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Sprechen Sie momentan noch über eine Vision oder schon über Realität?
Scheer: Die meisten Unternehmen stehen noch am Anfang. Doch es gibt beispielsweise bereits Gespräche mit einem großen Handelsunternehmen mit mehreren Produktionsbetrieben, das sich bei Unternehmen der Scheer Group sowohl in Fragen der Energieeffizienz beraten lässt als auch Interesse an einer modernen Informationsverarbeitung in seinen Prozessen hat. Dies zeigt, dass die Idee greift!
Haben sich diese jungen Unternehmen anders entwickelt als „normale“?
Ein Startup kann heutzutage nur schwer allein vorankommen, denn es muss sehr schnell wachsen und international auftreten. Auch die großen erfolgreichen Unternehmen hatten immer Partner: Microsoft in IBM, die SAP anfangs mit Siemens und IBM, IDS Scheer die Partnerschaft zur SAP. Das sind die Glücksfälle. Ich versuche nun, die einzelnen Firmen miteinander zu verbinden, um sie dadurch insgesamt schneller nach oben zu bringen. Doch müssen die jungen Gründer erst davon überzeugt werden, sich anderen gegenüber zu öffnen, zusammen zu arbeiten, um zu entdecken, dass ein Geben und Nehmen sinnvoll ist.
Wie geht es weiter mit der Scheer Group?
Mein Plan für dieses Jahr sieht vor, drei weitere Firmen bis zur Entscheidungsreife zu bringen. Ich kann mir gut vorstellen, dieses Netzwerk in den nächsten Jahren auf 15 bis 20 Firmen auszubauen. Erreichen wir in den nächsten vier bis fünf Jahren mit der Scheer Group einen Umsatz von 100 Millionen Euro, so werte ich dies als einen großer Erfolg, der zeigt, dass das Modell nicht nur regional begrenzt funktioniert sondern viel breiter Wirkung zeigt.
Wird es nicht immer schwieriger Firmen zu finden, die thematisch weit genug auseinander liegen?
Nein, es gibt genug interessante Zukunftsgebiete, auf denen Anwendungen fehlen, etwa in der Gesundheitsfürsorge. Außerdem schadet eine gewisse Überschneidung nicht, denn Konkurrenz belebt die Ideenproduktion. Die Firmen müssen sich dann so positionieren, dass sie miteinander leben können.
Würden Sie sich Nachahmer Ihres Modells wünschen?
Wir haben hier in Deutschland viel zu wenige erfolgreiche Unternehmen. Ich hatte schon vor Jahren das Modell „100 mal 100“ vorgeschlagen. Es handelte sich um ein politisches Programm, um in fünf Jahren 100 junge Technologieunternehmen auf jeweils 100 Millionen Euro Jahresumsatz und somit in eine stabile Marktstellung zu bringen. Die Politik begrüßte zwar meine Idee, doch wusste man nicht, wie so etwas umzusetzen wäre. Natürlich wäre es begrüßenswert, wenn weitere solche Netzwerke entstehen würden.
Sie nennen als Beispiel für den Erfolg solcher Konzepte das Silicon Valley in Kalifornien …
Ja, das Silicon Valley begann auch als regionales Netzwerk, in dem sich die Unternehmen gegenseitig mit Ideen befruchten und gleichzeitig miteinander konkurrieren. So entsteht eine Atmosphäre der Innovation!
Sehen Sie das SW Cluster im Südwesten Deutschlands als Konkurrenz?
Nein, es ist ein Forschungsansatz zur Entwicklung neuartiger Standardanwendungstechnik, während die Scheer Group ein Unternehmensansatz mit unterschiedlicher Thematik ist. Hinter dem Cluster steckt zwar auch die Idee, daraus Unternehmen entstehen zu lassen, doch weiß ich nicht, wer die fördert. Bei mir gibt es eine Organisationsform mit der Scheer Group, in die diese Unternehmen sich auch einklinken.
Ist ein Austausch zwischen dem SW Cluster und der Scheer Group denkbar?
Eines der Scheer Group-Unternehmen, nämlich die IMC AG, macht in der Forschung des SW Clusters mit. Natürlich könnten auch Firmen hervorgehen, die in mein Netzwerk passen, wenn sie soweit sind und Ideen haben.
Das Interview führte Susanne Franke, freie IT-Journalistin aus München.
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