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Cloud-Know-how im IT-Team gezielt aufbauen Plötzlich Cloud-Admin! – Vom (Un)Mut zur Wissenlücke

| Autor / Redakteur: Sascha Giese* / Elke Witmer-Goßner

In jedem Unternehmen – vor allem kleineren – gibt es sie: die System-Administratoren, die ungeachtet ihrer Spezialisierung jede technische Innovation in der IT-Umgebung einführen, betreuen oder weiterentwickeln sollen.

System-Admins müssen sich nicht selten als „Mädchen für alles“ um die gesamte IT kümmern – oft fachfremd und mit „learning by doing“ ohne fundierte Weiterbildung.
System-Admins müssen sich nicht selten als „Mädchen für alles“ um die gesamte IT kümmern – oft fachfremd und mit „learning by doing“ ohne fundierte Weiterbildung.
(Bild: © Dmitriy - stock.adobe.com)

Der „Datenbank-Admin aus Versehen“ (accidental DBA) ist ein bekanntes Phänomen in der IT-Welt und beschreibt eine zusätzliche Aufgabe für den System-Administrator. Ebenso gibt es die „unfreiwilligen Security-Admins“, eine Aufgabe die traditionell vom Netzwerk-Administrator angenommen wurde, da klassisch nur die Zugänge zum Netz abgesichert wurden. Jetzt hat man die Clouds, aber unter wessen Verantwortung fallen sie? Doch bestimmt unter die des System-Administrator, da es doch lediglich Infrastruktur ist? Aber was ist mit VPN, BGP und Load Balancing, das gehört doch zum Netzwerk?

Jedes Jahr führt SolarWinds weltweit eine Umfrage bei rund 1.000 Organisationen (davon 150 Unternehmen aus Deutschland) verschiedenster Größen und Branchen für den IT Trends Report durch. Die Ergebnisse des diesjährigen Berichts „SolarWinds IT Trends Report 2020: The Universal Language of IT“ zeigen, dass hierzulande zwar rund 30 Prozent aller Organisationen nach Anwendungsfällen für die neuen Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und Edge Computing suchen, doch der Fokus liegt klar auf dem hier und jetzt. Gut 40 Prozent des aktuellen Personalbedarfs liegt im Bereich Cloud Computing, zusätzliche 31 Prozent speziell im Bereich hybrider Infrastruktur. Unglücklicherweise wurde auch festgestellt, dass sich 43 Prozent der Technikexperten als nicht ausreichend qualifiziert empfinden, um die dafür notwendigen Anforderungen bieten zu können. Schauen wir uns das einmal genauer an.

Tatsächlich ist die Cloud, wenn man es simpel betrachtet, eine andere Form von Infrastruktur, die sich aber nicht als „ein weiteres Datenzentrum“ bezeichnen lässt, wo es klar abgesteckte Gebiete um die Dreifaltigkeit von Storage, Computing und Netzwerk gibt. Bei Konzernen trifft man häufig dedizierte Cloud-Teams mit Architekten und Administratoren, die über Spezialzertifizierungen bei einem oder gar mehreren Cloudanbietern verfügen und ihre ganze Zeit für entsprechende Themen um die Wartung und Optimierung aufbringen können. Aber in den meisten Organisationen sieht die Realität leider anders aus, und der Ausblick in die Zukunft von IT-Budgets sieht düster aus.

Ist Zeit zum Lernen vorhanden?

In der IT ist es nicht ungewöhnlich, sich in verschiedenen Bereichen zu bewegen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man an Technologie generell interessiert und neugierig ist. Wenn es ein neues Spielzeug oder gar einen Spielplatz gibt, wissen wir gerne mehr darüber.

Aber das wird zu einem Problem, wenn ein Individuum bereits vollkommen ausgelastet ist. Daher sollten alle Beteiligten immer über das aktuelle Arbeitspensum sowie das Risiko, dass bestimmte Dinge unter den Tisch fallen können, informiert sein. Jeder Cloud-Anbieter stellt Dokumentation und Training zur Verfügung, ebenso gibt es Zertifizierungen, die man ablegen kann, um das Erlernte zu bestätigen. Aber es empfiehlt sich, Angebote von Drittanbietern anzuschauen, da Trainings dort von Experten des Wissenstransfers erstellt werden.

