Neuausrichtungen bei Portfolio: nur OpenEdge bleibt Progress: Zurück zu den Wurzeln und in die Cloud

Redakteur: Ulrich Roderer

Ein halbes Jahr brauchte der neue CEO Jay Bhatt bei Progress, um das breite Geschäftsportfolio gründlich zu analysieren. Dann war klar: Das Unternehmen wird neu strukturiert und erhält einen klaren Fokus auf sein ursprüngliches Produkt OpenEdge – aber als Platform as a Service in der Cloud.

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Progress baut Entwicklungsplattform OpenEdge zu einem Application-Platform-as-a-Service (aPaaS) aus.
Progress baut Entwicklungsplattform OpenEdge zu einem Application-Platform-as-a-Service (aPaaS) aus.

Jahre lang hatte Progress neben seiner 4GL-Entwicklungsplattform immer wieder durch Übernahmen von Softwareanbietern neue Geschäftsfelder aufgetan – so im Bereich BPM, der Ereignisverarbeitung oder der Integrations-Middleware. Diese Strategie der Vielfalt ging bis zum letzten Jahr auf, als der Umsatz der verschiedenen Geschäftseinheiten einbrach. Als Folge gab es einen Führungswechsel im Dezember, und nach einer gründlichen Überprüfung der einzelnen Geschäftsschwerpunkte unter der Leitung von Jay Bhatt, dem neuen CEO, stellt sich Progress nun neu auf.

Kernkompetenz

Das Unternehmen will sich künftig wieder auf seine Kernkompetenz konzentrieren, nämlich auf die Entwicklungsplattform OpenEdge und will diese bis zum Jahr 2015 zu einem Application-Platform-as-a-Service (aPaaS) aus- und umbauen. Auf der anderen Seite aber werden zehn Produktlinien abgegeben.

Dazu gehören Actional, Artix, DataXtend, FuseSource, ObjectStore, Orbacus, Orbix, Savvion, Shadow sowie Sonic. “Diese Maßnahme ist deshalb unumgänglich, weil der Markt etwa für BPM oder SOA ganz andere Voraussetzungen erfordert und ganz andere Partnerschaften als das Marktsegment für PaaS“, rechtfertigt Colleen Smith, Vice President SaaS and OpenEdge Product Marketing, die Verschlankung des Unternehmens. Progress geht von einer jährlichen Kostenreduzierung von etwa 55 Million Dollar aus.

Entwicklung in der Cloud

Die Strategie für das künftige OpenEdge erläutert Colleen Smith im Gespräch: “Wir werden für Partner eine Entwicklungsplattform in der Cloud zur Verfügung stellen, die zwar OpenEdge ähnelt, doch auf einer neuen Architektur beruht und alle erforderlichen Fähigkeiten mitbringt, um transaktionsbasierte aber auch analytische Anwendungen zu entwickeln.“

PaaS-Lösung

Die PaaS-Lösung wird unter einem neuen Namen und Unterbau die Fähigkeiten von OpenEdge mit Workflow- und BPM-Funktionalität (zum Teil aus der Savvion-Lösung) vereinen. Hinzu kommen die analytische Fähigkeiten von Progress Control Tower sowie Apama Analytics and Decisions, bestehend aus Complex Event Processing und Business Rules Management, für Realtime-Auswertungen.

Datenkonnektivität zu unterschiedlichen Quellen ist ein weiteres Muss, das über Data Direct in die Lösung einfließt. Den Datenfluss zwischen verschiedenen Anwendungen und auch zur Cloud wird als eine Kernkomponente der Messaging-Backbone übernehmen. Hier setzt Progress laut Smith auf die Sony-Technik, die sie dann vom neuen Besitzer lizenzieren wollen. Ohne Unterstützung von Big Data wird wohl künftig keine Lösung auskommen.

Dafür bietet Data Direct bereits jetzt Integrationsmöglichkeiten mit Hadoop, dem verteilten Dateisystem zur Speicherung und Abfrage großer Datenmengen. Mit der künftigen Lösung will Progress vor allem die ISVs (Independent Software Vendors) aus der Finanzbranche, Telekommunikation, Mobilindustrie und auch Fraud Detection ansprechen.

OpenEdge goes Cloud

Erste Schritte in Richtung Cloud sind schon in der gerade veröffentlichten Version 11.1 von OpenEdge sichtbar. Unter anderem sind neben Mehrmandaten- auch BPM-Fähigkeiten vorhanden, verbesserte Managementwerkzeuge mit einer zentralen Management-Konsole für die Administration von Accounts, die im SaaS-Modell eingerichtet werden oder auch die Möglichkeit auf externe Datenquellen wie Big Data, Cloud- oder On-Premises-Daten zuzugreifen.

Schließlich ist die Benutzerauthentifiziierung und zentralisierte Überwachung mit einem konsolidierten Identity und Security Management bei Cloud-basierten Applikationen vereinfacht worden. Übrigens, für Onpremise-Kunden wird es OpenEdge auch in drei Jahren noch unter diesem Namen geben.

Die Analysten von Saugatuck begrüßen die Pläne zur Neuausrichtung. „Progress war Jahre lang das bestgehütete Geheimnis, obwohl große eine Vielfalt an ISVs OpenEdge als Grundlage für die eigenen Lösungen nutzen“, stellt Bill McNee von Saugutuck fest. Für den Anbieter kommt es jetzt darauf an, die eigene unterbewertete Marke „neu zu erfinden“, so der Analyst, und die Partnerbasis breit aufzustellen, um möglichst viele neue ISVs sowie Unternehmenskunden akquirieren zu können.

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