„Subscription only“ für Neukunden Sage Software setzt 2016 vermehrt auf SaaS

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Auf seinen Partnertagen in Mainz stellte der ERP-Spezialist Sage Software kürzlich sowohl neue Lösungen als auch überarbeitete Kernprodukte vor. Sie kommen 2016 auf den Markt.

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Sage-Kunden sollen zwischen festinstallierten Desktop- und cloud-basierten Online-Produkten wählen können.
Sage-Kunden sollen zwischen festinstallierten Desktop- und cloud-basierten Online-Produkten wählen können.
(Bild: Sage)

Felder für Wachstum und Innovation sind künftig die Cloud und Mobility. Die Produkt-Strategie verfolgt das Ziel, den Kunden die Wahlmöglichkeiten zwischen festinstallierten Desktop- und cloud-basierten Online-Produkten zu geben. Drittanbieter-Apps müssen sich sowohl mit den Cloud-Apps von Sage als auch mit Sage-Desktop-Lösungen integrieren. Überraschung für die deutschen Vertriebspartner: Neukunden bekommen ab 1. April 2016 nur noch das Subskriptionsmodell angeboten.

Modernisierung der Kernprodukte

Sage will mehr Investitionen in Produktmodernisierung und Innovation bei seinen Kernprodukten wie der Office Line, der HR- und der CRM-Suite tätigen. Nach Angaben Rainer Downars, dem neuen Executive Vice President Central Europe bei Sage, der Peter Dewald abgelöst hat, peilt sein Unternehmen für 2016 ein „deutlich höheres Umsatzwachstum als im letzten Jahr“ an. Diese Umsätze sollen u.a. in die Produktmodernisierung einfließen.

Rainer Downar, Executive Vice President Central Europe, Sage.
Rainer Downar, Executive Vice President Central Europe, Sage.
(Bild: Sage)

Sage verfügt derzeit über diverse On-premise-Lösungen: Dazu gehören etwa die Kernprodukte Sage 50 und Sage Office Line, die Sage Personalwirtschaft sowie die CRM-Suite, aber auch Pakete für Handwerker, Freiberufler und Kleinbetriebe. Die SaaS-Software, die es im Cloud-Abo zu mieten gibt, umfasst u.a. Sage One für kleine Unternehmen und Start-ups, die Office Line 24 und die Sage Office Online für KMU, Sage Entgelt & Personal für das Personalmanagement, sowie die Cloud-ERP-Suite für mittelständische Unternehmen Sage X3 Cloud. Letztere kommt 2016 auf den hiesigen Markt. Die ebenfalls für 2016 angekündigte SaaS-Lösung Sage Live ist eine integrierte Finanzbuchhaltung basierend auf der technischen Salesforce-Plattform Force1. „Sage Live werden wir 2016 auch in Deutschland einführen“, sagte Downar. Eine weitere SaaS-Lösung für Steuerberater und Buchhaltungsbüros, Sage Impact, ist ebenfalls noch nicht auf dem deutschen Markt erhältlich.

Matthias Laux, Director Corporate Technology, Sage.
Matthias Laux, Director Corporate Technology, Sage.
(Bild: Uwe Noelke / Sage)

Director Corporate Technology Matthias Laux stellte den Vertriebs-Partnern u.a. einige moderne Benutzeroberflächen mit Responsive-Design-Elementen basierend auf HTML5 vor. Zudem präsentierte er überarbeitete Software-Funktionen und mobile Apps, die sich mit dem aktuellen technischen Standard messen lassen können, der u.a. von Microsoft und Salesforce, zwei strategischen Technologiepartnern von Sage, etabliert worden ist.

Viele Funktionen der Sage-Angebote sind bereits mobil auf dem Tablet oder auf dem Smartphone nutzbar. Sage Reports etwa – eine Analytik-Software für kleine und mittlere Unternehmen – läuft schon auf dem iPad, ebenso Sage Customer View, das auch auf Android-Geräten zu bedienen ist. Ein Sage Scoreboard findet der Sage-Kunde bereits auf der Apple Watch. Das Thema Analytics wird also durchaus abgedeckt und ist häufig schon in die ERP-, Warenwirtschafts- und Buchhaltungslösungen integriert.

Erweiterte Anpassungsmöglichkeiten

Zwei neue Versionen des Anpassungswerkzeuges AppDesigners sollen bis März beziehungsweise Juni 2016 verfügbar sein und die Neuerungen an der Benutzeroberfläche und Benutzerführung ermöglichen. Responsive Design mit HTML5 ist ebenso selbstverständlich wie eine mobile Benutzerführung, die intuitiv verständlich ist. Die Ziele von Matthias Laux sind höhere Kundenbindung und Kundenzufriedenheit in der Arbeit mit den Kernprodukten. Dabei legt er auch starkes Gewicht auf das Thema User Experience. Zudem will er in Zusammenarbeit mit dem Technologiepartner Microsoft an einer cloud-basierten API-Infrastruktur für die Sage Office Line arbeiten. Das Ziel dabei ist langfristig die Etablierung eines API-Marktplatzes und eines zugehörigen Partner-Ökosystems mit neuen Geschäftsmodellen, erklärt der Technik-Chef.

