Migrationsleitfaden von Panaya

SAP S/4HANA – Umstieg in vier Schritten

| Autor / Redakteur: Jens Puhle * / Florian Karlstetter

Kleiner Migrationsleitfaden von Panaya unterstützt beim Umstieg auf SAP S/4HANA.
Kleiner Migrationsleitfaden von Panaya unterstützt beim Umstieg auf SAP S/4HANA. (Bild: Panaya)

Der Umstieg auf SAP S/4HANA ist eine komplexe Herausforderung, die praktisch alle Fachabteilungen betrifft. Vor der Migration sollte der Gesamtaufwand valide ermittelt werden. Dazu kommt die Identifikation aller Prozesse und Schnittstellen, die eine gesonderte Anpassung an das neue System erfordern. Unterstützung kommt in Form eines kleinen Migrationsleitfaden von Panaya.

Obwohl der offizielle Hersteller-Support noch bis 2025 garantiert ist, empfiehlt es sich für Unternehmen dennoch, die Ablösung ihrer bisherigen SAP Business Suite nicht auf die lange Bank zu schieben. Denn schon heute hat die Digitalisierung das Marktumfeld in vielen Branchen buchstäblich auf den Kopf gestellt. Ein Beispiel dafür ist das Internet of Things (IoT), das nicht nur neuartige Geschäftsmodelle ermöglicht, sondern auch die Art und Weise der industriellen Produktion grundlegend verändert – Stichwort Industrie 4.0.

Unterwegs zur Realtime Enterprise

Allerdings setzen Business-Szenarien im IoT ein hochagiles ERP-System voraus. Die Software muss insbesondere in der Lage sein, Geschäfts- und Produktionsprozesse nahezu in Echtzeit miteinander zu verzahnen. Dadurch hat die Auftragsbearbeitung jederzeit einen aktuellen Überblick über die momentane Maschinenauslastung – entsprechend flexibel kann sie auf kurzfristige Kundenwünsche reagieren. Auch der Megatrend Big Data führt nur mit einem Echtzeit-fähigen ERP-System zu einem greifbaren Wettbewerbsvorteil – etwa durch personalisierte Ad-hoc-Angebote via App, die exakt auf den gegenwärtigen Bedarf des jeweiligen Kunden zugeschnitten sind.

Derartige Anforderungen einer digitalisierten Realtime-Geschäftstätigkeit standen Pate beim Design der In-Memory-Plattform SAP S/4HANA: Die Lösung basiert komplett auf dem vereinfachten Datenmodell von SAP HANA, sodass sämtliche ERP-Daten permanent im Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Zu Recht wird der Technologiesprung von der SAP Business Suite auf SAP S/4HANA häufig mit dem Wechsel von SAP R/2 auf SAP R/3 verglichen.

Klar muss jedoch sein, dass der Umstieg auf SAP S/4HANA kein regulärer Release-Wechsel ist, sondern eine komplexe Herausforderung, die praktisch alle Fachabteilungen tangiert. Entsprechend hoch wäre bei einem Green-Field-Ansatz auch der Aufwand für ein begleitendes Changemanagement. Vorteilhafter als ein ERP-Komplettneubau auf der grünen Weise dürfte für die meisten Unternehmen daher eine sanfte Migration sein, die über verschiedene Evolutionsstadien zur endgültigen S/4HANA-Implementierung führt. Das aber braucht Zeit – ein weiteres Argument dafür, sich lieber heute als morgen mit der Erarbeitung einer individuellen Migrationsstrategie zu befassen.

Automatisierung minimiert Migrationsaufwand

Vor dem Start des eigentlichen Umstellungsprojekts sollte gewissermaßen in der Phase 0 der Migration deren Gesamtaufwand valide ermittelt werden. Welche Auswirkungen hat die Migration auf kritische Geschäftsprozesse? Welcher Programm-Code ist konkret von der Umstellung betroffen? Grobe Abschätzungen und das sogenannte Bauchgefühl sind angesichts der hohen Komplexität sicherlich keine guten Ratgeber für eine realistische Planung der erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen. Empfehlenswerter ist vielmehr der Einsatz spezialisierter Tools, die wie die CloudQuality Suite von Panaya automatisch alle betroffenen Prozesse und Schnittstellen identifizieren. Auf einer solchen Basis lässt sich der Projektaufwand dann sehr präzise kalkulieren.