Ein Fallstrick ist, dass in der IT gerne „Learning by Doing“ angesagt ist, also das spielerische Erlernen von Technologie, vielleicht unterstützt durch YouTube-Videos. Beim Lernen von Cloud-Technologien kann dies in sehr teuren Fehlern enden. Die Clouds sind ja nicht neu und jeder hat sich bereits einiges an Wissen angeeignet, aber es mangelt noch an Details. Gefährliches Halbwissen.

Auf vorhandenes Wissen aufbauen

Es ist eine gute Idee, bereits vorhandenes Wissen als Basis zu nehmen und sich zuerst mit ähnlichen Themen im Bereich der Cloud zu beschäftigen. Für einen Netzwerk-Administrator als Beispiel, ist es sinnvoll zu schauen, wie exakt Clouds angebunden werden. Was mit einer kurzen Übersicht über bekannte Themen, wie den beim Anbieter zur Verfügung stehenden VPN-Technologien startet, wird zu einem Verständnis der Routing-Optionen führen. Der nächste Schritt ist vielleicht das Verstehen, wie die Anbieter ihre Verfügbarkeitszonen auslegen und das Anwenden dieses Wissens für das Unternehmen. Gleichzeitig lernt man die Kosten von Datentransfer einzuschätzen, was leider sehr gerne vergessen wird, und dazu noch von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich berechnet wird.

Der System-Administrator wird sicherlich zuerst mit dem Konzept von virtuellen Maschinen in der Cloud Fuß fassen, bevor er sich Containern zuwendet. Und ein Entwickler im Back-End wird Gefallen an Ideen wie Infrastruktur als Code und dem Erstellen von Anwendungspfaden finden. Tatsächlich sind das interessante Themen, deren Studium lohnend sein kann. Einzelne Mitglieder des IT-Teams können sich gegenseitig trainieren. So ist es für den Netzwerk-Administrator sicherlich nicht von Belang wie genau man Infrastruktur als Code aufsetzt, aber ein solides Grundverständnis und Kenntnis über sinnvolle Einsatzmöglichkeiten sind äußerst dienlich.

Security ist, wie üblich, ein etwas spezielles Thema. Generell existiert bei Clouds die „geteilte Verantwortung“, was bedeutet, dass der Anbieter die unterliegenden Technologien sowie sämtliche physischen Elemente absichert; die Absicherung der Zugriffe auf Ressourcen liegt aber in der Hand des Kunden. Durch die dadurch entstehende Komplexität kann es sinnvoll sein, wenn komplette IT-Teams die Sicherheit diskutieren. Das wird helfen, Risiken abzuschwächen und man kann sich gegenseitig erinnern, dass das traditionelle Konzept von der „Sicherheit in den eigenen vier Wänden“ in der Cloud nicht zum Tragen kommt.

Letzten Endes liegt es in der Verantwortung des IT-Direktors oder gar darüber, sicherzustellen, dass die Mitarbeiter ausreichend geschult sind, um den Aufgaben des Unternehmens gewachsen zu sein. Daher sollten die bereits erwähnten 43 Prozent den Bedarf an Training in Besprechungen anbringen.

Wenn alles fehlschlägt

Leider ist es manchmal tatsächlich so, dass das Team komplett ausgelastet ist und keine Zeit zum Lernen da ist. Eventuell ist das nicht nur eine Momentaufnahme, sondern eher der Regelfall. In einer perfekten Welt würde man weiteres Personal einstellen, aber da es im Moment nicht absehbar ist, wie sich Unternehmen und sogar unsere Gesellschaften in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln werden, ist das leider nur selten eine Option.

Sascha Giese, SolarWinds.
Sascha Giese, SolarWinds.
(Bild: SolarWinds)

Hier können externe Ressourcen helfen, die immer verfügbar sind. Das kann entweder ein MSP sein, mit dem man langfristig plant, oder Consultants für kurzfristige Projektarbeit. Beide können externe Expertise in die Organisation bringen und Wissenslücken füllen oder einfach nur dem Team beiseite stehen, wenn es mal wieder brennt in der Cloud. Manche erledigen aber auch alles für das Unternehmen. Klingt verlockend. Warum auch nicht?

* Der Autor Sascha Giese ist Head Geek bei SolarWinds.

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