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Drei zentrale Schritte für einen erfolgreichen Umzug Planung macht den Meister bei der Cloud-Migration

| Autor / Redakteur: Marius Dunker* / Elke Witmer-Goßner

Die IT-Welt drängt Richtung Cloud. Mit Covid-19 ist die Nutzung von Public wie Private Clouds in kürzester Zeit massiv in die Höhe geschossen. Eine Umkehr zum digitalen „Normalzustand“ vor der Krise scheint für viele Unternehmen weder möglich noch wünschenswert.

Je weniger Unbekannte hinsichtlich Infrastruktur und Softwarekomponenten vorhanden sind, desto leichter lässt sich der schnellste, sicherste und kosteneffizienteste Weg in die Cloud ermitteln.
Je weniger Unbekannte hinsichtlich Infrastruktur und Softwarekomponenten vorhanden sind, desto leichter lässt sich der schnellste, sicherste und kosteneffizienteste Weg in die Cloud ermitteln.
(Bild: © Pixel-Shot - stock.adobe.com)

Je mehr Anwendungen und Workloads jedoch in die Cloud wandern, desto wichtiger wird eine durchdachte Cloud-Migration. Ein erfolgsversprechender Migrationsplan braucht in erster Instanz aussagekräftige Informationen über die zugrundeliegende IT-Landschaft. Diese Transparenz fehlt den meisten Unternehmen. Die Abbildung aller Beziehungen zwischen Anwendungen, Hardware und Netzwerkgeräten für jeden IT-Service ist komplex und schwierig umzusetzen, insbesondere in einer sich schnell entwickelnden Umgebung. Nach dem State of the Cloud Report 2020 von Flexera stellen Transparenz der IT-Landschaft für 64 Prozent der befragten Unternehmen die größte Herausforderung bei der Cloud-Migration dar.

Für den erfolgreichen Umzug in die Cloud sind daher drei zentrale Schritte zu berücksichtigen:

Schritt 1: Business Services genau abbilden

Die zentralen Herausforderungen der Cloud Migration laut „State of the Cloud Report 2020” von Flexera.
Die zentralen Herausforderungen der Cloud Migration laut „State of the Cloud Report 2020” von Flexera.
(Bild: Flexera)

Welche Anwendungen und Services für einen Betrieb in die Cloud Sinn machen, gilt es zunächst, Klarheit hinsichtlich der betroffenen Infrastruktur und Softwarekomponenten zu schaffen. In erster Linie heißt das, Abhängigkeiten zu ermitteln und bei der Migration zu berücksichtigen. Welche Systeme und Anwendungen sind betroffen, wenn eine bestimmte Anwendung in die Cloud wandert? Um beispielsweise die Sicherheit und den Erfolg einer Mobile-Banking-App zu garantieren, muss klar sein, ob die Anwendung auf einem Reporting-Service aufbaut, der von anderen Business Services genutzt wird, und welche Software für die Logsammlung zum Einsatz kommt. Fehlt diese Einsicht in die Anwendungsarchitektur verläuft die Cloud-Migration nach dem Trial-and-Error-Prinzip – ein Ansatz der nicht nur viel Zeit und Aufwand kostet, sondern auch riskant ist.

Je mehr Unbekannte in der IT-Gleichung, desto schwieriger ist es, den schnellsten, sichersten und kosteneffizientesten Weg in die Cloud zu ermitteln. Die IT-Landschaften maßstabsgetreu manuell abzubilden (Mapping) ist schlichtweg unmöglich. Configuration Management Datenbanken (CMDB) stoßen schnell an ihre Grenzen, da sie zwar einen Blick auf die Anwendungen freilegen, jedoch dabei die Vollständigkeit und Aktualität fraglich sein kann. Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Business Services lassen sich auf diesem Weg möglicherweise nur unzureichend identifizieren. Die fehlende Transparenz und die ungenaue Datengrundlage führen langfristig zu einer stockenden digitalen Transformation, die sich über Jahre ziehen kann, gänzlich fehlschlägt oder einfach nie wirklich abgeschlossen wird.

