DSAG-Technologietage 2014: Aufbruch in neue Technologiewelten SAP-Anwender fordern Ausrichtung der Innovationen am Business

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Die diesjährigen Technologietage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe stießen bei den 1950 Besuchern auf der Messe Stuttgart auf großes Interesse. Die Veranstaltung war laut DSAG ausverkauft. Unter dem Motto "Level completed?" stellten die Anwender entsprechend selbstbewusst klare Forderungen an ihren bevorzugten Technologielieferanten: "Customer first!"

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Besuchermagnet DSAG-Technologietage: 1.950 Teilnehmer sind nach Stuttgart ins Internationale Congresscenter gekommen, um bei der zweitgrößten Veranstaltung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. dabei zu sein.
Besuchermagnet DSAG-Technologietage: 1.950 Teilnehmer sind nach Stuttgart ins Internationale Congresscenter gekommen, um bei der zweitgrößten Veranstaltung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) e.V. dabei zu sein.
(Bild: DSAG / Messe Stuttgart)

So mancher SAP-Kunde fühlt sich vom hohen Innovationstempo der Walldorfer überfordert. Zwar werden immerhin zahlreiche neue SAP-Technologien wie In-Memory, Cloud und Mobile-Lösungen erprobt, doch die Anwender lassen dabei ihr eigenes Tempo walten, nicht das von SAP: Sie suchen jeweils ihren entsprechenden Business Case. Deshalb forderte Andreas Giraud, DSAG-Vorstand für Technologie, in seiner Keynote: "SAP muss Unternehmen dabei helfen, Innovationen hinsichtlich ihrer Relevanz und der möglichen Implikationen einzuordnen und nicht die Innovation um der Innovation willen pushen."

Andreas Giraud, Vorstandsmitglied für Technologie bei der DSAG e.V.
Andreas Giraud, Vorstandsmitglied für Technologie bei der DSAG e.V.
(Bild: DSAG)
Dabei stellte sich auch die Frage, ob alle Innovationen auch von den Wartungsverträgen abgedeckt werden. Das ist nämlich nicht der Fall, machte Andreas Giraud deutlich: "Die SAP ist bestrebt, für die neuen SAP Fiori Applikationen Geld zu verlangen. Die Fiori-Apps sind lizenzpflichtig." Für die Anwender bedeute das, dass eine bestehende Business-Funktion, etwa aus dem Finanzbereich, technisch aktualisiert vorhanden sei, dass dann aber morgen dafür Geld bezahlt werden müsse.

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Dass dies nicht im Sinne der SAP-Kunden sein kann, sorgt für Diskussionen bei den Anwendern. Sie wollen nicht für etwas zur Kasse gebeten werden, das ihnen laut Wartungsvertrag sowieso zustünde. Andreas Oczko, DSAG-Vorstandsmitglied für Support und Service, wurde deutlich: "Wenn man alte Preis- und Konditionenlisten anschaut, die ja Teil der Kundenverträge sind, steht ganz klar drin: 'Bestandteil der Standardwartung ist die Anpassung an aktuelle Technologien.'" Die DSAG fordert daher im Namen ihrer Mitglieder: "Diese Aktualisierungen müssen durch die Wartung abgedeckt sein."

Dringend notwendig: Harmonisierung und Konsolidierung

Eine wesentlich fundamentalere Forderung richtete Giraud an SAP, als er dazu riet, IT-Architekturen "informationszentriert" auszurichten. Der Grund sei einer, mit dem immer mehr SAP-Kunden zu kämpfen haben und der einen der Investitionstreiber darstellt: "Sie müssen die Qualität ihrer Stammdaten erhöhen, die Daten höherwertiger und zentraler verfügbar machen." Die Konsequenz daraus besteht in der Notwendigkeit für Harmonisierung und Konsolidierung vor allem der zentralen ERP-Anwendungen aus dem Hause SAP. Die DSAG hat seit Jahren genau diese Vereinfachung gefordert und u.a. dafür die Gruppe "Enterprise Architecture" ins Leben gerufen.

