DSAG Investitionsumfrage 2017

S/4 HANA und die HANA-Cloud überzeugen erst wenige DSAG-Mitglieder

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Florian Karlstetter

DSAG-Investitionsumfrage 2017: Über 60 Prozent der Budgets der befragten Mitglieder der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) fließen in die Digitalisierung. Bezüglich S/4HANA muss noch Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit geleistet werden.
DSAG-Investitionsumfrage 2017: Über 60 Prozent der Budgets der befragten Mitglieder der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) fließen in die Digitalisierung. Bezüglich S/4HANA muss noch Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit geleistet werden. (Bild: © Maksym Yemelyanov - Fotolia.com)

Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle sind die diesjährigen Investitionsschwerpunkte der SAP-Anwender. Auf S/4 HANA will ein Drittel der Mitgliedsunternehmen innerhalb von drei Jahren umsteigen. Zwei Drittel sind hingegen noch unentschlossen oder warten ab. Das zeigt die Investitionsumfrage der SAP-Anwendervereinigung DSAG.

Von ihrem Flaggschiff muss die SAP die Anwender noch überzeugen: Laut der Investitionsumfrage der DSAG planen momentan 16 Prozent der befragten Mitgliederunternehmen, massiv in S/4HANA zu investieren. Für 50 Prozent ist diese Lösung allerdings keine Alternative zur Business Suite. Die österreichischen DSAG-Mitglieder teilen diese Zurückhaltung. Die Schweizer sind progressiver. Über ein Fünftel der Unternehmen investiert dort umfassend in S/4HANA. Generell sind im deutschsprachigen Raum nach wie vor Investitionen in klassische Produkte für über die Hälfte der DSAG-Mitglieder wichtig.

S/4 HANA überzeugt bislang 2 Prozent der Unternehmen

Auch bei den Umstiegsambitionen von der Business Suite in Richtung S/4HANA liegen die Zahlen eher niedrig: Bislang setzen im deutschsprachigen Raum 2 Prozent der Unternehmen auf S/4HANA. Schweiz und Österreich haben mit jeweils 8 Prozent die Innovations-Nase vorne. „In den nächsten drei Jahren wird voraussichtlich ein Drittel der DSAG-Mitglieder umgestiegen sein“, prognostiziert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck. „Ein weiteres Drittel bleibt hingegen längerfristig bei der Business Suite.“ Das übrige Drittel habe noch keine Entscheidung bezüglich des Umstiegs getroffen und sei unentschlossen.

Die Einschätzung der DSAG zu den Migrationen auf S/4 HANA decken sich mit den Prognosen von Lars Landwehrkamp, CEO des SAP-Partners All for One Steeb. Dort läuft zwar das Neukundengeschäft inzwischen fast ausschließlich mit S/4 HANA. 2017 hält der SAP-Partner allerdings keinesfalls für das Jahr der großflächigen Bestandskundenmigrationen.

An der Online-Umfrage der DSAG zum Investitionsverhalten haben zwischen November 2016 und Januar 2017 insgesamt 269 CIOs und Unternehmensvertreter aus Mitgliedsunternehmen im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Knapp 60 Prozent der Teilnehmer kommen aus Unternehmen zwischen 1.000 und 4.999 Mitarbeitern, fast 30 Prozent aus Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern. Aus der Schweiz nahmen 24, aus Österreich 25 Unternehmen teil.

