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Skaleneffekte machen Cloud-Anwendungen günstiger Preissenkung bei Microsoft Office 365 verunsichert Partner

| Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Martin Fryba / Martin Fryba

Kluger Schachzug oder Strategiefehler aus Verzweiflung? Microsofts Preissenkung bei Office 365 erregt Analysten und Partner gleichermaßen. Im Software-Markt für Büroanwendungen aus der Cloud sieht sich Microsoft von Google und anderen SaaS-Anbietern unter Druck gesetzt.

Microsoft senkt Preise für Office365 um 20 Prozent.
Microsoft senkt Preise für Office365 um 20 Prozent.

Die Mitteilung erfolgte eher beiläufig im Blog, weil sich Microsoft der Brisanz der Ankündigung wohl bewusst war: Der Preis für die meisten Services der SaaS-Lösung Office 365 sinkt für neu abgeschlossene Nutzungsverträge um 20 Prozent, schrieb Kirk Koenigsbauer, bei Microsoft zuständig für die Office Division. Zuvor hatte Microsoft schon Preissenkungen für die Cloud-Dienste Windows Azure Storage und Windows Azure Compute angekündigt. Es sei das „Tolle an der Cloud“, dass man dank der Skaleneffekte in diesem Geschäft den Preisvorteil an die Kunden weiter geben könne, begründet Koenigsbauer den ohne Zweifel positiven Effekt für Anwender. Ein Jahr nach der Einführung von Office 365 können sich zumindest Neukunden über den Preisrutsch von 20 Prozent freuen. Der erste Fehler von Microsoft, meinen Analysten.

Denn für Bestandkunden gelten die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses gültigen Preise. Erst wenn die Verträge auslaufen, zahlen Kunden nach dem neuen Preismodell. „Ein Eimer voll kaltes Wasser ins Gesicht der Early Adopter“, kommentiert Axel Oppermann von der Experton-Gruppe. Eine freilich noch nicht überzeugende Replik, denn solche Modalitäten sind in vielen anderen Branchen mit Laufzeitverträgen über Dienstleistungen üblich.

Preiskampf im harten Wettbewerb

Einen anderen Kritikpunkt dagegen muss Microsoft ernst nehmen: Oppermann verweist zurecht darauf, dass der Software-Riese für seine Cloud-Office-Plattform Vorteile wie Funktionalität, Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit ins Feld führt und damit eine Argumentation aufbaut, die den Nutzen gegenüber On-Premise-Installationen betont und weniger auf den Preis abzielt. Gerade kleinere Unternehmen würden so von IT-Aufgaben und IT-Investitionen entlastet. Statt weiter die Innovationen von Cloud-Services und die Effizienzsteigerungen solcher Lösungen zu betonen, könnte die Senkung der Nutzungsgebühren eine Diskussion anstoßen, die weiter erodierende Preise bei SaaS-Angeboten nach sich zieht.

Andere Analysten dagegen begrüßen die Preissenkungen und verweisen darauf, dass Microsoft damit das Neukundengeschäft erfolgreich ankurbeln könnte. Für Neueinsteiger aus dem Mittelfeld ist das eine gute Nachricht, sagt beispielsweise das US-Analystenhaus Nukleus Research. Microsoft reagiert außerdem auf Google, Amazon, Salesforce.com und andere Cloud-Anbieter, die Büroanwendungen, Storage oder Kollaboration-Dienste zum Teil kostenlos anbieten. Der Markt in der virtuellen Welt stellt Microsoft vor eine neue Wettbewerbssituation, die der Software-Giganten so aus dem klassischen Software-Geschäft nicht kennt.

Provisionen im Cloud-Channel sind nicht alles

Die Preissenkung wird auch Konsequenzen für das Cloud-Geschäft der Microsoft-Partner haben. Schaffen es die Partner nicht, die Zahl der Neukunden signifikant zu steigern, könnten auch ihre realen Provisionen in der Tat sinken. Microsoft-Partner erhalten für Office 365-Verkäufe sechs Prozent vom Kundenumsatz pro Jahr, plus einmalig zwölf Prozent für die Neukundengewinnung.

Ein reines Provisionsmodell, ähnlich wie das „Box-Moving“, ist das Cloud-Geschäft aber nicht. Partner, die Cloud-Services strategisch für sich entdeckt haben, sind mehr als nur reine „Makler“. Sie helfen Kunden bei der Beratung und Implementierung individueller Zusatzfunktionen oder ergänzen das Portfolio der Hersteller durch eigene Cloud-Services. Auf reine Provisionen oder einen einzigen Hersteller sind sie nicht angewiesen.

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