Kommentar von Philipp Ringgenberg, Orange Business Services So verhelfen Digitalisierung und Data Analytics zu mehr Nachhaltigkeit

Autor / Redakteur: Philipp Ringgenberg / Nico Litzel

Eine aktuelle Studie von McKinsey zeigt: Die Corona-Pandemie leistet dem Thema Nachhaltigkeit Vorschub. So achten laut Umfrage drei Viertel der deutschen Verbraucher beim Einkaufen auf faire und nachhaltige Produkte und jeder zweite Befragte wählt neue Produkte bewusst aus, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

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Der Autor: Philipp Ringgenberg ist Senior Director Business Consulting & Innovation, Orange Business Services
Der Autor: Philipp Ringgenberg ist Senior Director Business Consulting & Innovation, Orange Business Services
(Bild: Orange Business Services)

Nachhaltigkeit ist damit ein Thema, das alle Unternehmensbereiche betrifft – von der Ideenentwicklung bis hin zu den globalen Lieferketten. Welche Rolle spielen Digitalisierung und Data Analytics bei der Entwicklung von Produkt- und Serviceinnovationen, die auf Nachhaltigkeit abzielen?

Stillstand bedeutet Rückschritt. Wer zukunftsfähig agieren will, muss innovativ denken und handeln. Doch Innovationsprozesse sind in der Regel recht komplex. Schon zu Beginn eines Innovationsprozesses sind Daten die Grundlage für erfolgreiche Entwicklungen und auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. Unternehmen können beispielsweise mithilfe neuer Daten- und KI-basierter Ansätze und Technologien wie Business Intelligence (BI), Analytics und Process Mining ihre „Pain Points“ identifizieren und mit Fakten hinterlegen. So lassen sich Ideen zielgenauer weiterentwickeln. Predictive Analytics Tools helfen außerdem dabei, Wenn-dann-Szenarien durchzuspielen und Innovationen zu verifizieren.

Nachhaltigkeit dank digitaler Entwicklung

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind im Hinblick auf innovative technologische Weiterentwicklung heute also eng miteinander verbunden. Je mehr Einblicke Unternehmen beispielsweise dank digitaler Technologien oder das IoT über die Funktionsweise von Produkten, Systemen oder Services erhalten, desto einfacher wird es, diese zu optimieren und voranzutreiben. Technologien helfen dabei, Ressourcen einzusparen, potenzielle Risiken zu überwachen oder den richtigen Bedarf zu ermitteln. Unternehmen sparen Kosten und werden effizienter sowie nachhaltiger.

Die folgenden fünf IoT-Anwendungsfälle zeigen, welche Rolle Nachhaltigkeit bei digitalen Entwicklungen einnehmen kann:

  • 1. Smart Grids (Intelligente Stromnetze): Energieunternehmen, die wissen, wann und wo welche Menge an Energie benötigt wird, erreichen eine höhere Effizienz. Intelligente Netze unterstützen dabei, je nach Nachfrage Energie einzusparen oder bereitzustellen. Smart-Grid-Technologien auf Basis von IoT-Geräten und Sensoren ermöglichen es, Energieangebot und -nachfrage zu verfolgen, Nutzungsdaten zu sammeln, zu analysieren und sinnvoll auf Energienetze anzuwenden.
  • 2. Digital Twins (Digitale Zwillinge): Ein Anwendungsfeld in der Landwirtschaft, bei dem es sich um digitale Nachbildungen physischer Güter handelt. Durch KI- und IoT-Funktionen können digitale Zwillinge alle relevanten Datenaspekte der Landwirtschaft simulieren – von der Bodenqualität über die Leistung landwirtschaftlicher Maschinen bis hin zu Marktpreisen von Produkten. So lassen sich Ernteerträge genauer vorhersagen, was auf lange Sicht rentabler, effizienter und nachhaltiger ist.
  • 3. Blockchain: Nicht nur in Sachen Krypto-Währung hat sich die Ledger-Technologie einen Namen gemacht. Die Blockchain identifiziert alle an einer Transaktion beteiligten Parteien, gewährleistet dadurch Datenintegrität, verbessert die Rückverfolgbarkeit und hilft somit auch bei der nachhaltigen Gestaltung von Lieferketten. So kann beispielsweise die bessere Rückverfolgbarkeit zur Sicherstellung des Lebensmittelstandards genutzt werden. Dank Blockchain können Nachhaltigkeitsgewinne (z. B. geringere Umweltbelastung, Gewährleistung von Menschenrechten, faire Arbeitsbedingungen) für Verbraucher sichtbar gemacht werden sowie unethisch agierende Lieferanten oder gefälschte Produkte frühzeitig aufgedeckt und von der Lieferkette ausgeschlossen werden.
  • 4. Predictive Maintenance (Vorbeugende Instandhaltung): IoT-Lösungen und Datenanalysen sind ideal, um die Wartung auf Grundlage von Echtzeitüberwachung vorausschauend und proaktiv zu gestalten. Durch den Einsatz KI- und intelligenter IoT-fähiger Sensoren können Ausfälle mithilfe von Echtzeitdaten und historischen Trends vorausgesagt werden. Unternehmen erhalten dadurch die Möglichkeit, Wartungen gezielter zu planen, Standortbesuche signifikant zu reduzieren und Kosten einzusparen. Ein wahres Plus für ein nachhaltiges Geschäft.
  • 5. Smart Meters (Intelligente Zähler): Intelligente Zähler sammeln Energie-, Wasser- und Gasdaten in Echtzeit und ermöglichen eine intelligente Entscheidungsfindung über Energieverbrauch und -nutzung. Damit motivieren intelligente Zähler Verbraucher und Unternehmen dazu, ihr Verhalten zu ändern, Kosten und Ressourcen einzusparen und den Kohlenstoff-Fußabdruck zu reduzieren. Dies treibt nachhaltiges Handeln voran. Zusätzlich können Energieunternehmen Zähler per effizienter Fernwartung überwachen und damit auf potenzielle Probleme schneller reagieren – ein weiterer Vorteil für die Nachhaltigkeit, denn mit Fernwartung reduzieren auch Energieunternehmen ihren Kraftstoffverbrauch um ein Vielfaches.

