Startup für Enterprise Performance Computing

Rstor fordert die großen Cloud-Anbieter heraus

| Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Florian Karlstetter

Rstors hauseigene Fabric erlaubt es, Daten auch über weite Strecken mit LAN-Geschwindigkeit zu transferieren. Mit dem Module „Orchestrate“ können Anwender ihre rechenintensiven Arbeitslasten so verteilen, wie sie es benötigen: im eigenen Rechenzentrum oder alleine oder gemeinsam beim Cloud-Serviceprovider. Dabei ist auch die Nutzung von Supercomputer-Power möglich.
Rstors hauseigene Fabric erlaubt es, Daten auch über weite Strecken mit LAN-Geschwindigkeit zu transferieren. Mit dem Module „Orchestrate“ können Anwender ihre rechenintensiven Arbeitslasten so verteilen, wie sie es benötigen: im eigenen Rechenzentrum oder alleine oder gemeinsam beim Cloud-Serviceprovider. Dabei ist auch die Nutzung von Supercomputer-Power möglich. (Bild: Rstor)

Das Startup-Unternehmen Rstor will das Cloud Computing revolutionieren und insbesondere den Anwendern wieder mehr Kontrolle über ihre Daten geben und sie für das Hochleistungs-Computern tauglich machen.

„Wir glauben, dass das Cloud-Servicemodell kaputt ist und es verdient, zerstört zu werden.“ Mit diesen markigen Worten tritt das Management von Rstor an die Öffentlichkeit, die sich gerade mit der Tatsache abfindet, dass es ohne Cloud-Computing nicht mehr geht.

Dabei sind die Top-Manager des Startups aus dem kalifornischen Saratoga keine überspannten Uni-Absolventen sondern altgediente IT-Spezialisten. Giovanni Coglitore, Gründer und CEO der Company, leitete unter anderem von 2010 bis 2015 die Facebook-Labs und das Hardware-Team, das die Open Compute Designs entwickelte, auf denen Facebook heute läuft. 1999 gründete er bereits seine zweite Firma, Rackable Systems, die Designs für Hyperscale-Server, Speicher und Rechenzentren entwarf. Rackable Systems gelang 2009 ein Aufsehen erregender Coup als es für 42,5 Millionen Dollar die bankrotte Silicon Graphics Inc. übernahm. 2016 wurde das Gesamtpaket – Rackable Systems und SGI – für 285 Millionen Dollar an Hewlett Packard Enterprise verkauft. Kein Wunder, dass der erfolgreiche Manager keine Probleme hatte, Venture Capital für Rstor zu beschaffen. In einer ersten Runde soll das 2017 gegründete Startup 45 Millionen Dollar eingesammelt haben, den Löwenanteil (wenn nicht alles) hat Cisco beigesteuert.

Die junge Company hat vor allem die großen Cloud-Anbieter wie AWS, Azure und Google im Visier, die ihre Kunden zweimal bezahlen lassen: einmal für die Datenspeicherung und ein zweites Mal für die Nutzung der Daten. „Anwender, die mehrere Clouds nutzen zahlen auch mehrfach“, mahnt Rstor. Hinzu komme noch die Gefahr der Anbieterbindung. Rstors neuartige Architektur will das Alles abschaffen und die Vorteile einer Cloud-, Edge- und Hybrid-IT besser nutzen und im Prinzip dem Anwender wieder die Kontrolle zurückgeben.

Eine neuartige Anbindung an die Cloud: Rstor Multicloud Platform

Die Rstor-Ingenieure haben sich die wichtigsten Computing-Ebenen angeschaut und neu gestaltet: Container, Netzwerke, Speicher und Rechnerressourcen. Nach eigenen Angaben entstand daraus „das schnellste Software-definierte Netzwerk der Welt“, das sie mit den Clouds von AWS, Azure und Google verbunden haben. Außerdem wurden ein Datenspeichersystem und ein Datenplatzierungssystem im Netzwerk integriert. Zudem haben sie eine Methode entwickelt, die ungenutzte Rechnerressourcen sammelt und aggregiert und schließlich wurde ein universeller Container und Orchestration-Layer gebaut. Damit sollen Anwender selbst entscheiden können, wo sie ihre Daten speichern und mit welchen Rechnern sie sie verarbeiten wollen.

Das Kernstück von Rstors „Multicloud Platform“ ist die hauseigene Network Fabric, die Ressourcen auch in weit entfernt voneinander gelegenen Rechenzentren mit geringer Latenzzeit verbindet. Die Company behauptet, Daten bis zu 30 mal schneller transferieren zu können als mit herkömmlichen Techniken. Zudem soll man sich die Datenreplikation sparen, weil die Rechenressourcen an die Daten herangebracht werden statt umgekehrt. Wie das genau funktioniert wollte Rstor nicht verraten, nur, dass man durch bestimmte Mechanismen den „Overhead“ beim Transport über ein WAN abgetrennt hat und so auch über weite Strecken Transferzeiten wie im LAN erreicht.

