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Kommentar von IDC SAP Business ByDesign – Was bringt die Zukunft?

| Autor / Redakteur: Bo Lykkegaard, IDC / Katrin Hofmann

Seit der effektvollen Business-ByDesign-Vorstellung im Jahr 2007 hat SAP die Marketing-Aktivitäten rund um die SaaS-ERP-Suite deutlich zurückgefahren. Inzwischen sehen die Walldorfer ihre kurzfristig Chancen eher in spezialisierten Cloud-Anwendungen.

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Bo Lykkegaard, Research Director, European Enterprise Applications bei IDC EMEA
Bo Lykkegaard, Research Director, European Enterprise Applications bei IDC EMEA
(IDC)

So hat SAP den anfänglichen Fokus auf eine komplette ERP-Suite in der Cloud durch zusätzliche Anwendungen für vier Unternehmensbereiche (LOB = Lines of Business) erweitert: People (SuccessFactors), Customer (SAP Cloud for Sales), Money (SAP Cloud for Financials/Travel) und Supplier (Ariba). Zusätzlich hat der Konzern die HANA Cloud Platform ins Leben gerufen, die 1:1 das Hosting der SAP Business Suite auf HANA erlaubt.

Trotz allem bleibt SAP Business ByDesign jedoch ein Teil der Cloud Strategie. Tatsächlich nutzen einige Unternehmen SaaS-Anwendungen, wie etwa SAP Cloud for Financials/Travel, SAP Cloud for Sales, SAP Cloud for Marketing und SAP Cloud for Service die ByDesign Platform in unterschiedlichem Maße: Während SAP Cloud for Financials eine große Überschneidung mit Business ByDesign hat, übernehmen andere Anwendungen die ByDesign Business Objects, um diese zu erweitern und mit zusätzlichen Funktionen in einem anderen User Interface bereitzustellen.

SAP deckt neben dem Mittelstand, der traditionellen ByDesign-Zielgruppe, zwei weitere Markt-Segmente ab: große Dienstleister sowie Niederlassungen internationaler Unternehmen. Während der Mittelstand primär über Service- und Channel-Partner abgedeckt wird, verkauft SAP in den anderen Marktsegmenten meist direkt. Obwohl das Mittelstands-Segment die größte Kundenzahl aufweist, generiert SAP den größten Business-ByDesign-Umsatz mit Großunternehmen. Zu den ByD Kunden gehören u.a. die Hilti AG, Roland Berger Strategy Consultants und Lufthansa Revenue Services. Hilti und Lufthansa nutzen Business ByDesign, um bestimmte Niederlassungen zu versorgen, während Roland Berger damit sein gesamtes Geschäft, inklusive Kerngeschäft abdeckt. SAPs Branchenfokus für Business ByDesign dreht sich primär um Dienstleister, Großhändler und Fertiger. Partner und Kunden allerdings verkaufen ByD, wo immer sie die Lösung für passend erachten. IDC sind Business By Design-Implementierungen in den unterschiedlichsten Branchen bekannt, wie etwa in der Chemischen Industrie, der öffentlichen Hand, im Sport oder bei den Medien.

Allerdings muß der Markt sich auf einige wichtige Änderungen im Bezug auf die zukünftige Roadmap von Business ByDesign einstellen. Zum einen hat SAP aufgrund der Abkehr von Microsoft vom eigenen Silverlight-Produkt entschieden, schrittweise einige Komponenten vom Silverlight-User-Interface zu HTML5 zu migrieren und damit SAPs globale Strategie umzusetzen, HTML5 als Standard für die zukünftigen UIs zu nutzen. Außerdem wird zukünftig auch Business ByDesign - wie alle SAP-Lösungen - die HANA in-Memory-Datenbank nutzen. Augenblicklich läuft Business ByDesign auf den HANA-Vorgängern T-Rex und MaxDB. Durch die Migration des ByDesign Codes auf HANA erwartet sich SAP eine Steigerung der Performance.

Trotz all dieser Aktivität stellen Beobachter regelmäßig die Frage nach dem Überleben von ByDesign - vor allem dann, wenn die Lösung vom SAP-Management längere Zeit nicht erwähnt wurde, so geschehen im Mai auf der SAPPHIRE.

Trotz der teilweise zurückgefahrenen Kommunikation von Seiten SAP glaubt IDC an die Zukunft von ByD und zwar aus folgenden Gründen: Zum einen ist die Lösung das einzige SAP-Angebot für mittelständische Unternehmen, die nach einer Cloud-ERP-Lösung suchen. Zum anderen läuft eine Reihe von SAPs Saas-Anwendungen auf der ByD Process Platform, wie auch SAP Cloud for Financials/Travel oder SAP Cloud for Sales. Ohne die ByD Engine würden diese Lösungen nicht mehr funktionieren. Außerdem steigt die ByD-Kundenbasis stetig und SAP hat den „Point-of-no-Return“ längst überschritten. Business ByDesign ist ein tragfähiges und wachsendes Geschäft, das sich weiterhin entwickeln wird. Der ByD Deal mit dem australischen Bundesstaat New South Wales allein hatte ein Volumen von rund 14,5 Mio. US$ und IDC rechnet damit, dass das ByD Geschäft bald die magische 100 Millionen Dollar-Grenze erreichen wird.

Als SAP ByD vor sechs Jahren vorstellte, war der Markt sicherlich noch nicht so weit, wie die Walldorfer damals vermuten. Heute allerdings ist SAP ganz vorne dabei, wenn Kunden wie Hilti die ERP-Cloud-Lösung in lokalen Niederlassungen ausrollen. Auch andere SaaS-ERP-Anbieter wie Netsuite hatten Probleme, komplette ERP-Cloud-Lösungen an den Mann zu bringen und haben sich stattdessen auf LOB-Lösungen wie CRM oder Professional Services konzentriert. Außerdem hat SAP sicherlich auch einige Fehler gemacht, die zur Umschreibung der Architektur in den Jahren 2008/2009 und zur Abkehr von Microsoft Silverlight als UI-Basis geführt haben.

Klar ist aus Sicht von IDC, dass SAP diese Lösung konsequenter kommunizieren muss und zwar inklusive Umsatz-Entwicklung, Kundenzahl und Roadmap. Dass die einstigen Ziele mit ByD nicht erreicht wurden, ist allseits bekannt. SAP sollte sich aber davon nicht beirren lassen und offener mit Informationen zu Business ByDesign und dem Geschäft dahinter umgehen.

SAP waren der erste Anbieter im SaaS-basierten ERP-Markt und hat sich dabei manchmal eine blutige Nase geholt. Trotzdem ist IDC davon überzeugt, dass SAP auch eine Reihe von Vorteilen hat, da die Lösung eine größere Reife und eine bessere Marktabdeckung mit lokalisierten Lösungen bietet. Als erstes Unternehmen in diesen Markt zu gehen, war risikobehaftet und letztendlich auch teuer. Allerdings kann sich SAP, wie auch im in-Memory-Markt, dafür als Innovator feiern lassen.

Bo Lykkegaard ist Research Director bei IDC und verantwortlich für den europäischen Enterprise Applications-Markt – insbesondere für die Bereiche ERP-, CRM-, HR- und Payroll-Anwendungen. Im Rahmen seiner Aufgabe beschäftigt sich Bo besonders mit Marktanalyse, Wettbewerbsanalyse, TCO- und RoI-Analysen sowie Anwenderumfragen und der Erstellung von Case Studies.

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