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UPA bringt World Usability Day in über 200 Orte SAP-Software ohne Schliff ist wie ein Spaten ohne Griff

Redakteur: M.A. Dirk Srocke

Bei weltweit über 200 Veranstaltungen diskutierten am 10. November Fachleute, Studenten und Laien beim "World Usability Day" über die Gebrauchstauglichkeit von technischen Apparaten und Softwareprodukten. CloudComputing-Insider war in Stuttgart vor Ort und erfuhr, warum traditionelle SAP-Produkte so nützlich sind, wie ein Spaten ohne Griff.

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Kostanija Petrovic forderte auf ihrer Keynote gebrauchstaugliche Software.
Kostanija Petrovic forderte auf ihrer Keynote gebrauchstaugliche Software.

Bereits zum siebten mal fand vergangene Woche der World Usability Day (WUD) statt. Ziel des von der Usability Professionals' Association (UPA) initiierten Events war der kreative Austausch von Laien und Experten rund um benutzungsfreundliche Produkte. Zu den über 200 Veranstaltungsorten in 43 Ländern zählte auch der Treffpunkt Rotebühlplatz in Stuttgart.

Den Start des dortigen Vortragsprogramms würzte Kostanija Petrovic mit einem kleinen Rant gegen ihren früheren Arbeitsgeber SAP. Dessen Produkte, so die Präsidentin der German UPA in ihrer Keynote, glichen oftmals einem starken und spitzen Edelstahlspaten, dem es leider an einem Griff fehle: Viel Leistung, aber nahezu unbedienbar. Die im Publikum anwesende Waltraud Ilmberger konterte umgehend in ihrer Rolle als User Interface Designer bei SAP. Mittlerweile kümmerten sich bei dem Walldorfer Unternehmen 200 Mitarbeiter um das Thema. Ergebnis: Produkte, wie Business by Design oder Web Channel, seien deutlich besser zu bedienen als ältere Tools.

Barrierefreie Software nützt allen

Warum das Thema Barrierefreiheit auch für "normale" Anwender relevant ist, erläuterte Prof. Dr. Gottfried Zimmermann von der Hochschule der Medien in Stuttgart im Vortrag "Barrierefreiheit – Was Absolventen der Informatik und Design unbedingt wissen sollten." Dabei löste sich der Akademiker vom medizinischen Bild von Behinderungen und konzentrierte sich auf Anwendungssituationen. Beispiel: Während laute Fahrgeräusche einen gesunden Lkw-Fahrer beim Telefonieren behindern, könne ein Rollstuhlfahrer zu fähigsten Powerusern eines Smartphones zählen. Mit der Vorstellung einiger Personas des AEGIS-Projekts umschrieb der Professor protypische Nutzer mit verschiedensten Handicaps.

Zimmermann warb zudem eindringlich für barrierefreie Designs. Die nützten nicht nur den zehn Prozent der Weltbevölkerung, die als behindert gelten. Alltägliche Geräte wie Telefon, Scanner oder Segway-Roller seien ebenso Ergebnis von Entwicklungen für behinderte Menschen gewesen, wie Filme mit Untertitel oder eBooks, die Text und Ton in einem Format kombinieren.

Erfolg mit "magisch" designten Produkten

Eine durchweg kommerzielle Design-Philosophie vertrat Manfred Dorn, Mitgesellschafter des Designstudios Phoenix Design. In seinem Vortrag "Das magische Produkt. Wenn Qualität anziehend wirkt." verdeutlichte der Experte, was ein begehrenswertes und erfolgreiches Produkt ausmacht. Exemplarisch zeigte der Dorn dabei, wie man Produkte oder Bedienoberflächen auf das Wesentlichste reduziert und wie man den Spagat zwischen überladenen Oberflächen voller Buttons und unübersichtlichen Menütiefen meistert.

Neben 25 Vorträgen und Workshops gab es auf dem Stuttgarter WUD zahlreiche Stände zu den Themen Gebrauchstauglichkeit von Produkten und alternativen Bedienkonzepten. Besucher konnten etwa ein Multi Reality Interface (MRI) ausprobieren, per Spezialanzug in die Haut eines Senioren schlüpfen oder eigene Usability-Tests durchführen. Online-Banking-Dienstleister Fiducia und Softwarehersteller ELO Digital Office evaluierten dabei auch gleich bestehende Lösungen und sammelten Ergebnisse für die Weiterentwicklung eigener Produkte und Dokumentationen.

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