Schlaue, personalisierbare Produkte ersetzen dumme Massenware

Smarte Kleidung mit intelligenten Anwendungen in der Cloud

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Vor allem in den Bereichen Sport und Medizin will das europäische Forschungsvorhaben EASY-IMP mit der Entwicklung intelligenter Kleidung neue Impulse setzen.
Vor allem in den Bereichen Sport und Medizin will das europäische Forschungsvorhaben EASY-IMP mit der Entwicklung intelligenter Kleidung neue Impulse setzen. (Bild: burak çakmak, Fotolia)

Die Entwicklung neuer Methoden und Werkzeuge für intelligente Kleidung ist das Ziel des von der EU geförderten Projekts EASY-IMP. Koordiniert vom Forschungsbereich Erweiterte Realität des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), will ein interdisziplinäres Team neue Möglichkeiten für Gesundheit, Sport und Gaming eröffnen.

Im europäischen Verbundprojekt „EASY-IMP – Collaborative Development of Intelligent Wearable Meta-Products in the Cloud”, das mit 4,4 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert wird und auf drei Jahre ausgelegt ist, arbeiten Experten für Sensorik, Informatik, Webprogrammierung, Biomechanik, Rehabilitation und Sport zusammen. Zum Kick-off-Meeting Mitte September am DFKI in Kaiserslautern legten die zwölf beteiligten Organisationen den Grundstein zur Entwicklung neuer Methoden für so genannte tragbare Metaprodukte.

Ein typisches Beispiel für ein solches Metaprodukt ist das Smartphone. Es bietet eine allgemeine Plattform, die durch das Herunterladen von Apps für unterschiedlichste Anwendungen genutzt und personalisiert werden kann. Im Rahmen von EASY-IMP wird dieses Konzept auf intelligente Kleidung übertragen. Durch die Integration frei wählbarer Sensorik in die Kleidung entsteht so ein neues Metaprodukt. Das Kleidungsstück lässt sich über ein Smartphone konfigurieren, um Bewegungen oder Vitaldaten des Benutzers zu erfassen und in Verbindung mit einer App für personalisierte Dienste zu nutzen. Je nach Funktionsumfang der Applikation können damit unterschiedlichste Anwendungen umgesetzt werden. Dies kann beispielsweise ein persönlicher Fitness-Trainer oder auch ein Assistent zur funktionalen Rehabilitation sein. Zusätzlich wird das System an Cloud-Dienste angebunden, so dass Daten bequem geteilt und beispielsweise in sozialen Netzwerken genutzt werden können.

Erste Profiteure

Der DFKI-Forschungsbereich Erweiterte Realität um Prof. Dr. Didier Stricker befasst sich im Rahmen des Projektes mit der Anbindung der Sensoren an mobile Geräte, der Auswertung der Sensordaten sowie der Gestaltung der Benutzeroberfläche auf dem Smartphone. Eine weitere Herausforderung für die Wissenschaftler besteht in der Entwicklung einer Simulationsumgebung zur Optimierung und Evaluierung der sensorischen Kleidung in einer virtuellen Umgebung. Als erste Anwendungsfelder wurden die Bereiche Sport (personalisiertes Training, Performance Tracking, Remote-Coaching oder Technik-Korrektur), Computerspiele sowie Medizin (Rehabilitation, Ambient Assisted Living für ältere und gehandicapte Personen) identifiziert.

Ein konkretes Anwendungsszenario der Entwicklungen könnte sich in Zukunft etwa so darstellen: Ein Benutzer erwirbt eine Jacke mit integrierten Sensoren. Zusätzlich lädt er die passende Sport-App auf sein Smartphone und konfiguriert darüber die Jacke. Wie vom Nutzer gewünscht, zeichnet diese nun etwa seine körperlichen Bewegungsdaten auf und überträgt diese zum Smartphone. Über die App werden die Daten weiter ausgewertet, um das tägliche Sportprogramm des Nutzers beispielsweise durch automatisches Zählen der Übungswiederholungen zu unterstützen. Zudem können die Daten in die Cloud übertragen und so mit anderen geteilt werden. Mit einer anderen App könnte dieselbe Jacke gleichzeitig dazu genutzt werden, die Haltung des Nutzers bei seiner täglichen, sitzenden Tätigkeit zu überwachen und Rückmeldungen zu geben. Dies ist der Kerngedanke hinter einem Metaprodukt.

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