Interview mit Philipp Strube, CEO und Gründer von cloudControl

„PaaS verändert den gesamten Software-Lebenszyklus“

| Redakteur: Florian Karlstetter

Moderne Entwicklungsumgebungen: PaaS-Angebote stellen Programmier-Umgebungen für die Entwicklung cloud-basierter Applikationen bereit.
Moderne Entwicklungsumgebungen: PaaS-Angebote stellen Programmier-Umgebungen für die Entwicklung cloud-basierter Applikationen bereit. (© Blueminiu - Fotolia.com)

Platform-as-a-Service (PaaS) führt ein Nischendasein. Dass sich das bald ändern wird, davon ist cloudControl-Gründer und Geschäftsführer Philipp Strube überzeugt. Denn das Konzept habe zahlreiche Vorteile und mache die Softwareentwicklung in Unternehmen agiler und schneller. Im Interview erläutert er, warum.

CloudComputing-Insider: Herr Strube, cloudControl ist seit 2009 am Markt, für die Cloud-Branche entspricht dies einer halben Ewigkeit. Ihr Konzept war von Beginn an auf PaaS ausgerichtet. Warum?

Philipp Strube: Software-Entwickler stehen immer vor derselben Herausforderung: Sie sollen qualitativ hochwertige Applikationen in möglichst kurzer Zeit entwickeln. Zudem ziehen regelmäßige Deployments neuer Versionen einen hohen administrativen Aufwand nach sich. Dies war uns ein Dorn im Auge und unser Ziel war es, Entwicklern genau die Plattform zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen. Da jedes Entwicklungsprojekt andere Anforderungen hat, die sich oft genug auch während der Arbeit daran mehrmals ändern, ging es uns um Flexibilität. Die Plattform sollte eine Dienstleistung sein, die sich jeder nach Bedarf zusammenstellen kann.

Was genau sind das für Dienstleistungen, die hinter PaaS stecken?

Strube: PaaS-Angebote stellen Programmier-Umgebungen für die Entwicklung von Cloud-basierten Applikationen bereit. cloudControl als Anbieter stellt dabei die nötige Infrastruktur zur Verfügung, inklusive Betriebssystem und verschiedenen Entwicklungsumgebungen. Hinzu kommen weitere Services wie etwa Monitoring- und Lasttest-Tools, die die Entwickler nutzen können, ohne sich um deren Installation oder Administration kümmern zu müssen. Der Entwickler stellt sich die Umgebung zusammen, die er für sein aktuelles Projekt benötigt: jederzeit, nur so lange wie er sie braucht und das alles auf individuell skalierbarer IT-Infrastruktur. Die Software-Entwicklung wird dadurch deutlich agiler und effektiver.

Der ganze Software-Lebenszyklus verändert sich. Ein Beispiel: Es ist nicht ganz einfach und erfordert zusätzliche, freie Ressourcen, wenn eine neue Applikation im eigenen Rechenzentrum getestet werden soll. Mit Hilfe einer PaaS kann die gesamte Testumgebung beim Cloud Provider abgebildet werden. Durch die flexibel skalierbare Infrastruktur ist es möglich, die spätere Produktivumgebung vollständig nachzubauen und die Applikation so quasi unter echten Bedingungen zu testen. Darüber hinaus lassen sich solche Entwicklungs-Workflows in der PaaS stark automatisieren. Dies hält den Aufwand für regelmäßige Deployments gering.

Ergänzendes zum Thema
 
Über cloudControl

Sie sagen, der Entwicklungsprozess verändere sich: Wie wirkt sich denn die Arbeit mit einer PaaS auf das verteilte Arbeiten an Programmier-Projekten aus? Fördert PaaS den Community-Charakter der modernen Software-Entwicklung?

Philipp Strube ist Gründer und CEO von cloudControl in Berlin.
Philipp Strube ist Gründer und CEO von cloudControl in Berlin. (Bild: Reinhardt & Sommer / cloudControl)

Strube: Es ist heute üblich, dass Entwicklungs-Teams verstreut auf der ganzen Welt zusammenarbeiten. Dafür müssen sie jederzeit unabhängig voneinander auf den aktuellen Code zugreifen können und sich mittels Collaboration Tools organisieren. Mit einer PaaS lässt sich das unkompliziert umsetzen: Es ist der zentrale Platz, an dem der Code abgelegt wird und es stehen verschiedene Werkzeuge für die Versionskontrolle zur Verfügung. Das Repository liegt remote für alle zugänglich auf der PaaS und enthält so stets alle aktuellen Änderungen, die die Versionskontrolle zusätzlich tracked. So sehen beispielsweise die Entwickler in San Francisco, wenn sie am Morgen mit ihrer Arbeit beginnen, alle Änderungen, Ergänzungen und Kommentare, die ihre Kollegen in Berlin kurz zuvor gemacht haben.

Collaboration Tools wie etwa Github oder Jira, die unkompliziert mit der PaaS genutzt werden können, erleichtern das Leben von Teams sehr, insbesondere bei größeren Projekten. Die Interaktion funktioniert ähnlich wie in anderen sozialen Netzwerken: Jeder kann sehen, wer was beigetragen hat und wann dies geschah. Man kann kommentieren und Mitteilungen erhalten von Themen oder Repositories, denen man folgt. All das sorgt für einen deutlich weniger chaotischen Entwicklungsprozess.

Wie aufwändig ist es, eine PaaS in die bestehende Infrastruktur und den herkömmlichen Entwicklungsprozess einzubinden? Und gibt es Anwendungen, bei denen der Cloud-Ansatz nicht funktioniert?

Strube: Je mehr die vorhandene Infrastruktur bereits auf Virtualisierung beruht, desto besser ist sie für die Cloud vorbereitet. Ist die Infrastruktur hingegen nur schwach automatisiert und fehlen Schlüsselkomponenten wie beispielsweise eine API ganz, erhöht sich der Aufwand. Die PaaS-Anbieter stehen hier aber unterstützend zur Seite.

In den Entwicklungsprozess selbst lässt sich die Arbeit mit einer PaaS meist recht einfach integrieren. Die Entwickler arbeiten auf der PaaS praktisch wie in ihrem gewohnten Umfeld, wenn diese auf den sogenannten Buildpacks beruht. Buildpacks sind standardisierte Reihen von Skripten, die die Vorbereitung und das Deployment von Anwendungen automatisieren. Konkret bedeutet das: Die Buildpacks stellen sicher, dass der entwickelte Code so übersetzt wird, dass die Plattform ihn interpretieren kann. Das braucht den Entwickler aber nicht zu interessieren, er arbeitet mit seiner Entwicklungsumgebung. So ist es auch möglich, wenn nötig, den PaaS-Anbieter zu wechseln. Auch die meisten bestehenden Anwendungen lassen sich problemlos auf eine PaaS portieren. Bei älteren Anwendungen sind meist einige Anpassungen notwendig.

Und nicht nur das Entwicklungs-Team profitiert von der unkomplizierten Zusammenarbeit über eine PaaS. Auch die IT-Verantwortlichen sparen Zeit und Kosten: Es müssen keine Umgebungen für die Entwicklung, das Testen und das Deployment bereitgestellt und gepflegt werden. Um die Administration, die Bereitstellung neuester Tools und die Sicherheit kümmert sich der PaaS-Anbieter.

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