Diese Funktionen werden unter dem Namen „Connect“ angeboten. „Connect ist ein Netzwerk mit großer Bandbreite und geringen Latenzzeiten, das zwischen privaten Rechenzentren, Public-Cloud-Serviceprovidern und der Multicloud Plattform von Rstor gespannt ist“, beschreibt Rstor die Technik. Ergänzt wird das neuartige Netzwerk von einem „hyper-distributed“ Speicherservice. Die Speicherressourcen dafür hat Rstor bei Equinix ausgelagert. Anwender sollen aber sicher darauf zugreifen können. Das Startup glaubt, damit eine neue Form von Hybrid-Cloud-Topologie entworfen zu haben.

Enterprise Performance Computing

Für neuartige, rechenintensive Aufgaben wie Künstliche Intelligenz, Echtzeitanalysen oder dem Internet of Things werden immer häufiger Supercomputer eingesetzt. Rstor kann auch diese Ressourcen einbinden, gemäß dem selbst gesteckten Ziel: Jeden Prozessor vom Typ x86, ARM, Power oder GPU als Cloud-Knoten nutzen zu können. Dann entsteht das, was die Company „Enterprise Performance Computing“ (EPC) nennt, die Verschmelzung von High Performance Computing (HPC) mit herkömmlicher Unternehmens-IT. Es bestehen Kooperationen mit Supercomputer-Zentralen wie San Diego Supercomputer Center oder Texas Advanced Computer Center deren Ressourcen sich in Rstors Plattform einbinden lassen.

Damit das möglich ist, musste zum einen ein Mechanismus gefunden werden, der es erlaubt, dass Anwendungen und Daten auf unterschiedlichen Plattformen ablaufen können. Zum anderen sollten sich ungenutzte Ressourcen sicher in eine hoch verteilte Cloud-Umgebung überführen lassen. Als Königsweg für die Lösung beider Probleme stellte sich die „Containerisierung“ heraus, also das Verpacken in Container, die sich schnell und sicher transportieren lassen. Man entschied sich für die Container-Lösung „Singularity“, die von einem anderen Startup – Sylabs.io – entwickelt wurde. Rstor vermarktet diese Technik unter dem Namen „Secure“.

Secure: Container für HPC und Enterprise-IT

Bereits seit 2015 entwickelt Gregory Kurtzer – zunächst an den Lawrence Berkley National Labs (LBNL) - die Singularity-Container. Die quelloffene Software für die Virtualisierung auf Betriebssystemebene war anfangs nur für das High-Performance-Computing gedacht und wurde von der HPC-Gemeinde gleich akzeptiert. Entwicklungschef Kurtzer verließ die LBNL und die gründete 2016 das Startup Syslabs.io. Die Linux-basierende Software bleibt open source aber Kurtzer und sein Team entwickeln es in Richtung Enterprise Computing weiter. Damit passt die Entwicklung perfekt zu Rstors Bemühungen, die beiden Bereiche verschmelzen zu lassen. Nicht umsonst sitzt Rstor-Chef Coglitore auch im Leitungsteam von Sylabs.io.

„Wir liefern sichere Container für Unternehmen, die einen Multicloud-Ansatz verfolgen“, beschreibt Kurtzer seinen Markt. Das Prozedere läuft so: Eine Umgebung (Anwendungen, Bibliotheken, Services) wird auf einem Host-Rechner entwickelt, verkapselt und dann in ein Container-Image verpackt und verschickt. Der Zielrechner führt die Anwendungen direkt aus, als ob sie nativ laufen würden. Großer Wert wird bei Syslabs.io auf die Sicherheit gelegt: „Singularity Container sind unveränderlich, verschlüsselt signiert und überprüfbar“, erklärt Kurtzer und glaubt, damit die Sicherheitsprobleme von Container-Plattformen für Unternehmen gelöst zu haben. Zudem habe man die Leistungsfähigkeit gesteigert und die Kosten um 75 Prozent gesenkt.

„Orchestrate“, das Portal für Enterprise Perfomance Computing

„Orchestrate liefert dem Anwender eine sichere und effiziente Möglichkeit, seine daten- und rechenintensiven Aufgaben mit eigenen Ressourcen oder alleine oder in Kombination mit jedem Public-Cloud-Service erledigen zu können“, definiert Rstor das Modul. Orchestrate erlaubt Zugang zu Supercomputer-Ressourcen und ermöglicht es, Arbeitslasten, Daten und IT-Ressourcen mit Partnern zu teilen, wenn man gemeinsam an Projekten arbeitet.

Fazit

Rstors Multicloud Plattform für Enterprise Performance Computing besteht aus drei Elementen: Secure, das Singularity-Container in öffentlichen oder privaten Clouds bereitstellt, Connect, das das Fabric-Netzwerk für schnellen Zugriff und Datenmigration beinhaltet sowie Orchestrate, das alle Operationen und Konfigurationen steuert. Man darf gespannt, wie sich Rstor und Sylabs.io am Markt behaupten und welche Neuerungen in nächster Zeit bekannt gegeben werden.

*Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Systemischer Coach (SE) in München.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45736696 / Virtualisierung)