Pandemie pusht Nachhaltigkeitsprogramme

Die aktuelle Gesundheitskrise hat nicht nur die Sensibilität von Verbrauchern erhöht. Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) sind heute Themen für die Chefetage. Immer mehr Unternehmen betreiben Nachhaltigkeitsprogramme oder sind aktiv auf der Suche nach Partnern, die ihre Initiativen im Bereich Digital Green / Green IT unterstützen. Auch im Bereich Supply Chain Management hat sich die Denkweise von Führungskräften und ihre Einstellung zu Risiken und Nachhaltigkeitsinitiativen deutlich verändert. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Orange Business Services und Longitude zu „Real-time intelligence and the future of supply chain“ unter 320 internationalen Unternehmen aus den Bereichen Fertigung, Transport und Logistik.

Der Studie zufolge hielten 40 Prozent der Lieferketten der Pandemie und den damit verbundenen Herausforderungen nicht Stand. So verwundert es nicht, dass rund 83 Prozent der Befragten erklärten, sie seien sich den Risiken wie Rohstoffengpässen, Produktionsstillständen oder Transportblockaden in der Lieferkette nun bewusster als noch vor einem Jahr. Doch von welchen Faktoren hängen zukunftssichere Lieferketten ab? Hier werden künftig insbesondere technologische Enabler wie KI, Cloud, 5G und Big Data-Analytics eine entscheidende Rolle spielen. Die Vorteile entstehen durch das Sammeln und Teilen von Echtzeitdaten, die wiederum die Effizienz und Transparenz in der gesamten Lieferkette erhöhen. Die Folge sind eine verbesserte Planung und Ausführung, aber auch gestärkte Beziehungen zwischen Lieferanten und Herstellern.

Data Analytics in globalen Lieferketten bietet zudem wichtige Einblicke in Faktoren wie den Ressourcenverbrauch oder den CO2-Footprint – wichtige Voraussetzungen, um Kosten zu senken und ressourcenschonend zu handeln. Und Technologien wie IoT und Advanced Analytics unterstützen dabei, finanzielle, soziale oder Umweltrisiken zu identifizieren, zu analysieren und zu reduzieren. Ebenfalls wichtig ist die Flexibilisierung von Lieferketten, um Risiken entgegenzuwirken. Dies gelingt beispielsweise durch Smart Factories, Smart Asset Tracking oder Data Analytics in Echtzeit sowie KI gestützte Szenarien und Simulationen. Die Vorteile: vorausschauende Planung und Anpassung der Produktion oder der Produktionsstandorte an sich verändernde Bedürfnisse.

Echtzeitdatenerfassung, Agilität und Digitalisierung

Es sind also Faktoren wie die Echtzeitdatenerfassung, Agilität und Digitalisierung, von denen zukunftsfähige Lieferketten abhängen. Dies sollten Unternehmen künftig in ihren Transformationsstrategien berücksichtigen. Wem es dann noch gelingt, seine Nachhaltigkeitsinitiativen anzupassen, zu beschleunigen und in Innovationsansätze einzubinden, stellt die Weichen für resiliente und nachhaltige globale Lieferketten – und damit auch für einen klaren Wettbewerbsvorteil. Nachhaltigkeitsbewertungen durch Anbieter wie EcoVadis zeigen, wie gut ein Unternehmen bereits die Nachhaltigkeitsziele/CSR in seinem Geschäfts- und Managementsystem integriert hat und helfen dabei, diese nach internationalen Standards weiter voranzutreiben und den Erfolg messbar zu machen.

Zumindest die Ergebnisse der oben genannten Studie zeigen, dass viele Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und heute schon den richtigen Weg einschlagen. So planen 44 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden zwei Jahren den Start von Echtzeitdateninitiativen. Auch haben fast acht von zehn Unternehmen die Digitalisierung ihrer Lieferkette bereits beschleunigt. Und für die Zukunft planen 85 Prozent der Unternehmen nachhaltiger zu werden – beispielsweise im Bereich der Datenerfassung, um einen genaueren Einblick in Messwerte zu erhalten und den Energieverbrauch besser managen zu können. Und nicht zuletzt: 78 Prozent der Unternehmen sehen in dem Thema Nachhaltigkeit die Chance, Produkt- und Serviceinnovationen voranzutreiben: ein wesentlicher Pluspunkt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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