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Rechner mit 26 Petaflops bald per Open Telekom Cloud verfügbar Schneller Supercomputer läuft langsam an

Autor / Redakteur: M.A. Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Er steht in Stuttgart, hätte es in der aktuellen Top 500 unter die schnellsten zehn Rechner weltweit gebracht und kann künftig von jedem über die Open Telekom Cloud genutzt werden: Der jüngst vorgestellte Supercomputer „Hawk“ mit 720.000 Prozessorkernen und 26 Petaflops Spitzenleistung.

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Superrechner „Hawk“ ist für Ingenieursleistungen optimiert und per Cloud verfügbar.
Superrechner „Hawk“ ist für Ingenieursleistungen optimiert und per Cloud verfügbar.
(Bild: Ben Derzian, HLRS)

Kunden der Open Telekom Cloud sollen künftig auch auf den Superrechner „Hawk“ zugreifen können. Der mit 720.000 Prozessorkernen bestückte und als Hewlett Packard Enterprise Apollo (Hawk) gefertigte Computer liefert eine Spitzenleistung von 25,95 Petaflops. Damit ist das System dreieinhalb mal so schnell wie sein Vorgänger – bei nahezu identischem Energiebedarf.

In der zuletzt am 18. November veröffentlichten Top 500 der schnellsten Computer weltweit wäre der mit AMD-Prozessoren (EPYC Rome 7742) bestückte „Hawk“ auf einem der ersten zehn Plätzen gelandet. Die Betreiber betonen dabei: Das System sei insbesondere für Berechnungen in Ingenieursumfeld und Fertigungstechnik geeignet – kann strömungs- und strukturmechanische Probleme beispielsweise deutlich performanter lösen als GPU-basierte-Systeme, die sich ihrerseits besser für Datenanalysen eignen.

Dell stiehlt HPE die Show

Den zunächst beanspruchten Titel als „weltweit leistungsfähigsten Rechner für Ingenieursleistungen“ hat „Hawk“ allerdings bereits bei seiner Vorstellung abtreten müssen – beinahe zeitgleich hatte Dell Mitte Februar den mit 52 Petaflops leistungsstärksten, industriellen Supercomputer in privater Hand „HPC5“ präsentiert.

Während der „HPC5“ für den Gas- und Erdölkonzern Eni rechnet, wird „Hawk“ jedoch über die Open Telekom Cloud für beliebige Nutzer verfügbar sein – sofern diese vertrauenswürdig sind. Laut Telekom sei das System in der Lage Transportsysteme für Atomwaffen zu berechnen und unterliege daher entsprechenden Exportrestriktionen. Für entsprechende Prüfungen und das Onboarding würden demnach auch 14 Tage ins Land gehen.

Produktiver Batchbetrieb steht noch aus

Der Rechner wird im Batchbetrieb genutzt und taugt insbesondere für umfangreiche Berechnungen die mehrere tausend Cores benötigen. Um eine Fragmentierung zu verhindern, sollen zudem große Jobs bevorzugt bearbeitet werden. Wer interaktiv in die Berechnungen eingreifen will, sollte sich zudem nicht weiter als 3.000 bis 4.000 Kilometer vom Rechner entfernt befinden. Bis zu dieser Distanz seien die Latenzen beim Zugriff noch vertretbar.

Wenngleich „Hawk“ bereits offiziell in Betrieb genommen wurde, wird es bis zum produktiven Einsatz noch etwas dauern. Zunächst wurde der Rechner noch mit Kaltwasser angefahren und muss seine Stabilität noch unter Beweis stellen. Spätestens ab 1. Juli soll der Rechner dann aber verfügbar sein und mit der Abwärme seiner Warmwasserkühlung auch Räume in der Universität Stuttgart versorgen können.

Per Private-Public Partnership bereitgestellt

„Hawk“ steht im Höchsleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS) und wird über die Höchstleistungsrechner für Wissenschaft und Wirtschaft GmbH (hww) bereitgestellt. Die hww ist eine Private-Public Partnership zwischen dem Land Baden-Württemberg, dem HLRS, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Porsche und T-Systems.

Finanziert wurde das System im Rahmen des Gauss Centre for Supercomputing (GCS), der Allianz der drei nationalen deutschen Supercomputing-Zentren. Das Baden-Württembergische Wissenschaftsministerium und das Bundesforschungsministerium haben insgesamt 38 Millionen Euro zu dem Projekt beigesteuert.

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, kommentiert: „Mit ‚Hawk‘ können wir in Schlüsselbranchen unseres Landes, in der Mobilität, im Maschinenbau sowie in der Gesundheitsbranche in neue Simulations-Welten vorstoßen. Einer der schnellsten Rechner einer öffentlichen Einrichtung weltweit, der auch der Industrie zur Nutzung offensteht, ist eine kluge Investition in die Zukunft unseres Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts.“

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