Die verschiedenen Plattform-Optionen in der Cloud Schlüsselfaktoren bei der Cloud-Auswahl

Autor / Redakteur: Christian Hübner * / Florian Karlstetter

Bei Unternehmen gibt es heutzutage tendenziell eine der zwei IT-Strategien: die einen planen die Cloud-Strategie bereits und setzen sie schließlich um, die anderen werden bald damit anfangen. Die Optionen, die Unternehmen dabei haben, sind jedoch verwirrend, oft widersprüchlich und in vielen Fällen gefährlich teuer.

Es gibt mehr als einen Cloud-Typ. Christian Hübner, Cloud Architect bei Mirantis erklärt die Unterschiede und zeigt mögliche Einsatzszenarien auf.
Es gibt mehr als einen Cloud-Typ. Christian Hübner, Cloud Architect bei Mirantis erklärt die Unterschiede und zeigt mögliche Einsatzszenarien auf.
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Wie können sich Unternehmen also angesichts dieser Auswahl fokussieren und die ideale Cloud-Lösung für ihre speziellen Bedürfnisse finden?

Die Ermittlung dessen, was man von der Cloud benötigt, bestimmt die Frage, welche Plattform Unternehmen einsetzen sollten. Überlegungen, wie Budget, erwartete Performance und Projektzeitachse müssen sorgfältig abgestimmt werden, bevor man sich ans Werk macht.

Allgemein formuliert, reichen die Plattform-Optionen von der Nutzung der öffentlichen Cloud Dritter, wie Amazon Web Services, bis zum gänzlich neuen Aufbau ihrer eigenen privaten Cloud. Wo in diesem Spektrum ein Unternehmen landet, hängt davon ab, wie es die damit zusammenhängenden Primärfaktoren bewertet.

Im Wesentlichen gibt es sieben Schlüsselfaktoren, die Unternehmen helfen zu klären, worauf es wirklich ankommt und die ihnen ermöglichen, ihre individuellen Cloud-Anforderungen festzulegen. Diese sind:

1. Kontrolle

Wie viel Kontrolle haben Unternehmen über ihre Infrastruktur und ihre Hardware? Man sollte darauf achten, dass die Cloud-Plattform, die ausgewählt wird, das benötigte Kontrollniveau hat.

2. Deployment-Zeit

Wie lange vorher müssen Unternehmen startklar sein? Wie viel Zeit verliert man alleine durch Aussortieren, Bestellen, Stapeln und Bereitstellen der Hardware? Es ist wichtig, dass die ausgewählte Cloud-Plattform innerhalb des richtigen Zeitrahmens eingesetzt werden kann.

3. Verfügbares Knowhow

Sind die einzelnen Mitglieder der IT-Abteilung fähig oder muss ein Expertenteam von einem der großen Cloud-Anbieter abgeworben werden? Wählen Unternehmen eine Cloud-Plattform, die zu dem Knowhow passt, das ihnen zur Verfügung steht – oder das es sich leisten kann einzubringen?

4. Performance

In einem einzigen Server gibt es so viele Komponenten, die die Leistung beeinflussen – vom Speicherbus bis zu Ihrer NIC und allem was dazwischen liegt. Performance steht jedoch in direktem Zusammenhang mit dem Budget – mit einem größeren Budget bekommt man normalerweise auch mehr Leistung. Es gibt allerdings keinen Grund, warum man mit einem kleineren Budget keine Hochleistung bekommen sollte – vorausgesetzt, man wählt die richtige Option aus.

5. Skalierbarkeit

Die Plattform sollte schnell und einfach Platz für Vergrößerungs- oder Verkleinerungsmöglichkeiten bieten. Erfordert die ausgewählte Plattform zum hoch- oder herunterskalieren Stillstandzeiten oder kann sie nahtlos ausgeführt werden?

6. Bindung

Vom vertragsungebundenen “Utility Pricing” bis zur langfristigen Investition in das Eigentum an der gesamten Ausrüstung - je länger Unternehmen gebunden sind, desto höher ist das Risiko.