Bei Cloud-Lösungen herrscht Zurückhaltung

Beim Thema Cloud zeigen sich DSAG-Mitglieder traditionell zurückhaltend. Hauptinvestitionen in diesem Bereich werden in der Umfrage kaum genannt. Im mittleren Investitionsbereich stehen Success Factors, Hybris, die HANA Cloud Platform, Ariba und Concur im Fokus. In Österreich wird die HANA Cloud Platform stärker nachgefragt als in den Nachbarländern. Im deutschsprachigen Raum nimmt das Produkt erst langsam Fahrt auf: „Die geplanten Ausgaben für die HANA Cloud Plattform stehen im Zusammenhang mit Investitionen in neue Geschäftsmodelle im Rahmen der Digitalisierung“, resümiert Lenck. „Unternehmen modellieren damit insbesondere unternehmensübergreifende Prozesse und binden Kunden und Geschäftspartner ein.“

Generell würden Unternehmen die SAP-Cloud-Module dazu nutzen, bestehende On-Premise-Lösungen funktional zu erweitern. Die Bezahlmodelle für die Cloud-Lösungen sind laut Lenck allerdings noch nicht flexibel genug: „Wir fordern flexible Lizenzen, die sich nach dem Nutzen bemessen, und bei denen Unternehmen sich nicht für mehrere Jahre im Voraus festlegen müssen.“

Auch die Beobachtungen der DSAG in Sachen Cloud decken sich mit denen des SAP-Partners All for One Steeb: „Unsere Kunden aus dem Maschinenbau und der Zulieferindustrie haben typischerweise sehr komplexe Geschäftsprozesse, die sie eins zu eins in ihrem IT-System abbilden wollen“, berichtet CEO Landwehrkamp. „Das Kernsystem läuft bei diesen Unternehmen stets im hauseigenen Rechenzentrum oder in einer Private Cloud. In der Public Cloud laufen allenfalls standardisierbare Systemteile wie etwa das Human-Resource-Modul.“

Handel und Dienstleistungen führen bei der Digitalisierung

Ausgaben für die Digitalisierung rangieren bei DSAG-Mitgliedern weit oben. Im deutschsprachigen Raum fließen über 60 Prozent der IT-Budgets in die digitale Transformation. Die Schweiz erobert mit 70 Prozent die Innovationsführerschaft. Über 50 Prozent der Teilnehmer schätzen in Zusammenhang mit der digitalen Transformation Investitionen in bestehende Geschäftsprozesse als wichtig bis sehr wichtig ein. „Die Unternehmen investieren in bestehende Geschäftsprozesse und digitalisieren diese“, erläutert DSAG- Lenck das Ergebnis. „Etwas über 40 Prozent messen diesen Investitionen eine mittlere Bedeutung zu.“

Geht es im Zuge der digitalen Transformation es um Investitionen in neue Geschäftsmodelle, schwächt sich das Bild leicht ab. 36 Prozent der Befragten schätzen diese Investitionen als wichtig bis sehr wichtig ein. Dieser Wert ist im Vergleich zur Befragung von 2016 konstant geblieben. Etwas weniger als ein Drittel der Unternehmen ist noch eher klassisch unterwegs und misst der Digitalisierung keine so hohe Bedeutung bei. Im Branchenvergleich zeigen sich klare Unterschiede: In Handel und Dienstleistung erachten 17 Prozent der Unternehmen Investitionen in neue Geschäftsmodelle als sehr wichtig , in der Produktion sind es lediglich 10 Prozent. „Handel und Dienstleistungen stehen unter Druck und spüren das geänderte Nutzerverhalten der Verbraucher als erstes“, kommentiert Lenck. „Um morgen am Markt noch relevant zu sein, müssen sie mit der Digitalisierung vorangehen.“

SAP-Budgets steigen um fast 5 Prozent

Bei den IT-Budgets im deutschsprachigen Raum herrscht Aufbruchstimmung. Sie steigen bei DSAG-Mitgliedern um fast 5 Prozent, das sind über 3 Prozentpunkte mehr als 2016. In Österreich verdoppeln sich die IT-Investitionen im Vergleich zu 2016 auf über 8 Prozent. Schweizer Unternehmen vermelden einen Rückgang um 2 Prozent. Betrachtet man die reinen SAP-Ausgaben, kehrt sich diese Zurückhaltung um und die Budgets steigen um über 3 Prozent. Noch im Vorjahr lag dieser Wert bei knapp 6 Prozent.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44500231 / Verbände und Initiativen)