Laut MINT-Herbstreport 2012 fehlen 120.000 Fachkräfte

"Skandalöse Abbrecherquoten" an Unis

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Trotz MINT-Herbstreport 2012 sieht der DGB keinen "flächendeckenden Fachkräftemangel".
Trotz MINT-Herbstreport 2012 sieht der DGB keinen "flächendeckenden Fachkräftemangel". (Bilder: BDA/MINT Zukunft schaffen)

Mit ihrem gemeinsamen MINT-Herbsreport 2012 prognostizieren Industrie- und Arbeitgeberverbände einen langfristigen Fachkräftemangel. Dem Bericht zufolge fehlen aktuell über 26.000 Informatiker.

Ganze 120.000 Fachkräfte für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) fehlen – Stand Oktober 2012 – in Deutschland. Das berichtet der vom Institut der deutschen Wirtschaft erstellte MINT-Herbstreport 2012. Auftraggeber der regelmäßig erstellten Studie sind Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI), Arbeitgeberverband Gesamtmetall sowie die Initiative "MINT Zukunft schaffen".

Der Bericht schlüsselt freie Stellen und verfügbare Arbeitnehmer für verschiedene Fachrichtungen detailliert auf: Beispielsweise wurden im Oktober 43.000 Informatiker (Anforderungsniveau 3 und 4) gesucht. Dem gegenüber standen lediglich 16.913 freie Arbeitskräfte.

Dieses Missverhältnis werde durch den demographischen Wandel noch verstärkt. So sollen langfristig in Deutschland pro Jahr auch 100.000 MINT-Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung fehlen.

Zuviele Studenten brechen ab oder verlassen Deutschland

Eine in Teilen auch vom Branchenverband Bitkom bestätigte, steigende Zahl von Studienanfängern lindere die Lage indes kaum. Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender von "MINT Zukunft schaffen", erläutert: "Wir müssen die Potenziale von MINT-Studierenden besser nutzen. MINT-Abbrecherquoten von weiter über 50 Prozent an Universitäten sind ein Skandal. Gleichzeitig müssen wir attraktiver für internationale Absolventen werden. Von 100 MINT-Studienanfängern an deutschen Hochschulen aus dem Ausland steigen nur 14 in unseren Arbeitsmarkt ein, 46 brechen ihr Studium ab, 40 verlassen Deutschland nach dem Studienabschluss. Wir brauchen eine echte Willkommenskultur in Behörden, Hochschulen und Unternehmen."

Ähnlich sieht das auch der Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) Prof. Oliver Günther: "Es muss bereits für Schüler und Schülerinnen attraktiv sein als Karrierewunsch 'Informatiker' anzugeben, es müssen mehr Frauen für die Disziplin begeistert werden und der eingeschlagene Weg der BlueCard zur Integration von ausländischen Fachkräften sollte weiterentwickelt werden. Mit einem solchen Mix wird Deutschland seine Rolle als attraktiver Informatikstandort auch im globalen Wettbewerb weiter ausbauen können." Zudem gibt Günther zu bedenken, dass sich auch gut ausgebildete Informatiker regelmäßig weiterbilden müssten.

DGB bestreitet "flächendeckenden Fachkräftemangel"

Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), bestätigt zwar auch bei "einzelnen technischen Berufen und bei Ingenieuren "Engpässe am Arbeitsmarkt", bestreitet aber einen "flächendeckenden Fachkräftemangel". Der Gewerkschafter weiter: "Allzu gerne wird ausgeblendet, dass viele Beschäftigten mit Berufsausbildung oder Hochschulstudium unterhalb ihrer erworbenen Qualifikationen beschäftigt werden. So bewerten nur 45 Prozent der Hochschulabsolventen mit Bachelorabschluss in den MINT-Fächern ihre ausgeübte Tätigkeit – bezogen auf Inhalt und Anforderungsniveau – als voll ausbildungsadäquat."

Der aktuelle MINT-Herbstreport 2012 wird vom BDA als PDF-Download angeboten.

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