7. Kosten

Dies ist vielleicht der wichtigste und am schwierigsten einzuordnende Faktor. Man kann ihn als Ergebnis der anderen Faktoren betrachten oder als den ultimativen Begrenzer, der diktiert, wo Zugeständnisse gemacht werden müssen. Es gibt definitiv gute Wege, Geld zu vermehren und gleichzeitig das Risiko zu minimieren, so lange man den Kopf hoch- und die Augen offen hält.

Wenn man sich relativ früh im Prozess der Einführung einer cloudbasierten Lösung mit diesen Faktoren beschäftigt, wird langfristig Zeit, Ressourcen und Budget eingespart. Wenn man sich jedoch damit befasst hat, was die Cloud bieten soll, ist es wichtig, dass man auch den richtigen Cloud-Plattformtyp und die eigenen Anforderungen aufeinander abstimmt. Hierfür gibt es vier Optionen:

Option 1: Die öffentliche Cloud

Die großen Akteure hier sind AWS und RackSpace, aber es gibt noch andere Mitbewerber wie DigitalOcean und Linode. Sie weisen die niedrigste Eintrittsbarriere auf (man benötigt lediglich Netzzugang und eine Kreditkarte), bieten aber auch die geringste Kontrolle und die größten Kostensteigerungen, sobald hochskaliert wird.

Die Preisgestaltung der öffentlichen Cloud entspricht der eines Dienstprogrammes, das die Möglichkeit bietet, nach Bedarf hoch bzw. herunter zu skalieren. Sie eignet sich gut für die Bearbeitung eines hochelastischen Bedarfs, aber es ist wichtig, darauf zu achten, was man alles hochgeladen hat. Bei einer öffentlichen Cloud bekommt man eingeschränkten Zugriff auf die zugrundeliegende Hardware und keine Sichtbarkeit auf das, was sich unter der Cloud verbirgt – allerdings erhält man etwas Flexibilität bei der Konfiguration und der zeitnahen Einführung des Dienstes, ohne dass wirkliche Fachleute eingespannt werden müssen.

Im Allgemeinen werden Unternehmen jedoch eine relativ niedrige Leistung vorfinden und eine Cloud mit höherer Leistung ist mit erheblich höheren Kosten verbunden. Man muss auch davon ausgehen, dass im Gegenzug dafür, dass man nicht an einen Vertrag gebunden sind, im Minutentakt abgerechnet wird. Viele Provider bieten Rabatte bei irgendeiner Art von Bindung, aber dann geben Anwender die Möglichkeit auf, Ressourcen abzustoßen, wenn sie diese nicht mehr brauchen. Darüber hinaus ist der Übergang von einem Cloud-Dienstanbieter zu einer eigenen Cloud mit einem höheren Mehrkostenaufwand verbunden, als der Aufbau einer eigenen Cloud von Beginn an gekostet hätte.

Option 2: Hosted Private Cloud (HPC)

Auf diesem Gebiet gibt es viele bekannte Anbieter, die Optionen von kompletten schlüsselfertigen Umgebungen bis zu kundenspezifischen Ansätzen bieten. Sie stellen die Hardware auf kurzfristiger Mietbasis zur Verfügung und stellen die Verwaltung dieser Hardware in Rechnung. Unternehmen wie RackSpace arbeiten bei der Gestaltung der Umgebung mit dem Interessenten zusammen und bieten Unterstützung bei der Einführung - die bis zu sechs Wochen dauern könnte. Man benötigt mäßiges bis extremes Knowhow und die eigenen durchschnittlichen Nachwuchs-Systemadministratoren werden mit der Nutzung eines solchen Dienstes überfordert sein.