Der Schlüssel für ein genaues Mapping der IT-Infrastruktur liegt in einem automatisierten Bottom-Up-Approach. Ziel ist es, alle IT-Assets (einschließlich der jeweiligen Netzwerkdaten) einer Umgebung zu identifizieren und abzubilden. Neue Mapping-Tools nutzen dazu mittlerweile intelligente Algorithmen, um eine saubere Übersicht aller Komponenten und deren Abhängigkeiten zu gewinnen. Auf dieser Grundlage lässt sich dann schnell erkennen, wie die zu migrierenden Anwendungen miteinander in Verbindung stehen und welche Abhängigkeiten zu beachten sind.

Schritt 2: Ganzheitliche technische Analyse

In der Regel starten Unternehmen die Cloud-Migration mit dem Umzug von einfachen, weniger systemkritischen Anwendungen. Trotzdem ist es auch hier hilfreich, vorab eine ganzheitliche technische Bewertung aller Business Services durchzuführen. Die Informationen, die IT-Verantwortliche über ein Bewertungs-Tool für die Cloud-Migration gewinnen, können dann schnell und unkompliziert darüber Aufschluss geben, ob zum Beispiel eine neue Architektur den Ansatz optimiert. Dementsprechend kann der geeignete Ansatz für die Cloud Migration ausgesucht werden.

Umzug in die Cloud: Automatisierte Lösungen für reibungslose und kosteneffiziente Migration.
Umzug in die Cloud: Automatisierte Lösungen für reibungslose und kosteneffiziente Migration.
(Bild: Flexera)

Zu den bekannten Methoden zählt beispielsweise Lift & Shift, wobei Anwendungen und Daten ohne größere Veränderungen an der Funktionsweise, dem Design und dem Code in die Cloud verschoben werden. In anderen Fällen sind Re-Architecting-/Modernisierungsansätze nötig. Wer die technischen Merkmale der zu verschiebenden Anwendungen kennt und versteht, kann überhaupt erst beurteilen, für welche Anwendungen sich die Migration lohnt und wo das Kosten-Nutzen-Verhältnis negativ ausfällt. Fehlt es beispielsweise an Kapazität im Rechenzentrum, sollten kritische Anwendungen mit viel Speicherplatz zuerst umziehen, um den Kauf zusätzlicher Kapazität zu vermeiden.

Scorecards helfen hier, eine Reihenfolge für die Migration festzusetzen und dabei organisatorische Anforderungen sowie langfristige Ziele (z. B. Kostenreduktion, Geschäftskontinuität, Skalierbarkeit oder Agilität) miteinzubeziehen. Oft ist es besser klein anzufangen, um schnell erste Erfolge zu realisieren und dann Schritt für Schritt darauf aufzubauen. Es ist ein Unterschied, ob zu Beginn eines Migrationsplans eine Multi-Tier-Anwendung steht, die ein mehrmaliges Nacharbeiten erfordert, oder eine Anwendung, die innerhalb von einem Tag in der Cloud funktioniert. Die technische Analyse zeigt zudem auf, welche Dienste auf SaaS-Lösungen umgestellt werden können.

Schritt 3: Kosten optimieren

Wer Anwendungen mit gleicher CPU, Arbeitsspeicher (Memory) und Speicherplatz (Storage) wie On-Premises in die Cloud migriert und diese dann rund um die Uhr laufen lässt, wird kaum Kosten sparen können. Cloud-Migration heißt deshalb auch immer, die Kosten zu optimieren – nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich und über alle Anwendungen und Cloud-Anbieter hinweg.

Hier sind fünf zentrale Grundregeln zur Kostenoptimierung:

