet werden:

Security neu denken
Die Bewältigung komplexer und unternehmenskritischer Workloads sowie die Bereitstellung präventiver und ausgleichender Kontrollen für regulatorische Workloads, die Unterstützung mehrerer Architekturen sowie proaktive und automatisierte Security mit Verschlüsselungsstandards schaffen Vertrauen. Diese Sicherheitsstandards lassen sich darüber hinaus auf die Implementierungsumgebung ausdehnen. So haben Cloud-Anbieter meistens keinen Zugang zu den Krypto-Schlüsseln, die die Daten ihrer Kunden entschlüsseln.

Bessere Compliance schaffen
Ein Unternehmen muss zuerst seine Prozesse verändern, damit der Einsatz der Cloud ihm einen Mehrwert bringt. In der Regel sollten Prozesse Self-Service ermöglichen, Daten mit externen Systemen austauschen, mit Lern- und Selbstheilungskapazitäten ausgestattet sowie extrem robust und skalierbar sein. Die Cloud um Technologien zur Automatisierung sowie für künstliche Intelligenz (KI) zu erweitern, ist der nächste Schritt. Gleichzeitig reduziert sich auch das manuelle Eingreifen durch Mitarbeiter. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auch die Umgebung neu aufzustellen und die Cloud-Investitionen so auszubauen, dass sie den Vorschriften entsprechen.

Schnell scheitern, schneller lernen
Bevor Unternehmen sich vorschnell auf die digitale Transformation stürzen, kann eine gute Cloud-Service-Partnerschaft das Engagement sogar noch beschleunigen, beispielsweise durch Proof of Concepts, die Durchführung von Pilotprojekten, die Besetzung von Kunden-Innovationszentren und andere Mechanismen, die darauf ausgerichtet sind, schnell und sicher Mehrwert zu liefern. Experimentieren ist dabei ein wichtiger Bestandteil des Prozesses.

Neue Unternehmenskultur
Der Aufbau und die betriebliche DNA eines Unternehmens spielen eine große Rolle, wenn es darum geht, den Wandel in einer Organisation, die erst seit Kurzem auf die Cloud setzt, voranzutreiben.

Ravi Kumar S., Infosys.
Ravi Kumar S., Infosys.
(Bild: Infosys)

Cloud-Partner, die mit Hunderten von Unternehmen zusammenarbeiten, wissen um den Prozess und seine Auswirkungen auf die Förderung von Innovationen sowie die Einführung einer neuen Unternehmenskultur – angefangen bei der Führungsebene bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter. Alle Mitarbeiter und Beteiligten müssen mit dem Wandel einverstanden sein und ihn unterstützen. Um sie an Bord zu holen, bieten sich unter anderem Lern-Workshops wie Design Thinking an.

* Der Autor Ravi Kumar S. ist President & Deputy Chief Operating Officer von Infosys.

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