Die Kontrollebenen variieren von hoch bis minimal, je nachdem, wie viel man von der Plattform verwaltet und einsetzt. Der Grad der Bindung variiert ebenso, aber je länger man sich bindet, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine alternative Plattform Sinn macht. HPC ist für elastischen Bedarf und das Hochskalieren innerhalb von sechs Wochen nicht besonders geeignet - und im Allgemeinen gibt es keine „Scale-Down“-Option.

Option 3: Build Your Own Private Cloud (BYPC)

BYPC erfordert ein hohes Maß an technischer Expertise im Unternehmen und stellt diese vor das größte technische und finanzielle Risiko. Man hat jedoch die völlige Kontrolle über das Hardware-Design, das Netzwerk-Design sowie über die Konfiguration der Cloud-Komponenten - aber man muss davon ausgehen, dass es optimistisch geschätzt mindestens ein Jahr bis 18 Monate dauern wird, bis der Vorgang abgeschlossen ist. Die Vorlaufzeit kann mit dem Einsatz von Deployment Tools wie Mirantis OpenStack (MOS) drastisch verkuerzt werden. Diese Tools uebernehmen den größten Teil der normalerweise nötigen Handarbeit bei der Konfiguration und erlauben zudem einen Sanity Check vor dem Deployment.

Die Kosten dafür können bei dem Build-Your-Own-Ansatz niedrig gehalten werden, wenn Performance und Zuverlässigkeit keine Rolle spielen, oder sie können (unnötigerweise) in die Höhe schießen, wenn keine sorgfältig geplanten Entscheidungen getroffen werden. Die Leistung der BYPC hängt komplett von den Budgetbeschränkungen ab und davon, wie erfolgreich die architektonische Planung ist. Der Aufbau einer eigenen Private Cloud ist wesentlich komplexer als gemeinhin angenommen wird. Nicht nur die technische Einrichtung selbst, sondern sogar die Planung und das Design erlauben viele Freiheiten, die aber auch individuelle Gefahren bergen.

Option 4: Private-Cloud-As-A-Service (PCaaS)

PCaaS, wie Mirantis OpenStack Express stellt das beste Gleichgewicht zwischen dem Wert und der Flexibilität der öffentlichen Cloud und der Kontrolle der BYPC dar. PCaaS bietet völlige Kontrolle darüber, wie die Hardware genutzt wird, und dass Hardware mit einer Mindestbindung von einem Tag auf Basis eines rollierenden Vertrags zu 100 Prozent für den Anwender reserviert ist. Infolge der minimalen Bindung, kann sie innerhalb weniger Stunden eingesetzt werden und man hat die Freiheit, die Größe der Umgebung in fast der gleichen Geschwindigkeit hoch und herunter zu skalieren, als wäre das Unternehmen in einer öffentlichen Cloud. Die Kosten sind nur marginal höher als eine vergleichbare Anzahl von VMs in einer öffentlichen Cloud, jedoch in einer Shared-Nothing-Umgebung. Ohne eine langfristige Bindung und mit einer von Anfang an völlig transparenten Preisgestaltung sind die finanziellen Risiken viel niedriger als bei jedem anderen Private-Cloud-Ansatz. Bei PCaaS benötigt man moderate Kenntnisse, aber die Risiken werden durch die Tatsache, dass man sich in einer verwalteten Umgebung befindet, gemindert. Während man bis vor kurzem bei PCaaS noch ziemlich gute OpenStack-Kenntnisse brauchte, haben Entwicklungen, wie Mirantis OpenStack Express, das für den Einsatz von PCaaS erforderliche Wissen drastisch reduziert.

Jede dieser Cloud-Plattformen hat ihre Berechtigung sowie einen echten Sweet Spot, wo dieser spezielle Ansatz die natürliche und gute Wahl für die Geschäftsanforderungen von Unternehmen ist. Wenn Unternehmen ihre Anforderungen und die Frage, wie diese zu den zur Verfügung stehenden Optionen passen richtig abwägen, dann wird der Schritt zur Cloud kein kostspieliger Fehler.

* Christian Hübner ist Cloud Architect bei Mirantis.

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