Die letzten Tage von Microsoft Access

Die Office-Datenbank Microsoft Access bildet den Kern vieler Komponenten der Office Line. Aber die Tage von MS Access als Basis für Anpassungen innerhalb der Office Line sind offenbar gezählt. Der Grund ist der, dass diese Technologie auch bei Microsoft nicht mehr im Fokus steht und es modernere Technologien gibt, die bereits seit Jahren auch in der Office Line eingesetzt werden. Microsofts Support für Access endet 2018. „MS Access wird hier jedoch nicht komplett abgelöst, da es sich nicht ohne massiven Aufwand komplett entfernen lässt“, sagt Matthias Laux. MS Access lasse sich jedoch sehr wohl funktional und vor allem aus Sicht des Anwenders ersetzen, und genau darauf setzt Sage. „Mit dem AppDesigner ist die Entwicklung neuer Funktionalitäten und Erweiterungen in der OfficeLine mit modernen Technologien möglich“, weist Laux hin. Dies werde von Sage noch stärker fokussiert werden, sodass auch alle Neuentwicklungen wie beispielsweise die neue Belegerfassung mit dem AppDesigner erfolgen können. Daher empfiehlt Laux Kunden und Partnern, mit den neuen Versionen des AppDesigner verstärkt diesen Weg zu gehen.

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Nur noch Subskription

Sage will zum 1. April 2016 den SMB-Vertrieb durch deutsche Partner auf das Subskriptionsmodell umstellen. Dies betrifft indes nur Neukunden, während Bestandskunden weiter in den bestehenden Wartungsverträgen bleiben, die für die Partner sozusagen die Cash-Cow darstellen. „Subskription ist lediglich ein Zahlungsmodell und es handelt sich nicht um Cloud-Abos“, präzisiert Frank Niemann, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen PAC. Dieses hat eine entsprechende Studie unter deutschen ERP-Nutzern durchgeführt, die bei 60 Prozent der Befragten eine Akzeptanz gegenüber dem Subskriptionsmodell ergab.

In Frankreich sei es laut Sage bereits seit sechs Jahren gang und gäbe, ERP-Software im Mietmodell zu beziehen, und deutsche Sage-Partner wie etwa Weko Informatik wussten über Subskriptionen nur positive Effekte zu berichten. „Subskriptionen“, so warnt Niemann, „vergrößern aber den Anwendungssoftware-Markt in Deutschland nicht; sie verlagern ihn.“ Während der Markt für Anwendungssoftware von rund 12 Mrd. Euro laut PAC jährlich um rund drei Prozent wächst, legt der Subskriptionsmarkt aber bei einem Marktvolumen von rund 1,6 Mrd. Euro um 27 Prozent jährlich zu. „Der Anbieter Sage muss seine Partner und deren Kunden durch Transparenz in puncto Konditionen überzeugen, durch guten Support und die Motivation der Partner“, rät er.

Hohes Marktpotenzial

Im deutschen Mittelstand sieht Rainer Downar im Bereich Unternehmenssoftware noch sehr viel Potenzial. Laut Marktstudien arbeiten keineswegs alle KMU mit ERP-Software, sondern schlagen sich noch mit Microsoft Excel und anderen Tools durch. Sages KMU-Zielmarkt besteht zu 75 Prozent aus Firmen, die zwischen 20 und 99 Mitarbeiter aufweisen. Sage will in diesem Bereich die Anzahl seiner Neukunden im aktuellen Geschäftsjahr mehr als verdoppeln. „Der Cloud-Markt wächst laut IDC-Angaben von 2014-2017 um 197 Prozent, und darin sowie im Subskriptionsmarkt sehen wir für unsere Partner entsprechendes Potenzial“, so Downar.

Ausblick

„Sage wird sich weiter internationalisieren“, meint Frank Niemann, „die Organisation weiter straffen und das Thema ‚Subskription‘ in den Markt hineintragen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür, denn Sage steht derzeit noch nicht unter großem Druck. Viel schwieriger wäre ein solcher Schritt in Zeiten, in denen das bestehende Geschäft bröckelt.“ Es gebe wirklich noch Marktpotenzial für das Subskriptionsgeschäft und auch andere Softwarehäuser gingen diesen Weg.

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