"ERP stellt das Brot-und-Buttergeschäft der SAP-Anwenderunternehmen dar", erläutert Giraud. "Gründe für die notwendige Harmonisierung und Flexibilisierung von SAP ERP sind einerseits Unternehmenszu- und verkäufe, aber auch von Ein- oder Ausgliederung von Unternehmensteilen." Die Unternehmen sähen entsprechende Kosteneinsparungen, wenn sie ihre Systemlandschaften vereinfachen, wenn sie Stammdaten harmonisiert bekommen und sie Geschäftsprozessunterstützung in den Standard zurückführen können. Entscheidend sei aber, dass man an der Qualität der Stammdaten arbeitet: "Wenn ich als Kunde mit mobilen Lösungen nach außen gehe oder auf HANA migriere, dann wird die Datenqualität ganz unmittelbar sichtbar." Denn die mobilen Lösungen sollen ja schließlich schnell und fehlerfrei bedient werden können.

DSAG-Investitionsumfrage 2014

Dies stimmt mit den Ergebnissen der aktuellen Investitionsumfrage der DSAG überein, die sie kürzlich veröffentlichte. Die allgemeinen IT-Investitionen fließen demnach zum Großteil in Harmonisierung und Konsolidierung von IT-Landschaften sowie in die Unterstützung mobiler Geschäftsprozesse. Beide Bereiche stehen mit je 75 Prozent Zustimmung seitens der IT-Leiter ganz oben auf der Agenda.

Zu den weiteren Schwerpunkten der SAP-Budgets zählen neben ERP auch Lösungen im Analytics-Umfeld wie Business Intelligence und Business Warehouse. "Die mobilen Anwendungen der SAP liegen erstmals auf Rang drei mit 34 Prozent", erklärt Giraud. "Auf den weiteren Plätzen folgen BusinessObjects mit 27 Prozent, CRM und SRM mit 25 Prozent, das SAP NetWeaver Portal mit 23 Prozent und SAP HANA mit 18 Prozent." Mehrfachnennungen waren möglich.

Widersprüchliches Cloud-Geschäft

Und die Cloud? Hier zeigte sich eine interessante Diskrepanz. Zwar halten 34 Prozent der befragten IT-Leiter Cloud-Lösungen allgemein für interessant. Doch die Investitionen in die SaaS-Lösungen von SAP machen gerade mal 3 Prozent des Budgets für SAP-Anwendungen aus. (Es gibt ja auch hohe Aufwendungen für Beratung und Hardware).

Dies lässt mehrere Interpretationen zu: "Da findet wirklich kaum was statt", konstatiert Giraud nüchtern. Schon 2013 wurde seitens der von der DSAG deutschsprachigen Befragten an SuccessFactors & Co. etwa kaum Interesse gezeigt. In den Schwellenländern wie China, Afrika und dem Mittleren Osten (von Arabien bis Indien) könnte das Interesse größer sein. Hierzu liegen der DSAG aber keine Zahlen vor. Zweitens liegt für den Schreiber dieser Zeilen der Schluss nahe, dass die deutschsprachigen IT-Leiter lieber in die SaaS-Lösungen anderer Hersteller investieren, etwa in Salesforce.

Bei der Umfrage stellte sich zudem heraus, dass die SAP-Budgets in 2014 zwar um 6 Prozent steigen, dieser Wert jedoch eine Halbierung des Wachstums von 2013 (11,2 Prozent) darstellt. Auch die gesamten IT-Budgets liegen mit 2,1 Prozent Zuwachs weit unter dem Wert von 5,9 Prozent in 2013. Der Schluss liegt erneut nahe, dass SAP seine Zuwächse eher in den Schwellenländern wie den BRIC-Staaten finden wird als in der alten Heimat.

Änderungen an der Technologiebasis

In der Keynote von Bernd Leukert, als Mitglied des globalen Vorstandes der SAP zuständig für Innovationen, wurde bereits angedeutet, wie die Walldorfer die von ihren Kunden und der DSAG geforderte Vereinfachung des SAP-Technologie-Stapels angehen wollen. Andreas Giraud fasste die Ausführungen Leukerts zusammen: "Das nach innen gerichtete Datenmodell in SAP ERP ändert sich dramatisch, wenn Tabellen wegfallen." Und auch an ABAP soll es Änderungen geben.

Giraud beruhigte die Kunden: "Aber nach außen gerichtet ermöglichen sogenannte 'Views', dass bestehende Programme sich von außen nach innen so verhalten können, als habe es keine Änderungen gegeben." So werde gewährleistet, dass das, was bisher funktioniert hat, auch zukünftig funktioniert - oder der Übergang nachvollziehbar dargestellt wird. "Der Vorteil besteht darin, dass sich die Architektur dahingehend vereinfacht, dass der Nutzer von der Beschleunigung der Abläufe profitiert, besonders in SAP Business Suite on Hana." Denn an diesem Produkt bestehe ein gewisses Interesse unter den Kunden.

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