  • Finden und beseitigen Sie Zombie-Server vor der Migration. Als Zombie-Server werden physische Server bezeichnet, die sozusagen im Leerlauf oder mit geringer Auslastung arbeiten und keine Rechenkapazität beitragen. Im Grunde sind solche Server vollkommen nutzlos und verbrauchen nur Energie. Deshalb macht es auch nur wenig Sinn, diese IT-Assets in die Cloud zu überführen. Durch das Beseitigen von Zombie-Server kann die IT-Abteilung zudem Lizenzen für Software, die auf diesen Servern bereitgestellt, aber nicht mehr genutzt werden, umverteilen.
  • Wählen Sie die passenden Instanzen. Überdimensionierte Instanzen sind in der Cloud genauso wenig erwünscht wie On-Premises. Statt also Systeme ohne zu hinterfragen in die Cloud zu übernehmen, empfiehlt sich vorab ein Blick in die Nutzung der On-Premise-Anwendungen (u.a. tatsächliche Auslastung von CPU, Memory, Storage und Bandbreite) über einen Zeitraum von einem Monat oder mehr. So lassen sich wöchentliche oder monatliche Spitzenbelastungen erfassen und Cloud-Instanzen bedarfsgerecht dimensionieren. Grundsätzlich sollte eine maximale oder durchschnittliche Auslastung vermieden werden. Hier hat sich in den letzten Jahren die 95th-Percentile-Basis als Best Practice etabliert. Bei diesem Modell, wird davon ausgegangen, dass 95 Prozent der Zeit, die Auslastung unter einem bestimmten Wert verläuft. Die „oberen“ 5 Prozent betreffen ungewöhnliche Spitzenbelastungen. Cloud-Anbieter bieten entsprechende Abrechnungsmodelle, bei denen diese fünf Prozent am Ende jedes Monats nicht in der Abrechnung berücksichtigt werden.
  • Vergleichen Sie Cloud-Anbieter und Cloud-Regionen. Die Mehrheit der Unternehmen verfolgt eine Multi-Cloud-Strategie und nutzt damit mehr als einen Anbieter – durchschnittlich zwei Public Clouds sowie zwei Private Clouds. Um das beste Preis-Leistungsverhältnis für jede Anwendung zu erzielen, müssen Unternehmen die unterschiedlichen und teils komplexen Preismodelle von Anbietern fortlaufend im Blick behalten. Das schafft nicht nur eine bessere Verhandlungsgrundlage für den Einkauf. Auch Preisvorteile, zum Beispiel bei der Verlagerung einer Cloud-Instanz in eine andere Region, lassen sich ausmachen.
  • Managen Sie Ihre Lizenzen. Das Lizenzmanagement hat in der Cloud nichts an Bedeutung eingebüßt. Die Art der Lizenzierung kann Kosten in die Höhe treiben, aber auch Einsparungen ermöglichen. Einige Softwareanbieter machen ihre Preise beispielsweise davon abhängig, in welcher Cloud-Umgebung (und bei welchem Cloud-Anbieter) ihre Software genutzt wird. Gleichzeitig darf auch nicht jede On-Premises Softwarelizenz automatisch in der Cloud genutzt werden. Um also potenzielle Compliance-Verstöße zu vermeiden, sollten IT-Abteilungen genau überprüfen, ob die Cloud-Nutzung auch durch die vom Einkauf erworbene Lizenz tatsächlich abgedeckt ist. Ansonsten steht beim nächsten Audit eine böse Überraschung bevor.
  • Verfolgen Sie die Rabatte von Cloud-Anbietern. Die Cloud bietet ein hohes Maß an Flexibilität, die auch hinsichtlich der Kosten genutzt werden will. Preismodelle und Rabatte von Cloud-Anbietern ändern sich kontinuierlich und bieten viele Gelegenheiten, die Cloud-Ausgaben zu optimieren. Gleichzeitig muss nicht jedes neue Angebot unterm Strich tatsächlich effektiv sein. Vielmehr sollten Unternehmen genau prüfen, ob die Performance bei den neu migrierten Workloads ausreicht oder tatsächlich verbessert werden muss.

Marius Dunker, Flexera Software
Marius Dunker, Flexera Software
(Bild: x-default / Flexera)

Der Erfolg in Sachen Cloud wird in Unternehmen vor allem an den damit verbundenen Kosteneinsparungen gemessen. Für 70 Prozent der von Flexera befragten Unternehmen, steht die Optimierung von Cloud-Ausgaben daher auch ganz oben auf der Prioritätenlisten. Die Zeit drängt, denn die tatsächlichen Cloud-Ausgaben überschreiten bereits heute das ihnen zugewiesene Budget um durchschnittlich 16 Prozent. Zusätzlich sollen im nächsten Jahr die Ausgaben für Cloud Computing nach Schätzungen um durchschnittlich 56 Prozent steigen. Mit Covid-19 als Treiber der digitalen Transformation dürften diese Zahlen mittlerweile deutlich höher liegen.

* Der Autor Marius Dunker ist Vice President DACH Sales von Flexera Software.

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