Schon seit etlichen Jahren unterstützt die SAP Business Suite den universellen Zeichenstandard Unicode, der die Software-Kodierung von Schriftzeichen aus unterschiedlichen Sprachen vereinheitlicht. Bislang hatten Unternehmen, die vorwiegend auf dem nationalen Markt agieren, wenig Anlass, sich mit Unicode auseinanderzusetzen. Das aber ändert sich mit dem Migrationsprojekt, denn SAP HANA setzt zwingend eine Unicode-Konversion voraus. Diese Code-Transformation gibt deshalb auch die Agenda für die erste Migrationsphase vor. Manuell ist ein solches Unterfangen erfahrungsgemäß kaum zu bewältigen – zumal die wenigsten Unternehmen über einschlägiges Knowhow verfügen. Deutlich weniger Aufwand entsteht auch hier wieder durch den Einsatz automatischer Konversionstools, die zudem potenzielle Fehler in Quellcodes und Dokumenten weitgehend eliminieren.

Rollout verkürzt, Risiken minimiert

In der zweiten Migrationsphase folgt dann die Aktualisierung der Enhancement Packages (EHP) für die SAP Enterprise Central Components ECC 6.0. Dies ist eine Grundbedingung für den Umzug der SAP Business Suite auf die In-Memory-Plattform SAP HANA. Ein sauberes EHP-Update erweist sich immer wieder als entscheidender Erfolgsfaktor, da laut den Erfahrungen von Panaya durchschnittlich 20 bis 30 Prozent aller ERP-Schnittstellen von einem EHP-Upgrade betroffen sind. Zudem kommunizieren drei von fünf SAP-Implementierungen mit bis zu 50 Subsystemen – etliche davon sind Non-SAP-Systeme.

Die Aktualisierung der Enhancement Packages (EHP) spielt bei der Migration auf S/4HANA eine tragende Rolle.
Die Aktualisierung der Enhancement Packages (EHP) spielt bei der Migration auf S/4HANA eine tragende Rolle. (Bild: Panaya)

Umso wichtiger wird der Einsatz spezialisierter Werkzeuge für ein automatisiertes Testmanagement, inklusive einer automatischen Identifikation all jener Prozesse und Schnittstellen, die eine gesonderte Anpassung an die neue EHP-Version erfordern. Typischerweise beanspruchen Regressionstests mehr als die Hälfte der gesamten Rollout-Zeit. Deshalb ermöglicht die erwähnte CloudQuality Suite überdies automatische Regressionsanalysen, mit denen sich die Rollout-Zeitspanne signifikant verkürzen lässt.

Als dritte Migrationsphase bietet sich eine Interimsnutzung der SAP Business Suite on HANA an. Dieses Zwischenstadium auf dem Weg zu S/4HANA bringt bereits viele Vorteile der In-Memory-Plattform von SAP – darunter Echtzeit-Reporting sowie ein einheitliches Nutzungserlebnis über alle stationären und mobilen Endgeräte hinweg dank SAP Fiori UI5. Außerdem können Unternehmen vorab schon Erfahrungen im Umgang mit der HANA-Datenbanktechnologie sammeln und sind somit optimal auf den vierten und letzten Migrationsschritt vorbereitet. Beim abschließenden Wechsel zum finalen S/4HANA-System stehen wiederum professionell geplante Code- und Funktionstests an – wobei automatisierte Tools hier genauso vorteilhaft wirken wie in Phase 3.

Jens Puhle ist Vice President DACH bei Panaya.
Jens Puhle ist Vice President DACH bei Panaya. (Bild: Panaya)

Fazit: Durch eine evolutionäre Migration in vier Phasen können Unternehmen den strategischen Umstieg auf S/4HANA nach Maßgabe ihrer verfügbaren Budgets und Personalressourcen schrittweise vorziehen. Gleichzeitig minimieren sie mit spezialisierten Automatisierungs-Tools sowohl die technologischen Risiken als auch die Gesamtkosten für ihre S/4HANA-Migration.

* Jens Puhle, Vice President DACH bei Panaya

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